Pechmagnet Wiese: Liegt's nur am lieben Gott?
München - Es war eine harmlos klingende Frage, die dafür sorgte, dass Tim Wiese für einen kleinen Moment die Welt nicht mehr verstand.
Wie es um sein persönliches Befinden bestellt sei, nach all den Gegentoren, wollte der Reporter von LIGA total! nach Hoffenheims 0:3-Niederlage bei Mainz 05 wissen.
"Glauben Sie, dass ich kein Selbstbewusstsein habe?" fragte der Keeper zurück: "Da lache ich mich doch kaputt!"
Es muss viel passieren, wenn Tim Wiese sich gezwungen fühlt klarzustellen, dass er Selbstbewusstsein hat. Und es ist viel passiert.
Schlechteste Werte bei Wiese
Alle 26 Minuten kassiert der 30-Jährige in der Bundesliga ein Gegentor. Nur 43 Prozent aller Schüsse auf seinen Kasten konnte er abwehren: Den Statistiken zufolge ist Tim Wiese aktuell der schlechteste Torwart der Bundesliga.
Eine Zuspitzung, die einerseits grob unfair ist, zumal Hoffenheim kein Torwart-, sondern ein generelles Defensivproblem hat.
Anders als beim 3:5 in Freiburg musste sich Wiese auch keinen persönlichen Patzer anlasten lassen, verhinderte stattdessen mit seinen Paraden eine noch höhere Pleite.
Vom Saisonziel weit entfernt
Andererseits kommt Wiese nicht drumherum, dass er als exponiertestes Hoffenheimer Gesicht auch als Gesicht der Hoffenheimer Krise wahrgenommen wird - erst recht, nachdem er sich vor seinem Wechsel noch selbstbewusst Richtung Championsleague orientiert hat.
Stattdessen trennt Hoffenheim aktuell nur das bessere Torverhältnis vom Relegationsplatz. Und Wieses persönliche Bilanz gruselt noch mehr.
Wiese gewann keines seiner fünf Bundesliga-Spiele mit Hoffenheim und kassierte 17 Gegentore - während es mit seinem zwischenzeitlichen Vertreter Koen Casteels nur drei Treffer in vier Partien setzte .
"Im Moment will der liebe Gott es halt nicht, dass wir mit mir ein Spiel gewinnen", meint Wiese.
Kritik an Wiese
Doch nicht jeder glaubt, dass das Phänomen mit dem Verweis auf höhere Gewalt erklärt ist.
"Tim Wiese strahlt keine Sicherheit auf die Mannschaft aus", findet SPORT1- und LIGA-total!-Experte Thomas Strunz.
Und rät seinem einstigen Bayern-Kollegen auf Hoffenheims Trainerbank gar, Wiese aus der Mannschaft zu nehmen: "Vielleicht denkt Markus Babbel mal über einen Torwartwechsel nach."
Babbel schützt Wiese
Im Moment wirkt das ähnlich unwahrscheinlich wie das am Sonntag aufgekommene Gerücht, dass es Wiese doch noch zu Real Madrid ziehen könnte: Denn Babbel selbst lenkte den Blick nach der Mainz-Pleite auf Wieses Vorderleute.
Deren Defensiv-Leistung sei "schlampig" gewesen: "Bei Mainz hat eine Männer-Mannschaft gespielt. Die sind mehr gelaufen, haben mehr gekämpft, hatten von allem mehr."
Pikant allerdings ist, dass auch Wiese mit ziemlich viel Wucht auf seine Vorderleute draufhaute.
Wiese kritisiert Vorderleute
"Kein Ehrgeiz, keine Power", stattdessen "dumme Fehler" sah er bei den Teamkollegen: "Da wird die Zuteilung nicht angenommen, wir sind nicht bei den Leuten. Das verstehe ich nicht."
Es sei "alles deprimierend", "alles so katastrophal".
Es ist riskant, was der Torwart und Kapitän da über seine Mannschaftskameraden sagt, es kann sich für sie so anhören wie: Die sind schuld, ich nicht.
Medieninteresse unterschätzt
Auf Wiese fällt ausserdem auch die Frage zurück, warum es ihm nicht gelingt, seine Kollegen zu besseren Leistungen anzutreiben.
Mit dem Thema beschäftigt sich auch Hoffenheim: Bei Manager Andreas Müller klingen im "kicker" kritische Untertöne durch: "Wenn man Tim aus der Ferne betrachtet hat, dann konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass er eine Mannschaft mitreissen kann."
Aus der Nähe nicht? Müller weicht der Frage aus - und lenkt dabei den Blick auf ein anderes Problem: "Hier konzentriert sich vieles auf ihn, das hat er vielleicht unterschätzt."
Auch Coach Babbel muss mit lauter werdenden Zweifeln zurechtkommen, ob er sich, Wiese und der Mannschaft mit der umgehenden Ernennung Wieses zum Spielführer wirklich einen Gefallen getan hat.
Wiese glaubt an sich
Was die Lage für Wiese noch bitterer macht, sind die schwindenden Aussichten, seine Quasi-Ausbootung aus der Nationalmannschaft wieder rückgängig zu machen.
An seiner Stelle ist es aktuell Rene Adler, der dem aktuell von Joachim Löw bevorzugten Trio Neuer, Zieler, ter Stegen Druck macht.
Wiese bleibt da im Moment nur die Hoffnung, dass das, was er gerade erlebt, doch nur eine flüchtige Erscheinung ist.
"Es kommen auch wieder andere Zeiten", sagt er. Er dürfte es bevorzugen, wenn sie schnell eintreten.
SPORT1



















