Mourinho kapituliert: Meisterschaft gelaufen
Von Matthias Becker
München/Madrid - Jose Mourinho war ungewohnt gesprächig, dafür dass er mit Real Madrid gerade einen weiteren Tiefschlag erlitten hatte.
Sonst lässt er in solchen Momenten auch gerne mal seinen Assistenten Aitor Karanka vor die Presse treten, doch dieses Mal hatte Mourinho Wichtiges zu verkünden.
"Die Meisterschaft ist jetzt fast unmöglich", erklärte der Real-Trainer nach dem ernüchternden 2:2 im Heimspiel gegen Espanyol Barcelona:
"Ich war in meiner Karriere noch nie in der Situation, so viele Punkte zu verlieren und mit meiner Mannschaft so weit von einem Ziel entfernt zu sein", gestand der Portugiese ein.
Stadionsprecher vergisst Mourinho
Mit diesem offenen Bekenntnis zum Scheitern löste er in der Madrider Sportpresse natürlich ein Erdbeben aus. "Mourinho gibt den Titel ab", titelte die "AS", "Marca" klagte: "Aufgegeben!"
Beide Blätter wiesen vielsagend darauf hin, dass der Stadionsprecher im Estadio Santiago Bernabeu erstmals in dieser Saison beim Verlesen der Aufstellungen darauf verzichtete, Mourinhos Namen ebenfalls vorzulesen.
Khedira und Özil spielen durch
In der aktuellen Situation ist das für Mourinho aber sicher ein nachrangiges Problem. Noch am Samstag hatte ihm Präsident Florentino Perez demonstrativ den Rücken gestärkt.
Am Sonntag gegen den Tabellenvorletzten aus Barcelona zeigte sein Team dann wieder eine schwache Vorstellung. Der Titelverteidiger, bei dem Sami Khedira und der blasse Mesut Özil in der Startelf standen, geriet durch Sergio Garcia (31.) in Rückstand.
Cristiano Ronaldo (45.), vorbereitet durch Khedira und Fabio Coentrao (48.) drehten das Spiel vorübergehend. Doch in der 89. Minute sicherte Juan Angel Albin den Gästen einen Punkt.
Miserable Statistiken
Mit 33 Punkten nach 16 Ligaspielen weist Real die schlechteste Zwischenbilanz seit fünf Jahren auf und liegt als Tabellendritter bereits 13 Zähler hinter Erzrivale FC Barcelona zurück. Sogar Atletico Madrid rangiert noch vor den Königlichen.
15 Punkte hat Madrid in dieser Saison schon liegenlassen - bereits jetzt einer mehr als in der gesamten vergangenen Spielzeit.
Zudem gilt das Verhältnis zwischen Mourinho und Teilen des Kaders schon länger als zerrüttet.
"Die anderen haben den Respekt vor uns verloren"
Ausgerechnet Torhüter Iker Casillas, der einer der grössten Gegenspieler Mourinhos sein soll, eilte dem Trainer am Sonntagabend zur Verteidigung.
"Wir müssen noch mehr als zuvor hinter Jose Mourinho stehen", forderte er und klagte: "Die anderen Mannschaften haben den Respekt vor uns verloren."
Hoffen auf die Championsleague
Sergio Ramos, ein weiterer interner Kritiker des Coaches will den Titelkampf noch nicht aufgeben. "Das wäre ein Fehler", sagte der Abwehrspieler, "es ist schwierig, aber das Team ist motiviert. Ausserdem wollen wir den Titel in der Champions League."
Dieses Ziel treibt auch Mourinho noch an. "Wir müssen versuchen, uns zu verbessern und Spiele zu gewinnen. Denn wenn wir in der Liga besser spielen, hilft uns das auch für den Pokal und die Champions League weiter", erklärte er.
Barca-Fans verhöhnen Mourinho
In Barcelona machten sich die Anhänger Barcas während des 4:1-Siegs ihrer Mannschaft im Spitzenspiel gegen Atletico Madrid derweil genüsslich über Mourinho lustig.
"Mourinho, bitte bleib', wir lieben Dich!", sangen sie in der Endphase des Spiels. Die Vorentscheidung im Titelrennen scheint gefallen.
"Nur wir können den Titel noch gefährden. Wir können sogar Punkte abgeben, müssen nur aufpassen nicht in einen schlechten Lauf reinzukommen", stellte Barca-Verteidiger Gerard Pique zufrieden fest.
Messi baut Rekord aus
Gefeierter Mann war einmal mehr Lionel Messi. Der war bis zu seinem ersten Treffer zum 3:1 zwar kaum zu sehen und stand im Schatten von Atleticos Torjäger Radamel Falcao.
Mit seinem sechsten Doppelpack in Folge schraubte Messi sein Torekonto im Jahr 2012 dann aber noch auf 90 Treffer nach oben.
Mit 25 Liga-Treffern in dieser Saison hat Messi alleine mehr Tore erzielt als 16 Mannschaften der Primera Division insgesamt.
SPORT1











