Höger: Schalkes No-Name startet durch
Aus London berichtet Christian Paschwitz
London - Marco Högers sportlicher Lebenslauf liest sich keineswegs nüchtern:
33 Bundesliga-Spiele hat der Youngster des FC Schalke 04 bereits auf dem Buckel, dazu 14 Einsätze im Europacup sowie acht im DFBPokal.
So wirklich angekommen im Bewusstsein der Fussball-Fans bundesweit ist der 23-Jährige aber noch nicht. Zumindest bis zum Sieg der Königsblauen im jüngsten Ruhrpott-Derby bei Borussia Dortmund war das so.
Seitdem sich Höger im siegreichen 2:1-Duell mit dem Erzrivalen als Torschütze hervorgetan hat, steht der defensive Mittelfeldspieler aber plötzlich im Blickpunkt - und hat nun die Chance, die Scheinwerfer international ebenso auf sich zu richten.
Vorzug vor Jones
Es würde wenig verwundern, bekäme Höger im Topspiel der Champions-League-Gruppe B beim FC Arsenal erneut das Vertrauen von Beginn an und den Vorzug vor Jermaine Jones auf der Sechser-Position (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).
Nur weil der erfahrene US-Nationalspieler zuletzt verletzt fehlte, stand der gebürtige Kölner in der noch jungen Liga-Saison dreimal in die Startelf.
Und macht seine Sache seither bestens: Für Schalkes Manager Horst Heldt hatte Höger bereits beim 3:0-Sieg gegen Wolfsburg "überragend gespielt. Wenn er gefordert wurde, hat er gute Leistungen gebracht. Es gab keine Notwendigkeit, etwas zu verändern."
Starke Werte beim Derby-Sieg
So auch nicht im Derby und nun wohl genauso wenig in der Königsklasse, obwohl Jones inzwischen wieder fit ist.
Högers Auftritt im Derby liefert genug Argumente für einen sofortigen Einsatz, nicht nur wegen seines cool abgeschlossenen Tores zum 2:0:
Der defensive Mittelfeld-Mann präsentierte sich enorm ballsicher, von 43 Pässen fanden 37 ihr Ziel, dazu gewann Höger 60 Prozent seiner Zweikämpfe.
"Marco ist ein sehr talentierter Spieler, der über eine hervorragende Technik verfügt", schwärmt denn auch S04-Kapitän Benedikt Höwedes.
Dank an die Kollegen
Höger bleibt dennoch bescheiden - und dankt für sein Tor gegen den BVB auch den Kollegen.
"Ich wusste, dass Lewis Holtby diese Pässe spielen kann", so der gebürtige Kölner, der mit Holtby schon bei Alemannia Aachen in der Zweiten Liga zusammengespielt hatte.
Ins zweite Glied zurücktreten will Höger natürlich nicht: "Ich habe lange auf meine Chance gewartet, das ist normal bei so einem Kader. Aber jetzt habe ich gezeigt, dass ich Ansprüche stellen kann, dass ich auch in die erste Elf gehöre."
Nun auch gegen Poldi und Co.?
Die Wege des 1,86 Meter grossen und 78 Kilogramm schweren Jungprofis, der im Sommer 2011 nach Schalke kam, würde sich im Emirates Stadium dann mit namhaften Gegnern wie Lukas Podolski, Olivier Giroud und Gervinho kreuzen.
Überzeugt Höger erneut, dürfte auf auch Joachim Löw genau aus seinen weiteren Weg schauen.
Alternativen gefragt
Nicht erst seit dem turbulenten 4:4 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden weiss der Bundestrainer, dass er auf der Sechser-Position Alternativen benötigt, sollte das etatmässige Duo Bastian Schweinsteiger (FC Bayern) und Sami Khedira (Real Madrid) gesprengt sein.
Höger hat das Zeug dafür und ist obendrein flexibel, weil er lange auch als rechter Verteidiger agiert hat.
Der 23-Jährige macht sich trotzdem keinen Druck, begegnet der Zukunft gelassen - allein seine ausbaufähige Torgefahr treibt ihn ein wenig um.
Neben dem Treffer gegen Dortmund steht nur noch ein Erfolgserlebnis in der Profi-Vita (Tor zum 4:1-Endstand beim 1. FC Köln am 28. Januar 2012).
Nach dem Tor fast erdrückt
Auf die bisweilen schmerzhafte Anteilnahme der Kollegen an einem Tor könnte Höger allerdings verzichten:
"Beim Jubel", so Höger nach dem Derby, "waren dann vier, fünf Spieler auf mir drauf. Da habe ich dann auch mal angeklopft, dass ich unten liege."
Trotzdem hätte er wohl wenig dagegen, wenn er auch auf dem Rasen des Emirates Stadiums von seinen Mitspielern fast erdrückt würde.











