Barcelona ist ernüchtert - Celtic feiert
Glasgow/München - Der Schlusspfiff ging bereits im Jubelsturm der Celtic-Fans unter, da brachen auch bei Edel-Fan Rod Stewart alle Dämme.
Hemmungslos weinte das Pop-Idol auf der Tribüne des Celtic Parks, um ihn herum tauchte der schottische Meister Celtic Glasgow in eine magische Champions-League-Nacht ein.
"Helden" nannte Trainer Neil Lennon seine Spieler nach dem 2:1 über den FC Barcelona.
Und während die "Bhoys" ausgelassen ihren Coup zum 125. Vereinsjubiläum feierten, knabberte Barcelona erneut an seinem Chelsea-Komplex.
"Schottische Mauer" nicht einzureissen
"Wir konnten nichts machen. Wir haben alles versucht. Sie sind zwei Mal vor unser Tor gekommen und haben zweimal getroffen. Und bei uns wollte der Ball einfach nicht reingehen", klagte Weltfussballer Lionel Messi nach der ersten Auswärtsniederlage in einem Champions-League-Gruppenspiel seit 2006.
Die Erklärung des Argentiniers klang ebenso einleuchtend wie altbekannt.
Denn wieder einmal war Barcelona haushoch überlegen, belagerte ein gegnerisches Tor über 90 Minuten. Doch einreissen konnten die Ballvirtuosen aus Katalonien die "schottische Mauer" ("Zeitung Sport") nicht.
Nach Gegentreffern von Victor Wanyama (21.) und Champions-League-Debütant Tony Watt (83.) reichte es nur noch zum späten Anschlusstreffer (90.) durch Messi.
Vilanova ernüchtert
"So ein Spiel", sagte Barcelonas Trainer Tito Vilanova ernüchtert, "haben wir schon einige Male gesehen."
Wohl wahr. In besonders schmerzhafter Erinnerung ist der Übermannschaft der letzten Jahre noch das Vorjahres-Aus im Halbfinale der Champions League gegen den ultradefensiven FC Chelsea.
Spätestens seitdem ist die Rede vom Chelsea-Komplex.
Barca fehlen manchmal die Mittel
Viele dachten, Barcelona sei in dieser Saison abgeklärter, weniger verspielt und zielstrebiger als in den vergangenen Jahren unter Pep Guardiola.
In der Liga stellte der Vizemeister unter Vilanova den Klub-Startrekord ein, Erzrivale Real Madrid wurde früh distanziert.
In der Champions League fehlte nach zuvor drei Siegen aus drei Gruppenspielen ein magerer Punkt noch zum vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale.
In Glasgow aber zeigte sich, dass Barcelona auch unter Vilanova nicht immer ein Mittel gegen den Chelsea-Komplex findet.
"Wir bleiben ruhig"
"Wir müssen genauso weiterspielen. Das ist meine Schlussfolgerung", sagte Vilanova, der einzig die geringere Körpergrösse seiner Spieler bei Standards als Problem erkannt hatte:
"Wir könnten grössere Spieler verpflichten, aber ich möchte Spass haben auf der Bank. Und wir spielen eben unseren Stil", fuhr der 44-Jährige fort.
Alles in allem aber sah man im Barca-Lager keinen Grund zur Sorge.
"Wir bleiben ruhig", sagte Messi, der sein Tor seinem am Freitag geborenen Sohn Thiago widmete: "Wir haben noch zwei Gruppenspiele. Alles hängt von uns selbst ab."
Celtic Park bebt
Mit neun Punkten bleibt Barcelona Gruppenerster, zwei Zähler dahinter rangiert Celtic.
Und da beide Mannschaften auf Achtelfinal-Kurs liegen, beschäftigten sich Sieger und Besiegte am Mittwochabend auch lieber mit der aussergewöhnlichen Stimmung im Celtic Park.
Von einem "unglaublichen Spektakel" sprach ein sichtlich beeindruckter Vilanova, sein Gegenüber gar von einer historischen Nacht.
Xavi von Atmosphäre begeistert
"Wir werden in die Geschichtsbücher eingehen als die Mannschaft, die das beste Team der Welt geschlagen hat", sagte ein überglücklicher Celtic-Coach Lennon, der seine Helden nach Schlusspfiff ausgelassen herzte.
55.283 Zuschauer hatten im ausverkauften Stadion für eine Gänsehautstimmung gesorgt. "Ein Wunder, ein Vorbild" schwärmte Barcelonas Mittelfeldgenie Xavi angesichts der Atmosphäre.
Und Celtics Matchwinner Watt meinte: "Die Zuschauer waren wie ein zwölfter Mann. So etwas habe ich noch nie gehört. Das Stadion hat gerockt."
SPORT1











