''Das ist alles wie ein Märchen''
Aus London berichtet Christian Paschwitz
London - Serge Gnabry hat seinem neuen Leben als Profi-Fussballer ein neues Kapitel hinzugefügt.
Beim 0:2 (0:0) des FC Arsenal gegen den FC Schalke 04 avancierte das Toptalent mit 17 Jahren und 102 Tagen zum zweitjüngsten Spieler,den die "Gunners" bisher in der Champions League einsetzten.
Rekordhalter ist Jack Wilshere (16 Jahre, 329 Tage), Gnabri reiht sich aber unter anderem vor dem heutigem Barca-Star Cesc Fabregas ein.
Ähnliches war dem bei Böblingen geborene Sohn einer Deutschen und eines Ivorers zuletzt bereits bei seiner Feuertaufe in der Premier League beim 0:1 in Norwich gelungen.
Das Debüt des Aussenstürmers in der Königsklasse war gemischt: vor dem 2:0 der Schalker verlor Gnabry den Ball, in der Nachspielzeit hatte er mit einem Distanzschuss aber auch die einzige Chance der "Gunners". Lars Unnerstall parierte.
Im Interview spricht Gnabry über die Landsleute Lukas Podolski und Per Mertesacker im Team, Trainer Arsene Wenger und das Leben mit seinem Vater in London.
SPORT1: Herr Gnabry, wie fühlte sich der erste Auftritt in der Königsklasse an?
Serge Gnabry: Das ist alles wie ein Märchen für mich, ich bin ja erst 17 Jahre alt. Ich bin so glücklich, ich hatte ja auch nicht erwartet, dass es so schnell geht. Champions League ist das Beste, was es gibt: Vor einem Jahr sass ich noch zu Hause und habe es vor dem Fernseher gesehen. Jetzt selber mitspielen zu können, ist natürlich das Grösste für mich.
Gegen Schalke setzte es nun aber eine empfindliche Niederlage. Was heisst das für Sie persönlich und für Arsenal?
Die Niederlage ist schmerzhaft. Ich hoffe, dass wir nun aber alle drei ausstehenden Spiele gewinnen. Auf Schalke müssen wir zeigen, was wir eigentlich drauf haben - und können uns dann hoffentlich qualifizieren.
Glauben Sie, dass Sie dann wieder mit von der Partie sind?
Ich sehe mich auf einem guten Weg, hoffe jetzt natürlich auf weitere Einsatzzeiten. Wenn ich auch in Deutschland und auf Schalke spielen könnte, wäre das natürlich noch mal etwas Besonderes. Aber es ist egal wo, ich spiele überall. Ich gebe mein Bestes.
Arsene Wenger scheint von Ihnen sehr angetan zu sein.
Das ist schön, und er ist der "Boss". Ich will alles dafür geben, dass mich der Trainer weiter mitnimmt.
Es war gegen Schalke übrigens wieder der 83. Minute wie schon bei Ihrem Premier-League-Debüt gegen Norwich...
Da habe ich ehrlich gesagt gar nicht so drauf geachtet. Nach der Halbzeit hat uns der Trainer gesagt, wir sollten uns aufwärmen. Dann hat er mich gerufen, und ich bin wirklich wieder reingekommen.
Wohl auch wegen Ihrer Schnelligkeit. Holt Sie überhaupt noch einer ein im Team?
Oh ja, Theo (Walcott, Anm. d. Red.) ist schon noch etwas schneller als ich.
Ausserhalb des Platzes sind Sie meist als Duo unterwegs, Ihr Vater steht Ihnen zur Seite?
Mein Vater (der frühere ivorischen Auswahlspieler Jean-Hermann Gnabry, Anm. d. Red.) lebt mit mir in London. Meine Mutter ist daheim geblieben bei Weissach in Böblingen, wo ich herkomme. Das ist schon manchmal schwer ohne sie, weil sie nur am Wochenende zu Besuch kommen kann oder wenn sie mal frei oder Urlaub hat. Aber mein Vater hilft mir viel. Mein Vater ist auch mein Chauffeur, aber ich fange jetzt bald den Führerschein an.
Warum aber Arsenal und nicht die Bundesliga oder ganz woanders: Nennen Sie mal bitte drei Dinge, warum Sie ausgerechnet hier kicken?
Ganz einfach: Guter Verein, guter Trainer, gute Mannschaft. Die Atmosphäre hier ist positiver, und mir gefällt die Stadt. Ich lebe gerne hier.
Wie denn, wenn Sie nicht gerade spielen oder trainieren?
An Pubs bin ich nicht so interessiert, aber ich shoppe gern mit Freunden, dass sind vor allem die Teamkollegen aus der Jugend, ein paar wohnen auch gleich um die Ecke bei mir, und dann trifft man sich, wenn man frei hat. Zu den Profis ist der Kontakt noch nicht so wirklich da. Aber ich komme da mit allen im Team sehr gut zurecht. Die Mannschaft hat mich herzlich willkommen geheissen. Es läuft alles gut, das sind gute Typen.
Inwieweit helfen die deutschen Kollegen bei der Eingewöhnung?
Mit Poldi und Merte verstehe ich mich gut - sie machen auch immer wieder mal ein paar Spässe mit mir. Und wenn ich ein Problem habe, kann ich zu ihnen kommen. Es ist gut, zwei deutsche Kameraden im Team zu haben. Auch die Sprache war ja am Anfang gar nicht so einfach: Das ist schon was Anderes als Schulenglisch. Aber jetzt bin ich schon eineinhalb Jahre hier, ich hatte für ein halbes Jahr Sprachunterricht. Jetzt geht es, und man gewöhnt sich dran.
An das Leben als Profi könnte man sich auch gewöhnen, oder?
Gnabry: Ja. Ich habe aber noch Schule, muss natürlich auch lernen. Weihnachten will ich dann aber fertig sein und meinen Abschluss haben.
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