'Wir sind kein Bayern-Jäger'
Von Thorsten Langenbahn
Leverkusen - Mit vier Siegen in Folge hat sich Bayer Leverkusen auf Platz zwei der Bundesliga katapultiert.
Für Kapitän Simon Rolfes keine Überraschung.
"Wir spielen schon länger erfolgreichen Fussball, aber das war in der Tabelle durch den punktemässig schwachen Saisonstart nicht so sichtbar", sagt der defensive Mittelfeldspieler, der nach einer für ihn schwierigen Saison wieder zu den tragenden Säulen in der Leverkusener Mannschaft gehört.
Gemeinsam mit Stefan Reinartz und Lars Bender im Zentrum bildet der 30-Jährige die Dreierkette im 4-3-2-1-System der Werkself.
Am Sonntag wollen Rolfes und Co. bei Hannover 96 den nächsten Dreier holen.
Im SPORT1-Interview warnt der 26-malige Nationalspieler vor dem schnellen Konterspiel der Niedersachsen, spricht über die Rolle als Bayernjäger und Chelsea als möglichen Gegner in der Europa League.
SPORT1: Herr Rolfes, gibt es Parallelen im Umschaltspiel von Bayer Leverkusen und Hannover 96?
Simon Rolfes: Ich denke, unsers ist besser. Aber Hannover ist eine sehr gute Mannschaft. Sie haben sich in den vergangenen zwei Jahren stabilisiert und sind zurecht ein Kandidat für die internationalen Plätze. Bislang haben sie von ihrem fantastischen Konterspiel gelebt und die Gegner damit auch häufig überrascht.
SPORT1: Auf wen muss Ihr Team bei 96 besonders aufpassen?
Rolfes: Grundsätzlich auf die offensiven Leute. Jan Schlaudraff als schneller Spieler ist prädestiniert für ihr Konterspiel. Sie stehen als Mannschaft sehr kompakt, sind defensiv gut organisiert und schalten schnell um. Eigentlich ist es egal, wer da spielt, weil man einfach merkt, dass sie ein gutes System haben und jeder das verinnerlicht hat. Das ist neben der individuellen Qualität ihre Stärke.
SPORT1: Ähnlich wie in Leverkusen. Hat sich bei Bayer auch die Einstellung im Umfeld geändert, weg von der Vizekusen-Mentalität?
Rolfes: Ich habe mit dem Begriff Vizekusen kein Problem. Dieses Jahr wäre der zweite Platz ein Erfolg, weil die Bayern in ihrer eigenen Liga spielen. Die werden ihr Ding machen.
SPORT1: Also ist Bayer kein Bayernjäger?
Rolfes: Nein. Bis vor Kurzem hat uns noch keiner wahrgenommen. Jetzt sind wir auf einmal Zweiter und es wundern sich viele, dass wir da oben stehen. Wir spielen schon länger erfolgreichen Fussball, aber das war in der Tabelle durch den punktemässig schwachen Saisonstart nicht so sichtbar.
SPORT1: Also wenn Vizekusen so weitermacht, im nächsten Jahr wieder Königsklasse statt Europa League?
Rolfes: Die Championsleague ist unser Ziel. Vielleicht sind wir in der Tiefe nicht ganz so gut besetzt wie Dortmund oder Schalke, aber wir haben den Kader und auch die individuelle Qualität, um einen der ersten vier Plätze zu erreichen.
SPORT1: Also reicht es Ihnen, erst nächste Saison auf Chelsea zu treffen?
Rolfes: Wenn sie ausgelost werden, habe ich da kein Problem mit. Aber eigentlich ist mir egal, wen wir bekommen. Ich habe da keine Traummannschaft. Wunschgegner ist der, der besiegt wird.
SPORT1: Sie haben 26 Länderspiele bestritten, das letzte im November 2011. Inwiefern ist die Nationalmannschaft für Sie noch ein Thema?
Rolfes: Ich mache mir darüber nicht tagtäglich Gedanken, sondern versuche, gute Leistungen im Verein zu bringen. Ich denke, das ist mir in den letzten Wochen und Monaten gelungen. Dann wird sich zeigen, ob ich wieder eingeladen werde. Abschreiben braucht man nie etwas, gerade im Fussball. Warten wir mal ab.
SPORT1: Bei Torjäger Stefan Kiessling ist die Einladung des Bundestrainers überfällig. Ist "Nationalmannschaft" für ihn inzwischen ein Reizwort?
Rolfes: Nein. Er ist ganz entspannt. Natürlich wird er immer wieder darauf angesprochen und mit der Zeit nervt das. Was soll er das ständig kommentieren? Er ist nur für seine Leistung verantwortlich, aber nicht für die Nominierung. Aber man muss einfach sagen: Wenn einer 22 Tore in einem Kalenderjahr schiesst, hat er sich die Nominierung mehr als verdient.
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