''Schizophren'': Hoeness wehrt sich gegen Fan-Protest
Vom FC Bayern berichtetMathias Frohnapfel
München - Den Moment der Glückseligkeit vermochte Uli Hoeness ganz genau zu taxieren.
"Mein Gefühlszustand um 21.30 Uhr gestern Abend, besser geht es nichts", sagte der Bayern-Präsident nach dem 6:1-Schützefest gegen den OSC Lille - Halbzeitstand um 21.30 Uhr: 5:0 .
"Der FC Bayern steht da wie eine 1", bilanzierte Hoeness angesichts der Ausgangslage in Champions League und der Spitzenposition in der Bundesliga.
Vize-Präsidenten beenden Amtszeit
Eine Woche vor der Jahreshauptversammlung machte der Klub zwei angestrebte Personalwechsel publik: Die bisherigen Vize-Präsidenten Fritz Scherer und Bernd Rauch beenden ihre Amtszeit, als Nachfolger sollen Finanzchef Karl Hopfner und Verwaltungsbeirats-Mitglied Rudolf Schels die Posten übernehmen.
Hoeness kandidiert wieder als Präsident.
Stummer Protest in der Arena
Doch just in jene Jubelstimmung platzen die Fan-Proteste. Die dürften auch auf der Jahreshauptversammlung am 15. November die Atmosphäre kräftig erhitzen.
Gegen Lille klaffte in der Südkurve, dem Stimmungsherz der Allianz Arena, eine dicke Lücke.
Das Stadion war zwar ausverkauft, doch gut 300 Ultras liessen sich auf ihren Plätzen in den Blöcken 112 und 113 nicht blicken. Sie hatten auch schon beim Spiel gegen Valencia so ihren Unmut gezeigt .
Die Fans wurmten die strengeren Kontrollen und UEFA-Bestimmungen, schliesslich wollen möglichst viele von ihnen dort stehen, wo die Fan-Gesänge am lautesten schallen.
"Klatschpappen kann man kaufen, Stimmung nicht", hiess es auf einem Plakat.
Hoeness wehrt sich
"Wenn die UEFA Vorschriften macht, wie viele Leute da sitzen oder stehen dürfen, dann wird sich der FC Bayern daran halten", verkündete Hoeness im Mediencenter an der Säbener Strasse.
Und der Geschäftsmann Hoeness legte nach: "Es ist ja geradezu schizophren, wenn man uns vorwirft, keine Karten verkaufen zu wollen. Wir sind ein gewinnorientierter Klub."
Auch deshalb habe sich der Klub dafür eingesetzt, die StadionKapazität auf 71.000 Fans zu erhöhen, seit dem ersten Heimspiel 2012/2013 fasst die Arena also 2000 Zuschauer mehr.
Schmuggler und Übersteiger
Derweil erklärte Hopfner die Hintergründe des Streits.
"In die Blöcke 112, 113 gehen so und soviel Leute rein, es wurde aber immer wieder Karten geschmuggelt, seitlich übergestiegen, es waren mehr Fans drin als zulässig", berichtete er.
"Wir mussten handeln, es ist auch eine Haftungsfrage. Wenn wir das nicht machen und es passiert etwas, käme der grosse Aufschrei."
Die logische Konsequenz: Zugang in den Block erhält nur, wer auch ein Ticket dafür hat.
Hoeness machte das Problem deutlich, in den Blöcken seien "bis zu 500 Leute zusätzlich" gewesen.
"Wenn ein Unfall passiert, sind Sie dran"
"Wenn dann was passiert, würde ich gerne die Verantwortlichkeiten beredet sehen. Der Vorstand muss darauf achten, die Regularien der Behörden einzuhalten", stellte Hoeness fest.
Und Hopfner mühte sich um ein greifbares Beispiel: "Wenn sie auf der Landstrasse 100 fahren dürfen, dürfen Sie auch nicht 130 fahren, wenn die Strasse frei ist."
Sein Boss ergänzte: "Wenn ein Unfall passiert, sind Sie dran." Hoeness will das verhindern.
Indes müht sich Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge mit einer anderen Facette der Fankultur.
Rummenigge nimmt sich Thema Sicherheit an
Beim Thema Sicherheit mahnt Rummenigge die Klubs zur Geschlossenheit.
"Wir müssen gemeinsam Lösungen finden, die die Politik zufriedenstellen und die von den Fans respektiert werden. Wir müssen diesen gewaltigen Spagat schaffen", betonte er
im Vorwort des Bayern-Magazins vor Liga-Spiel gegen Eintracht Frankfurt.
Wenn es dem Fussball nicht gelingen würde, "Lösungen zu finden, laufen wir Gefahr, dass die Politik diese Lösungen selbst findet - ohne Einbeziehung von Vereinen, DFL, DFB und Fans. Und diese Massnahmen würden dramatischer ausfallen als alles, was derzeit fussballintern diskutiert wird."
Schreckensvision befürchtet
Rummenigge fürchtet die Abschaffung der Stehplätze sowie personalisierte Tickets.
"Fussballstadion als Hochsicherheitszone, wie am Flughafen! Das kann niemand wollen."
Die Kommission "Sicheres Stadionerlebnis" der Deutschen Fussball- Liga (DFL) berät derzeit Massnahmen, um die laut Rummenigge "einmalige Fankultur des deutschen Fussballs" zu erhalten. Bisher lehnen viele Klubs den geplanten Massnahmenkatalog aber ab.
SPORT1











