Real: Wunden lecken und Kraft schöpfen
Von Christian Paschwitz
München - Beinahe hätte es das nächste blaue Auge oder gar noch mehr gegeben für Real Madrid:
Nicht nur, dass es bei UD Levante für Cristiano Ronaldo wortwörtlich eine blutigen Platzwunde unter der linken Braue gab und der Superstar seither gesundheitlich angeknockt ist.
Erst Alvaro Morata gelang wenige Minuten vor Abpfiff der Siegtreffer zum knappen 2:1 .
Der Youngster bewahrte die Königlichen damit vor dem nächsten Rückschlag im Meisterschaftskampf gegen Erzrivale FC Barcelona, der nach wie vor mit acht Punkten von der Tabellenspitze grüsst.
Feuer unterm Dach
Und schliesslich lieferte sich laut spanischen Medienberichten noch Real-Verteidiger Pepe mit Levante-Kapitän Sergio Ballesteros eine handgreifliche Auseinandersetzung, die erst alarmierte Polizeikräfte beendet haben sollen.
Kurzum: Bei Real ist noch mehr Feuer als ohnehin schon unterm Dach - und der Klub bemüht, in der Länderspielwoche die Wogen zu glätten und Kräfte zu bündeln für die Aufholjagd im Titelkampf.
Vor allem auf Ronaldo ruht dabei das Augenmerk:
Ronaldo sagt Länderspiel ab
Wegen eines diagnostizierten Schädel-Traumas mit einer Wunde am Augenlid und dem Auge wurde dem Portugiesen die Reise zum Länderspiel nach Gabun verboten.
"Er hat Kopfschmerzen, Sehstörungen und Schwindelanfälle. Es macht kein Sinn, dass er so eine lange Reise macht, auch weil es in solchen Situationen eine kritische Periode von 72 Stunden gibt", erklärte Nationalmannschaftsarzt Dr. Henrique Jones.
"Zwischendurch hatte er das Sehvermögen auf beiden Augen verloren", ergänzte Real-Coach Jose Mourinho, dessen Top-Goalgetter (zwölf Liga-Treffer) nach einem Ellbogenschlag von Gegenspieler David Navarro ("Es war keine Absicht") trotz der Blessur traf - und hinterher mit fünf Stichen genäht werden musste.
Wirbel um Pepe
Unversehrt blieb immerhin Pepe, der nach ersten Darstellungen von Ballesteros gewürgt und geschlagen wurde. Levantes Routinier wies ein Fehlverhalten nun vehement zurück: "Ich habe noch nie jemanden angegriffen, und Pepe sowieso nicht", zitiert ihn die "Marca".
Er sei seit 20 Jahren Profi und habe es nicht nötig, etwas Falsches zu behaupten. Er sei in Richtung Real-Kabine gegangen, um zu sehen, wie es Ronaldo gehe.
Dass dessen Teamkollege Sergio Ramos den Vorfall anders sehe und Ballesteros empfohlen hatte, lieber zum Boxen zu gehen, würde ihn am meisten verletzen.
Raubein Pepe wiederum schweigt in der Angelegenheit - eine Stellungnahme gibt es bisher allein von Real, und das verneint, Pepe habe in der Umkleidekabine der Gastgeber provoziert: "Pepe hat sich jederzei vorbildlich verhalten."
Auch Özil bleibt in Madrid
Wie auch immer: Madrids Wundenlecken erstreckt sich vor allem auch auf die Situation in der Primera Division, wo dem Tabellen-Dritten gar Stadtrivale Atletico um fünf Punkte enteilt ist.
Angesichts der Verletzungsmisere bereits in den vergangenen Wochen dürfte es dem Meister nicht ungelegen kommen, dass neben Ronaldo weitere Nationalspieler wie Spaniens Xabi Alonso auf ihre Länderspiele in der Woche verzichten (müssen).
Wegen muskulärer Probleme sagte auch Mesut Özil das deutsche Duell mit den Niederlanden ab, Sami Khedira kämpft immer noch mit den Folgen einer Muskelverletzung.
Morata macht Mut
Für Özil war gegen Levante Youngster Morata gekommen - und entspannt zumindest die Debatte um Mourinhos Umgang mit dem eigenen Nachwuchs.
Der Trainer war unlängst in die Defensive geraten, weil er Spielern aus Reals B-Elf bislang kaum Chancen auf Einsätze in der ersten Mannschaft einräumt.
Selbst nach den Verletzungen der Abwehrspieler Marcelo, Fabio Coentrao und Alvaro Arbeloa gab der Exzentriker einem Mittelfeldspieler wie Michael Essien den Vorzug als Verteidiger.
Mourinho hatte umgekehrt dem für das B-Team verantwortlichen Kollegen Alberto Toril vorgeworfen, das Profi-Team nicht genügend zu unterstützen.
Spezialität späte Tore
Morata widerlegte nun Muorinhos ablehnende Haltung - und bestätigte dafür einen Trend:
Gegen Levante (84. Minute) stellte Real nicht das erste Mal in dieser Saison erst in der Schlussphase die Weichen auf Sieg oder zumindest einen Punktgewinn:
Beim 2:2 in der Championsleague gegen Borussia Dortmund glich unlängst Özil auf den letzten Drücker aus (90.) wie zuvor schon Karim Benzema (87.) Ronaldo (90.) gegen Manchester City (3:2).
SPORT1











