Revanche im Schatten des Schiri-Skandals
Von Christoph Lother
München - Über dieses Spiel spricht ganz England.
Doch Grund dafür ist weniger der Spielverlauf, der mit früher 2:0-Führung der Gäste, anschliessender Aufholjagd der Hausherren und letztlich irregulärem Siegtor schon an sich reif für ein Drehbuch wäre.
Vielmehr schlägt die Diskussion um Schiedsrichter Mark Clattenburg auch drei Tage nach dem denkwürdigen 2:3 zwischen dem FC Chelsea und Manchester United noch immer hohe Wellen in den englischen Medien .
Am Mittwoch stehen sich die beiden Topklubs erneut an der Stamford Bridge gegenüber, doch diesmal nicht in der Premier League, sondern im Achtelfinale des Capital One Cups .
Schwere Vorwürfe gegen Clattenburg
Referee Clattenburg wird diesmal zwar nicht dabei sein, ruhiger dürfte es um den 37-Jährigen zunächst aber trotzdem nicht werden.
Stattdessen droht dem langjährigen FIFA-Schiedsrichter nun grosser Ärger mit dem englischen Fussball-Verband (FA) und darüber hinaus sogar mit der Justiz.
Clattenburg wird vorgeworfen, die Chelsea-Profis Juan Mata und John Obi Mikel während der Partie gegen United beleidigt zu haben. Letzteren sogar rassistisch.
Verband und Polizei ermitteln
Die Verantwortlichen des Champions-League-Siegers hatten daraufhin "Beschwerde wegen unangemessener Wortwahl des Unparteiischen gegenüber zweier unserer Spieler in zwei voneinander unabhängigen Vorfällen während des Spiels" beim Liga-Offiziellen eingereicht, dieser die Beschwerde dann an die FA weitergeleitet.
Der Verband wiederum bestätigte inzwischen, Ermittlungen gegen Clattenburg aufgenommen zu haben.
Doch damit nicht genug.
Neben der FA untersucht nun auch die Polizei von Greater London (Metropolitan Police) die Vorfälle aus dem Gipfeltreffen des neunten Premier-League-Spieltags und ermittelt gegen Clattenburg wegen des Gebrauchs "unangemessener Sprache" .
Skandale drängen Sport ins Abseits
Nach den Querelen um Chelsea-Ikone John Terry, der den dunkelhäutigen Abwehrspieler Anton Ferdinand im Spiel der Blues gegen die Queens Park Rangers am 23. Oktober 2011 rassistisch beleidigt haben soll und anschliessend von der FA gesperrt wurde, ist der englische Fussball damit schon jetzt um einen Skandal reicher.
Der Sport rückt angesichts der Rassismus-Debatte immer mehr in den Hintergrund.
Da kann auch der vermeintlich verlockende Umstand, dass sich der Sieger des englischen Liga-Pokals direkt für die Playoffs der kommenden Europa-League-Saison qualifiziert, nur bedingt helfen.
Schliesslich zählen sowohl Chelsea, als auch United schon seit Jahren zum Stamminventar der Championsleague und peilen auch in dieser Saison den Einzug in die Königsklasse an.
Quintett fehlt Chelsea
Gut möglich also, dass die Londoner wie schon beim lockeren 6:0 über die Wolverhampton Wanderers in der dritten Runde auch diesmal eine verstärkte B-Elf ins Rennen schicken .
So äusserte sich Trainer Di Matteo hinsichtlich seiner Startelf vielsagend: "Wir achten immer auf die Entwicklung und darauf, jungen Spielern eine Chance zu geben. Dieses Spiel ist eine gute Möglichkeit für ein paar von ihnen."
Auf die Stammspieler Frank Lampard, Ashley Cole (beide verletzt), Branislav Ivanovic, Fernando Torres und Terry (alle gesperrt) muss der Italiener ohnehin verzichten.
Ferguson kündigt Rotation an
Auch United-Coach Sir Alex Ferguson will rotieren: "Wir werden Veränderungen vornehmen."
So werden neben Abwehrchef Rio Ferdinand wohl auch die Offensivasse Robin van Persie und Wayne Rooney zunächst auf der Bank Platz nehmen.
Stattdessen sollen die Reservisten Michael Keane, Marnick Vermijl und Scott Wootton, die bereits beim 2:1 über Newcastle in der Runde zuvor von Beginn an gespielt hatten, eine weitere Chance bekommen.
SPORT1











