HSV-Pleite beim verrücktesten Trip des Jahres
Hamburg - In 80 Stunden um die halbe Welt: Der Hamburger SV macht den verrücktesten Trip des Jahres.
Mitten in der Saison fliegt der Bundesligist für ein Freundschaftsspiel und 825.000 Euro nach Brasilien und mutet seinen Spielern erhebliche Strapazen zu.
Erst am Dienstag, vier Tage vor dem Hinrundenfinale bei Bayer Leverkusen, setzt der Charterflieger wieder in Hamburg auf.
Die Profis haben dann eine 22.000 Kilometer lange Mammut-Tour hinter sich. Und müssen einen Temperaturunterschied von 35 Grad verkraften.
Kein Urlaubsgefühl bei Fink
Thorsten Fink hatte eine schöne Aussicht, als er am Morgen nach dem 2:0-Sieg gegen 1899 Hoffenheim in sein Frühstücksbrötchen biss.
Der Luxusflieger schwebte gerade bei wolkenlosem Himmel über den Zuckerhut, das Maracana-Stadion war in Sichtweite. Doch Urlaubsgefühl dürfte sich beim HSV-Trainer nicht eingestellt haben.
Hinter und vor ihm lagen stressige Stunden. Die Reise nach Südamerika birgt zudem ein hohes Risiko.
Hektik im Innenraum
Zwar war alles bis ins letzte Detail geplant, dennoch brach schon nach dem Schlusspfiff gegen Hoffenheim am späten Freitagabend Hektik im Innenraum der Hamburger Arena aus.
Der Charterflieger mit dem Ziel Porto Alegre musste noch vor Mitternacht abheben.
Nachdem sich Fink in aller Kürze bei der obligatorischen Pressekonferenz über die neue "Stabilität" seiner Mannschaft gefreut hatte, eilte er zum Mannschaftsbus, in dem seine Spieler bereits nach einem kurzen Eisbad warteten.
"Dem Verein etwas Gutes tun"
"Wir wollen dem Verein etwas Gutes tun", hatte der Trainer gut gelaunt gesagt, bevor der Bus mit Polizeigeleit zum Flughafen düste.
"Always Hamburg" wummerte dabei aus den Boxen, der HSV-Torsong von Scooter, den Artjoms Rudnevs gegen Hoffenheim zweimal erklingen liess und damit den dritten Heimsieg in Serie ermöglichte.
Als der Flieger um 23.58 Uhr bei Temperaturen unter null abhob, mussten Dennis Aogo, Heung-Min Son und Co. schnell noch die Thrombosestrümpfe zurechtrücken, die ihnen Mannschaftsarzt Philip Catala-Lehnen ausgeteilt hatte.
Der Doktor hat auf der Reise den wohl wichtigsten Job, soll doch die hohe Belastung möglichst gut abgefedert werden.
Grosse Temperaturunterschiede
Das dürfte nicht einfach werden, angesichts von insgesamt 32 Flugstunden und riesigen Temperaturunterschieden.
Beim Freundschaftskick gegen Gremio herrschten tropische Temperaturen, dazu war der Rasen schwer bespielbar.
Die Brasilianer, bei denen der frühere HSV- und Bayern-Star Ze Roberte spielt, hatten sich den HSV als Gegner für die Eröffnung ihrer neuen Arena ausgesucht.
"Der Rahmen war top"
"Der Rahmen war top", sagte Fink danach zufrieden, obwohl sich die Hanseaten vor mehr als 60.000 Zuschauern mit 1:2 geschlagen geben mussten .
Und damit die Revanche für das Weltpokal-Finale von 1983 verpassten.
Heiko Westermann erzielte den zwischenzeitlichen Ausgleich für die Hamburger, bei denen einige Reservisten eine Bewährungschance erhielten.
Rafael van der Vaart, Maximilian Beister und auch Milan Badelj waren verletzt in der Kälte geblieben.
Reise ein grosses Wagnis
Die Reise bleibt ein grosses Wagnis.
Zwar sind es sicher aussergewöhnliche Eindrücke, die das Team sammelt.
Fink und seine Profis werden sie aber nur in guter Erinnerung behalten, wenn sie dafür nicht schon gegen Bayer Leverkusen den Preis bezahlen müssen.
SPORT1



















