Grenzenlos! Messias Messi in neuen Sphären
Von Christian Paschwitz
München/Sevilla - Andres Iniesta war der erste Gratulant, der Lionel Messi in die Arme sprang, um mit dem Argentinier dessen historischen Glücksmoment zu feiern, ehe der "Messias" von den übrigen Teamkollegen des FC Barcelona geherzt, umarmt, getätschelt wurde.
Es war Sonntagabend, der 9. Dezember 2012, um 21.23 Uhr, als Messi Geschichte schrieb im Estadio Benito Villamarin:
Mit einem Flachschuss mit viel Schmackes und dem linken Fuss ins lange Eck, links vom Strafraum-Eck nach einer Hacken-Ablage von eben jenem Iniesta, katapultierte sich der beste Kicker des Planeten in bisher unbekannte Fussballer-Sphären.
Der 25-jährige Superstar knackte den 40 Jahre bestehenden Uralt-Torrekord von Gerd Müller, erziele beim 2:1 (2:1)-Auswärtssieg bei Betis Sevilla zum 1:0 (16.) und 2:0 (25.) sein 85. und 86. Tor im Kalenderjahr 2012 - für Barca und die argentinische Nationalmannschaft.
Puyol twittert Jubelarie und Foto
"Grenzenlos", titelte die Homepage des FC Barcelona, nachdem sie unmittelbar nach Messis erstem Treffer zum Meilenstein nach einem Solo bereits stolz die Schlagzeile "Der Bomber Messi" auf seine Website gestellt hatte.
"Unglaublich! Rekord geknackt!", twitterte nach Abpfiff noch aus der Kabine Team-Kollege Carles Puyol - und stellte gleich ein Foto von sich und dem neuen Superlative-Inhaber mit nach oben gerecktem Daumen dazu.
Der Heroe selbst blieb in der Stunde des Coups zunächst fast schon absurd bescheiden.
Messi: Hoffe, dass ich noch ein paar Treffer mache
"Den Rekord gebrochen zu haben, ist grossartig", sagte Messi. "Aber noch viel wichtiger ist, dass die Mannschaft gewonnen hat und wir die Verfolger-Teams in der Tabelle auf Distanz gehalten haben. Persönliche Titel sind zweitrangig."
Erst etwas später taute der dreifache Weltfussballer dann emotional auf - und scherzte: "Ich hoffe, dass ich demnächst noch ein paar Treffer mache, um es den nachfolgenden Spielern möglichst schwer zu machen, meinen Rekord zu brechen."
Tito Vilanova meinte gar, Messis Husarenstreich könne erst der Anfang gewesen sein für weitere nun fallende Bestmarken.
Vilanova erwartet noch mehr
"Es wirkt schon unmöglich, derart viele Tore zu machen", sagte Barcas Cheftrainer. "Lasst uns also hoffen, dass er in den kommenden Spielen den Rekord mit noch ein paar weiteren Toren anreichert." Drei Spiele kann Messi bis Jahresende noch bestreiten.
Und Vilanova ergänzte: "Er ist noch immer so jung und gibt uns so viel - und er hat so viel mehr Qualitäten als nur Tore zu schiessen."
Das allerdings kann Messi wie kein Anderer - in Zahlen und Fakten schlüsseln sich sich seine 86-Saisontore in 66 Partien so auf:
Im Copa del Rey am "schlechtesten"
* Primera Division: 55 Tore in 36 Spielen * Championsleague: 13 Tore in 12 Spielen* Copa del Rey: 3 Tore in 7 Spielen* Spanischer Supercup: 2 Tore in 2 Spielen* Argentinische Nationalmannschaft: 13 Tore in 9 Spielen
In der Monatsübersicht:
* Januar: 7 Tore * Februar: 10 Tore * März: 13 Tore * April: 9 Tore * Mai: 8 Tore * Juni: 4 Tore * Juli: 0 Tore* August: 7 Tore* September: 5 Tore* Oktober: 10 Tore * November: 9 Tore* Dezember: 4 Tore
Fast immer mit links
* mit dem linken Fuss: 77 Tore* mit dem rechten Fuss: 5 Tore* mit dem Kopf: 4 Tore* aus dem Spiel heraus: 64 Tore* per Strafstoss: 13 Tore* per Freistoss: 8 Tore
Wenn Messi trifft, gewinnt Barca fast immer
Für den nur 1,69 Meter grossen Ballzauberer aus Santa Fe gehen schon seit längerem die Superlative aus.
Auf seinem Weg zum Rekord erzielte Messi einmal fünf Tore, schaffte zweimal vier Treffer in einem Spiel sowie sechs Hattricks. Einen Lauf hatte er mit 24 Toren in 13 Spielen, seine längste Torlos-Durststrecke betrug drei Partien.
Ebenso bemerkenswerte Statistiken: 2012 erzielte Messi 48 Prozent aller Barca-Tore - wenn der "Floh" traf, gewannen die Katalanen 91 Prozent ihrer Spiele, wenn Messi leer ausging, nur 47 Prozent.
Allerdings: Müller mit weniger Partien
In einem Punkt hat Messi, der wegen einer Knie-Verletzung in der Vorwoche kurzzeitig schon sein Saison-Aus befürchtet hatte, Gerd Müller allerdings noch nicht überflügelt:
Die Münchner Stürmer-Legende brauchte 1972 nur 60 Spiele, um auf 85 Treffer zu gekommen - Messi absolvierte gegen Betis jedoch schon seine 65. Partie.
Müller gönnt es Messi
"Bomber" Müller hatte sich schon vor der Wachablösung entspannt gezeigt.
"Ich freue mich sehr für ihn, er ist im Moment der beste Spieler der Welt, und es macht einfach Spass ihm zuzusehen", war der alte Rekordhalter unlängst in der "Welt" zitiert worden.
Und ergänzte: "Mir persönlich bedeuten Rekorde nicht viel - aber wenn es jemand verdient hat, mich zu überholen, dann Messi."
SPORT1











