Hoffenheim am Boden, der Retter naht
Sinsheim - Die Vorweihnachtszeit hat sich 1899 Hoffenheim mit sechs Niederlagen in Folge kräftig verdorben, ein neuer Trainer steht deshalb ganz oben Wunschliste der Chefetage steht.
"Ich würde eher auf Mitte als auf Ende der Woche tippen", antwortete Manager Andres Müller nach dem 1:3 gegen Borussia Dortmund auf die Frage nach der Präsentation des neuen Cheftrainers, der die Kraichgauer vor dem Abstieg retten soll.
Namen wollte Müller weder nennen noch kommentieren, dennoch liess der 50-Jährige durchblicken, dass er einen erfahrenen Retter favorisiert und nichts von Experimenten hält.
"Die Priorität liegt darin, in der Liga zu bleiben. Das soll nicht heissen, dass der Trainer nicht auch perspektivisch ausgesucht wird - aber über allem steht der Klassenerhalt", sagte Müller.
Der neue Chefcoach müsse "Erfahrung in einer solchen Situation mitbringen und dafür sorgen, dass wir Punkte holen. Der beste Trainer ist ein erfolgreicher Trainer."
Chancen für Kramer sinken
Diese Job-Beschreibung lässt die Chancen von Interimstrainer Frank Kramer, unter dessen Regie es zwei Niederlagen setzte, auf den Nullpunkt sinken.
Kramer wird wohl entweder als Assistent des neuen Chefs weiter mit den Profis arbeiten, oder er kehrt zurück zur Reserve der TSG.
Gisdols Rückkehr durchaus denkbar
Als Coach der Hoffenheimer U-23-Auswahl arbeitete einst auch Markus Gisdol. Der 43-Jährige ist nach seiner Entlassung als Co-Trainer von Schalke 04 auf dem Markt.
Für Gisdol spricht, dass er den Verein kennt, und dass er den Hoffenheimern schon im Februar ein Konzept vorgelegt hatte, wie man den Klub wieder nach oben führen könne.
Allerdings hat Gisdol keine Referenzen im Abstiegskampf vorzuweisen.
Kurz gilt als Favorit
As Favorit wird jedoch Marco Kurz gehandelt, der mit Müller einst zusammen bei Schalke spielte.
Die übrigen Kandidaten heissen Friedhelm Funkel, Felix Magath und Christian Gross.
Magath und Gross sind bekannt dafür, mit harter Hand durchzugreifen, Funkel hat seine Qualitäten als Retter bereits mehrfach unter Beweis gestellt.
Wer auch immer kommt, es wird der sechste Hoffenheimer Coach in knapp zwei Jahren sein.
Manager berät sich mit Klubchef
Müller bestätigte, dass er bereits mit potenziellen Trainern gesprochen habe.
"Die Entscheidung liegt in meiner Verantwortung. Da ist es doch klar, dass ich alle Möglichkeiten zum Wohl des Klubs prüfe", äusserte der Manager, der sich noch mit dem aus dem Urlaub zurückgekehrten Mäzen Dietmar Hopp und den drei Geschäftsführern beraten will: "Wir werden uns innerhalb des Klubs intensiv damit beschäftigen."
Eine Garantie für den Erfolg des neuen Trainers wollte Müller allerdings nicht ausstellen. "Ich habe keine Glaskugel", sagte der Ex-Profi, der nach den Enttäuschungen der vergangenen Monate vorsichtig geworden ist.
Nur drei Punkte vor den Abstiegsrängen
Die Kraichgauer, die am 3. Dezember Markus Babbel entlassen hatten, haben die schlechteste Hinrunde seit dem Aufstieg 2008 absolviert. Der Herbstmeister von vor vier Jahren hat nur zwölf Punkte gesammelt, das Team stellt die mit Abstand schlechteste Defensive der Liga.
Die Hoffenheimer sind nach sechs Pleiten in Folge und nur einem Sieg aus den vergangenen zwölf Spielen auf den Relegationsplatz abgestürzt. Der Vorsprung auf die direkten Abstiegsplätze beträgt lediglich drei Punkte.
Beckenbauer leidet mit Hopp
Auf der anderen Seite ist das rettende Ufer bereits sieben Zähler entfernt.
Sogar Franz Beckenbauer hat Mitleid mit den Kraichgauern. "Ich leide mit Hoffenheim mit - als Freund von Dietmar Hopp", sagte der ehemalige DFB-Teamchef bei "Sky" - und plädierte für den ehemalige 1860-Coach Kurz: "Marco Kurz hat sicher nachgewiesen, dass er es kann. Er hat oft einen sehr guten Job gemacht, wie in Kaiserslautern."
Viel Arbeit für den neuen Coach
Wer auch immer den Trainerposten übernimmt, auf den neuen Coach wartet viel Arbeit - auch im personellen Bereich. Ohne Winter-Zugänge wird es nicht gehen.
"Das Team hatte im Sommer schon einen grossen Umbruch zu verkraften. Die Realität ist aber, dass es bisher nicht funktioniert hat. Wir müssen alles überprüfen, um zu sehen, wo Bedarf ist", sagte Müller.
Und er fügt hunzu: "Wichtig ist eine gute Vorbereitung. Dann wollen wir eine Aufholjagd starten. Andere Mannschaften haben das in ähnlichen Situationen auch schon geschafft."
SPORT1



















