Schalke: Historischer Coup mit BVB-Seitenhieb
Aus London berichtet Christian Paschwitz
London - Die 3500 mitgereisten Fans des FC Schalke 04 feierten ihre Helden.
Und die genossen die "Spitzenreiter, Spitzenreiter!"-Rufe sehr, rissen vor der königsblauen Kurve im Emirates Stadium zu London immer wieder die Arme hoch.
Der 2:0 (0:0)-Coup beim FC Arsenal liess die Emotionen fast genauso überschwappen wie erst wenige Tage zuvor der Revier-Derby-Triumph bei Erzrivale Borussia Dortmund.
"Es ist lange her, dass eine deutsche Mannschaft hier gewonnen hat", sagte Jermaine Jones gegenüber SPORT1, "und dass es uns nun gelungen ist, freut mich umso mehr".
Historische Dimension
Genau genommen war es ein Sieg für die Geschichtsbücher:
Zuletzt war Borussia Mönchengladbach am 10. September 1996 erfolgreich geblieben bei den "Gunners" (3:2), die danach keines ihrer vergangenen 16 Heimspiele in der Champions League verloren - bis eben Schalke kam.
Das jetzige Husarenstück war obendrein der erste Sieg einer deutschen Mannschaft auf der Insel seit dem des FC Bayern am 3. April 2001 (1:0 bei Manchester United).
Nach neun Jahren und 45 Partien ist Schalke zudem die erste nicht-englische Mannschaft, die einen Auswärtssieg im Londoner Norden schaffte.
Perfekte Woche für Heldt
"So schöne Tage hat man komprimiert sicher nicht so häufig", sagte denn auch Horst Heldt gegenüber SPORT1, nachdem das Nachbarschaftsduell mit dem BVB veredelt worden war.
Schalke hat das Tor zum Königsklassen-Achtelfinale weit aufgestossen und die Tabellenführung in der Guppe B übernommen .
"Wenn man in die Woche geht mit einem Derby und Arsenal, dann denkt man: Das kann auch anders laufen", ergänzte der S04-Manager.
Und weiter: "Wir freuen uns unheimlich, hatten uns geärgert über das Unentschieden gegen Montpellier - das war nun die richtige Antwort und absolut verdient."
Stevens mäkelt nur kurz
Da fiel es auch nicht weiter ins Gewicht, dass Huub Stevens ein Haar in der Suppe fand.
"Erst nach einer Viertelstunde haben wir ins Spiel gefunden", mäkelte der Coach, "wir sind zu ängstlich aufgetreten und haben keine Courage gezeigt."
Mit dem Auftritt in Hälfte zwei indes, in der Bundesliga-Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar mit seinem 39. Europacuptreffer (76.) und Ibrahim Afellay (86.) den Sieg herausschossen, war der Niederländer hochzufrieden.
"Wir haben eine gute Antwort gegeben und das Spiel insgesamt verdient und überzeugend für uns entschieden. Wir haben zwei Auswärtsspiele gewonnen und bisher sieben Punkte geholt", meinte Stevens.
Sonderlob für Huntelaar
Gegen den enttäuschenden Tabellen-Neunten der Premier League mit den insgesamt blass agierenden deutschen Nationalspielern Lukas Podolski und Per Mertesacker brauchten die Knappen in der Tat einige Anlaufzeit - und etwas Dusel.
Denn die vergebenen Einschussmöglichkeiten der freistehenden Huntelaar und Benedikt Höwedes vor und nach der Pause hätten sich auch rächen können.
Dass der "Hunter" nicht aufsteckte und weiter erfolgreich seine Chance suchte, nötigte Heldt ein besonderes Lob ab:
"Es zeichnet ihn und seine Weltklasse aus, dass er aus wenigen Chancen ein Tor machen kann und eiskalt zum Abschluss kommt", so Heldt und sprach von einem "Knallertor".
Lehmann angetan
Wie die Schalker Arsenals Festung stürmten, beeindruckte gegenüber SPORT1 auch Jens Lehmann:
"So stark habe ich sie in dieser Saison noch nicht gesehen", sagte der Ex-"Gunner" und frühere Nationalkeeper.
Kapitän Höwedes zeigte sich vom zweiten Big Point binnen vier Tagen weniger überrascht: "Es läuft gerade bei uns, wir sind einfach gut drauf. Wir haben gegen Dortmund hervorragend gespielt und konnten das Selbstbewusstsein mitnehmen."
Mertesacker wortlos, Podolski bedient
Während Mertesacker, der laut Kumpel Höwedes "sauer wegen der Niederlage seines Teams" war, die Stadion-Katakomben schweigsam verliess, haderte Podolski.
"Wenn man zuhause verliert und eine Spitzenmannschaft ist, ist man immer unzufrieden und enttäuscht. Wir haben uns mehr erhofft, wollten unbedingt gewinnen. So ist das ganz bitter", erklärte der Stürmer im Anschluss an das erste Duell mit einem Bundesligisten nach seinem Wechsel vom 1. FC Köln.
"Uns fehlte das Selbstvertrauen. Wir haben nicht das gebracht, was wir uns vorgenommen hatten", kritisierte Co-Trainer Steve Bould, der Arsenals gesperrten Teammanager Arsene Wenger auf der Bank vertrat.
Holtby tritt auf die Bremse
Schalke wird es egal gewesen sein.
"Derby gewonnen, in London gewonnen - eine schöne Woche. Es macht Spass, Teil dieser Mannschaft zu sein", sagte Lewis Holtby.
Um dann jedoch zu mahnen: "Wir bleiben demütig. Wir haben schon nach dem Derby gesagt, dass wir jetzt nicht überheblich werden. Am Samstag kommt Nürnberg, da müssen wir die nächsten drei Punkte holen."
Heldt stichelt gegen Dortmund
Höwedes trat ebenso auf die Euphoriebremse: "Ein Radler werden wir wohl trinken. Aber dann wird geschlafen. Die nächsten Aufgaben liegen schliesslich vor uns."
Heldt dagegen wollte den Moment "einfach geniessen" - und genoss es auch, den Dortmundern noch einen mitzugeben, obwohl diese in der Champions League gegen Real Madrid einen 2:1-Sieg feierten.
"Das war sicher nicht einfach nach der Derby-Niederlage", stichelte der Manager gegenüber SPORT1: "Der Dortmunder Sieg zeigt aber, welche Qualität Schalke hat: Wir haben die Mannschaft geschlagen, die Real Madrid geschlagen hat."











