''Özil steigt aus den Wolken herab''
Von Thorsten Mesch
München/Valladolid - Es war die 72. Spielminute im Estadio Zorrilla zu Valladolid.
Es gab Freistoss für Real Madrid, und das übliche Prozedere nahm seinen Lauf:
Cristiano Ronaldo legte sich den Ball zurecht, ging breitbeinig ein paar Schritte zurück und stand in seiner Pistolero-Pose zum Schuss bereit.
Doch dann zirkelte ein Anderer den Ball fast aus dem Stand über die Mauer und in den rechten Giebel des gegnerischen Gehäuses: Mesut Özil.
Der deutsche Nationalspieler traf zum 3:2 und sicherte seiner Mannschaft den umkämpften Sieg (Bericht: Özil schiesst Madrid zum Sieg).
Zweimal hatte Madrid zurückgelegen, zweimal glich Spaniens Meister aus.
Zwei sehenswerte Treffer
Zuerst durch Karim Benzema, dann durch Özil, dem der Franzose nach einem feinen Doppelpass das 2:2 kurz vor der Pause mit der Hacke vorgelegt hatte.
Mit seinen technischen Kabinettstückchen war der ehemalige Bremer, der zuletzt in Madrid nicht immer zur ersten Wahl von Trainer Jose Mourinho gehört hatte, der Held des Abends.
"Özil steigt aus den Wolken herab und erleuchtet Pucela", beschrieb "El Mundo" den Auftritt des deutschen Nationalspielers in Valladolid. "Özil unterwirft das Zorrilla", titelte "El Pais".
"Marca" schrieb in Anspielung auf die frostigen Wetterverhältnisse: "Özil enteist Madrid."
Barca hofft auf Messis Tore
Die Spielfreude des DFB-Stars bewahrte den amtierenden Meister vor einem erneuten Rückschlag im Kampf um die Titelverteidigung.
Madrid verkürzte den Rückstand auf Tabellenführer Barcelona auf acht Punkte, nur noch zwei sind es auf Atletico Madrid .
Barca kann am Abend bei Real Betis den alten Abstand wiederherstellen und dabei vielleicht sogar auf Tore von Lionel Messi hoffen.
Der Argentinier, der sich in der Championsleague beim 1:2 in Glasgow verletzt hatte, trat die Reise nach Sevilla mit seinen Teamkollegen an.
Atletico empfängt Schlusslicht Deportivo La Coruna.
Özils Freistösse als Lebensversicherung
Özils Klasse stand im krassen Gegensatz zur Abwehrschwäche seiner Mannschaft, die beide Gegentore nach Ecken kassierte.
Insgesamt stehen schon sechs Gegentreffer nach Standardsituationen zu Buche. Özil hingegen erzielte seine Saisontore Nummer drei und vier und insgesamt sein drittes Freistosstor.
"Bei Freistössen ist er eine Lebensversicherung", befand "Marca" treffend. "Magischer Özil! Er ist das Genie, das aus dem Eis hervor sprudelt", jubelte "As".
Dabei präsentiert sich Özil wesentlich effektiver als Cristiano Ronaldo, der dem Deutschen wie im Champions-League-Spiel gegen Dortmund, als Özil per Freistoss zum 2:2 traf, den Vortritt liess.
Effektiver als Cristiano Ronaldo
Für seine drei Freistoss-Tore brauchte Özil 17 Versuche, Ronaldo benötigte für seine bisher elf Treffer stolze 150 Versuche.
"Das ist der Özil, den wir alle sehen wollen", sagte Madrids Co-Trainer Aitor Karanka: "Er hat nicht nur spektakuläre Tore geschossen, sondern auch im Spiel ohne Ball gute Arbeit geleistet."
Mourinho selbst hatte sich nach den Gerüchten über seinen baldigen Abschied aus Madrid selbst einen Maulkorb umgehängt und schickte stattdessen seinen Assistenten zu den Interviews.
Antwort auf Kritik und Spott
Das Lob der Trainer mag Özil etwas wert sein, dem aus den Medien wird er nur geringen Wert beimessen.
Zu tief sitzt der Stachel der hämischen Kritik in den vergangenen Wochen.
"Allgemein erwarten die Leute nun immer aussergewöhnliche Leistungen. Normal zu spielen ist nicht mehr genug. Dann bist du schon der Depp", hatte er zuletzt in einem Interview geklagt.
Unter der Woche war er dann wieder zum Gespött geworden, weil nach einem Mannschaftsessen seine Nobelkarosse nicht angesprungen war und abgeschleppt werden musste.
Die Antwort auf all dieses Gerede gab Özil am Samstagabend auf dem Platz.
"So sehen Sieger aus"
Nach dem Aufstieg vom "Deppen" zum "Genie" wollte er seine Genugtuung nicht verbergen.
Auf seiner Facebook-Seite strahlte er auf einem Foto seine Fans mit Sami Khedira und drei weiteren Kollegen von der Rückbank des Mannschaftsbusses an.
"So sehen Sieger aus", schrieb der 24-Jährige und ergänzte, im Überschwang der Gefühle grammatikalisch nicht ganz korrekt: "Meine beiden Tore widme ich dem Real Madrid und seinen Fans. Hala Madrid."
Der 15. Spieltag im Überblick:
Freitag:
Espanyol Barcelona - FC Sevilla 2:2 (1:1)
Samstag:
Real Sociedad - FC Getafe 1:1 (0:0)
FC Malaga - FC Granada 4:0 (2:0)
Real Valladolid - Real Madrid 2:3 (2:2)
CA Osasuna - FC Valencia 0:1 (0:0)
Sonntag:
UD Levante - Real Mallorca 4:0 (1:0)
Athletic Bilbao - Celta Vigo (17 Uhr)
Atletico Madrid - Deportivo La Coruna (19 Uhr)
Real Betis Sevilla - FC Barcelona (21 Uhr)
Montag:
Rayo Vallecano - Real Saragossa (21 Uhr)
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