''Der Champions-League-Titel geht nur über Bayern''
Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel
München - Viel Phantasie braucht Hasan Salihamidzic nicht, um sich vorzustellen, was Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm in dieser Champions-League-Saison antreibt.
Denn der Ex-Bayern-Star hat ja selbst erlebt, wie es sich anfühlt, ein Champions-League-Finale dramatisch zu verlieren und einen neuen Anlauf zu nehmen.
Nach der Last-Minute-Niederlage gegen Manchester United 1999 schaffte es "Brazzo" zwei Jahre später den Henkelpott bei den Ohren zu packen, verwandelte dabei im Finale gegen Valencia einen Elfmeter.
Und der Champions-League-Sieger von 2001 traut auch dem aktuellen FCB-Team zu, die Endspielniederlage aus dem Mai mit einem solchen Triumph zu überwinden.
Den Grundstein könnte der deutsche Rekordmeister im letzten Gruppenspiel gegen Bate Borissow legen und mit einem Erfolg Platz 1 sichern .
Im SPORT1-Interview spricht Salihamidzic über die Qualität der Münchner, die Führungsrolle von Bastian Schweinsteiger und die Arbeit von Jupp Heynckes.
Der 35-Jährige erklärt auch seine eigenen Zukunftspläne nach dem Karriereende im Sommer beim VfL Wolfsburg.
SPORT1: Herr Salihamidzic, für den FC Bayern geht es in der Championsleague gegen Bate Borissow darum, Gruppenplatz 1 zu erobern, aber auch Revanche für die 1:3-Niederlage aus dem Hinspiel zu nehmen. Motivation genug?
Hasan Salihamidzic: Wie der FC Bayern dieses Spiel in Weissrussland verloren hat, kann wohl heute keiner mehr sagen. Das war aus meiner Sicht ein Ausrutscher. Für mich sind sie daher ganz klarer Favorit und ich gehe davon, dass sie die Partie souverän gewinnen werden. Und das ist ja auch nötig, um Gruppenerster zu werden.
SPORT1: Die Vorrunde wird jetzt abgeschlossen. Waren Sie erstaunt, wie der FC Bayern die traumatische Finalniederlage vom Mai bisher weggesteckt hat?
Salihamidzic: Natürlich war das Champions-League-Finale eine Tragödie, doch umso besser hat die Mannschaft den Übergang geschafft und sich davon nicht beirren lassen. Ich finde es sensationell, wie die Mannschaft in Takt ist und wie sie verstärkt wurde. Sie haben auf jeden Fall an Qualität dazu bekommen, daraus hat sich die Überlegenheit in allen Wettbewerben entwickelt.
SPORT1: Glauben Sie, dass Bayern nun eine realistische Chance auf den Champions-League-Titel hat?
Salihamidzic: Was heisst realistische Chance? Bayern gehört zu den Favoriten, so überzeugend wie sie spielen nur wenige Teams. Ich bin deshalb sicher, dass in allen Wettbewerben der Titel nur über den FC Bayern geht.
SPORT1: Sie waren 2001 beim grossen Triumph von Mailand dabei, der Teamgeist war ein grosses Merkmal damals. Glauben Sie, dass die aktuelle Truppe bereits wieder diesen Spirit hat, um in ganz grossen Spielen bestehen zu können?
Salihamidzic: Ja, die Mannschaft funktioniert. Natürlich standen damals bei uns andere Typen auf dem Platz, doch auch die Spieler jetzt haben wieder viel Erfahrung, viele sind seit Jahren beim FC Bayern. Sie sind bereit für einen grossen Titel.
SPORT1: Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm gehören zu diesen Klub-Ikonen. Haben die beiden aus Ihrer Sicht aus der Final-Niederlage im Mai sogar auch etwas gelernt, so wie es das Team 1999 aus der Pleite gegen Manchester United getan hat?
Salihamidzic: Das wäre zu wünschen. Nicht nur die beiden, aber auch Ribery, Neuer und Robben sind wichtig und Führungsspieler, deshalb hoffe ich, dass sie daraus gelernt haben.
SPORT1: Über Bastian Schweinsteiger wurde nach dem Fehlschuss im Finale und der anschliessenden EM viel gesprochen. Wie bewerten Sie seine Saison bisher?
Salihamidzic: Der Basti ist eine wichtige Säule der Mannschaft, er hat sich super entwickelt nach seinen Verletzungen. Er ist nicht mehr wegzudenken und ganz wichtig für die Truppe.
SPORT1: Im Moment gibt es einige Spekulationen dazu, dass Jupp Heynckes über 2013 hinaus Bayern-Trainer bleibt. Auch Ihr Ex-Coach Ottmar Hitzfeld ist überzeugt davon. Was sagt Ihr Bauchgefühl?
Salihamidzic: Ich glaube, mein Bauchgefühl spielt da gar keine Rolle (lacht). Ich weiss nicht, wie die Planungen des FC Bayern sind, aber so wie es von aussen aussieht, macht der Trainer einen super Job und hat die Mannschaft absolut im Griff. Ich sehe keinen Grund zu Veränderungen.
SPORT1: Sie haben im August Ihre aktive Karriere beendet, wie planen Sie nun persönlich? Reizt Sie der Trainerschein?
Salihamidzic: Ich muss mir das überlegen, jetzt kümmere ich mich erstmal um meine Familie. Mit meinen Kindern habe ich seit 15, 16 Jahren kaum mal ein Wochenende verbracht. Ich mache jetzt eine kleine Pause, baue gerade in München ein Haus, dann werde ich sehen, wozu ich Lust habe.
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