Heynckes fordert mehr - die Rotationsmaschine rattert
Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel
München - Bedrückt oder gar angespannt, so wirkte Jupp Heynckes keinesfalls, als er im Kurzarm-T-Shirt mit Vereinsemblem die Marschroute für das Pokalspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern bekannt gab.
Doch zum Scherzen war dem Bayern-Trainer auch nicht zumute.
"Das ist nicht die Zeit zum Flachsen", sagte er kühl zum saloppen Vorschlag, Keeper Manuel Neuer doch im Pokal Flügelstürmer spielen zu lassen .
Dabei hätte eben jener Neuer mit einer ebenso waghalsigen wie spektakulären Aktion in der Nachspielzeit gegen Leverkusen (1:2) beinahe den Ausgleich erzwungen. Claudio Pizarros Kopfball tropfte nach Neuers Dribbling aber nur auf die Latte.
Starke im Bayern-Tor?
Über grössere Umbauarbeiten wird der Trainer-Routinier sich also noch Gedanken machen, womöglich wird Tom Starke dafür belohnt, dass er das Reservistendasein hinter Neuer bisher so wacker hinnahm.
Es wäre Starkes erster Pflichtspieleinsatz überhaupt für die Bayern.
"Mein Credo insgesamt ist es, dass ich Leistungen auch von Spielern berücksichtige, die hinten dran sind", sagte Heynckes - eventuell könnten auch die bisherigen Bankdrücker Rafinha, Anatoliy Tymoshchuk oder Claudio Pizarro in der Startelf stehen.
Martinez zurück - Bangen um Ribery
Javier Martinez wird nach überstandenen Adduktorenproblemen ebenso wieder im Kader sein wie Luiz Gustavo. Auch für Arjen Robben gab Heynckes sein O.k..
Holger Badstuber wird nach seinem Muskelfaserriss fehlen.
Ob Franck Ribery rechtzeitig fit wird, war am Dienstag nicht klar. Heynckes hofft auf den quirligen Franzosen und gab zu, seine "Tempodribblings" vermisst zu haben.
"Die Mannschaft ist total intakt"
Nach dem Ende der goldenen Startserie in der Bundesliga kommt es für Heynckes darauf an, sein Team in der Balance zu halten.
"Die Mannschaft ist total intakt, ich habe keine Bedenken in Hinsicht auf die Zukunft", erklärte der 67-Jährige auf SPORT1-Nachfrage.
Der Kampfgeist bei der ungekrönten Aufholjagd gegen Leverkusen hatte ihm imponiert, zugleich mäkelte er aber: "Nach dem 1:1 muss man so clever sein, keinen Gegentreffer hinzunehmen."
Das Scheinwerferlicht auf der Bühne an der Säbener Strasse liess den FCB-Coach leicht schwitzen - genauso wie die ein oder andere kleine Baustelle im Team.
Kritik an Ecken und Shaqiri
Bei den Ecken müssten seine Mannen "torgefährlicher werden", räumte er freimütig ein, nachdem auch gegen Leverkusen die Münchner zig Standards nutzlos verpulverten.
Zugleich kritisierte Heynckes Flügelstürmer Xherdan Shaqiri, der eigentlich in der zweiten Hälfte den dichten Bayer-Panzer aufbrechen sollte.
"Der Pass von Xherdan war nicht scharf genug, wenn der schärfer gewesen, wäre Wollscheid nicht an den Ball gekommen und Toni Kroos hätte vielleicht das Tor gemacht", klagte er.
Lahm will "Kampfspiel" vermeiden
Die Pleite gegen Leverkusen hat das Münchner Team, inklusive Feintuning, aufgearbeitet.
Gegen die bissigen Lauterer, die bisher noch kein Pflichtspiel verloren haben, sollen die 71.000 Fans in der auch zum DFB-Pokal ausverkauften Arena wieder verwöhnt werden.
"Wenn wir unsere Leistungen abrufen, wird es kein Kampfspiel", betonte Philipp Lahm im Gespräch mit SPORT1.
Ein frühes Tor und dann nachlegen, so sieht aus Sicht des Bayern-Kapitäns der beste Weg aus, um ein zu viel Kraftaufwand vor der folgenden, wichtigen Bundesliga-Partie in Hamburg zu vermeiden.
Lob für Lauterns Leidenschaft
Sein Chef würde einen solchen Plan natürlich nur zu gerne aufgehen sehen.
Doch Heynckes weiss natürlich, dass der FCK ein ziemlich unangenehmer Pokal-Gast sein kann.
"Sie sie sind nicht nur auf drittem Platz der Zweiten Liga, sondern spielen auch mit viel Leidenschaft", betonte er. Seine Warnung an das Team: die Pfälzer nur nicht stark werden lassen.
Manuel Neuer als Flügelstürmer, das mag Heynckes maximal im Trainingsspiel sehen.
SPORT1.ch

