Arsenals Aufholjagd für die Geschichtsbücher
Von Jakob Gajdzik
München/Reading - Unfassbar, atemberaubend, grossartig.
Nach der grössten Aufholjagd in der Geschichte des League Cup war es schwer, einen passenden Superlativ zu finden.
Der 7:5-Sieg des FC Arsenal beim FC Reading nach Verlängerung und einem 0:4-Rückstand setzte eine neue Bestmarke im englischen Ligapokal.
"Es war einer der grössten Siege in meiner Zeit hier", sagte Arsenals Trainer Arsene Wenger, immerhin bereits seit 1996 an der Themse tätig, nach dem Einzug der "Gunners" ins Viertelfinale.
"Haben am Ende unsere Ehre gerettet"
"Wir sind auf ein Desaster zugesteuert, haben aber am Ende unsere Ehre gerettet", beschrieb der 63-Jährige erleichtert seine emotionale Achterbahnfahrt im Madejski Stadium.
Auch die englische Presse war begeistert.
"Die grösste Aufholjagd der Cup-Geschichte", schrieb "The Sun", "Wengers unfassbare Rückkehr", titelte "The Guardian".
Als Theo Walcott mit seinem ersten Treffer in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit auf 1:4 aus Londoner Sicht verkürzte, war diese Wendung nicht absehbar.
"Du kannst nicht für Arsenal spielen und aufgeben - egal wie es steht", sagte Wenger, der neben zahlreichen Stammkräften auch die beiden Nationalspieler Lukas Podolski und Per Mertesacker schonte, dafür aber den DFB-Nachwuchskickern Serge Gnabry und Thomas Eisfeld eine Chance gab.
Deutliche Halbzeit-Ansprache
In der Pause verdeutlichte der Trainer seinen Spielern diese Einstellung. "Sie haben in der Halbzeit verstanden, dass sie nicht wieder mit so einer Leistung aufs Feld gehen dürfen."
"Der Chef hat uns gesagt, dass wir anfangen sollen Fussball zu spielen. Das war vorher nicht gut genug, das war nicht Arsenal", sagte Matchwinner Walcott.
Nach den Treffern von Olivier Giroud (64.) und Laurent Koscielny (89.) war es dann wieder der englische Nationalspieler, der die Londoner in der fünften Minute der Nachspielzeit in die Verlängerung rettete.
"Habe so etwas noch nie erlebt"
Ein Doppelpack den Marokkaners Marouane Chamakh (103./120.+3) und Walcotts dritter Treffer (120.) machten den historischen Triumph schliesslich perfekt.
Der 23-Jährige war nicht nur wegen seiner drei Treffer euphorisch: "Ich habe so etwas noch nie miterlebt. Das war ein unglaubliches Spiel."
Eines, das selbst die Konkurrenz beeindruckte.
"Ich bin gestern früh eingeschlafen und habe Arsenals Comeback verpasst. Scheint als hätte ich ein episches Spiel verpasst. Gut gemacht", twitterte Manchester Uniteds Abwehrspieler Rio Ferdinand, der mit den "Red Devils" im League Cup beim FC Chelsea antreten muss (ab 20.45 Uhr LIVESCORES).
Auch Ex-Arsenal-Keeper Jens Lehmann twitterte: "Was für ein fantastisches Fussballspiel. Arsenal war wieder einmal sehr unterhaltsam."
Readings Trainer fassungslos
Readings Trainer Brian McDermott konnte es hingegen nicht fassen, dass sein Team nach den Toren von Jason Roberts (12.), Laurent Koscielny (19./Eigentor), Mikele Leigertwood (20.) und Noel Hunt (37.) diesen Vorsprung noch aus der Hand gab.
"Das ist wie ein Begräbnis", bediente sich der 51-Jährige einer drastischen Wortwahl und ärgerte sich besonders über Schiedsrichter Kevin Friend, der sechs Minuten nachspielen liess.
"Er hat auf vier Minuten Nachspielzeit noch zwei weitere draufgepackt. Man kann Zeit eigentlich nicht so schlecht einschätzen. Doch er hat es getan."
"Das war peinlich"
Da nützte selbst der abermalige Ausgleich des Ex-Stuttgarters Pavel Pogrebnjak zum zwischenzeitlichen 5:5 (116.) nichts.
McDermott erlebte das emotionale Gegenteil von Wenger und sprach nach der bitteren Pleite von "der schlimmsten Niederlage meiner Karriere".
Doch der Coach blickte bereits nach vorne: "Das war peinlich. Aber wir müssen wieder aufstehen und weiter machen."
SPORT1











