Labbadia: ''Sicherlich darf man träumen''
Von Barnabas Szöcs
Hamburg/München - Bruno Labbadia stürmte sofort nach dem Abpfiff auf den Platz und umarmte jeden seiner Spieler.
Wie von einer zentnerschweren Last - und aus dem Tabellenkeller - befreit, feierte der Trainer des VfB Stuttgart mit seinen Siegern und den 1600 mitgereisten Fans den ersehnten 1:0-Befreiungsschlag beim Hamburger SV .
"Der Sieg tut uns richtig gut, weil wir nun ins Tabellenmittelfeld vorgerückt sind. Das war heute eine sensationelle Leistung", schwärmte Labbadia und fügte an: "Wir haben den HSV in allen Belangen beherrscht."
Ausgerechnet an alter Wirkungsstätte lieferte der VfB-Coach beste Argumente für die in Stuttgart geplante Vertragsverlängerung.
"Für uns ist das auch kein grosses Thema, weil wir uns vertrauen und ich auch sehe, was er für eine gute Arbeit leistet und auch in der Vergangenheit in schwierigen Situationen geleistet hat. Der Verlängerung sollte nichts im Wege stehen", bestätigte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic schon in der Halbzeit bei "Sky".
Verschnaufpause für Labbadia
Die Erleichterung dürfte bei Labbadia dennoch immens gewesen sein, bei einer Niederlage wäre der Druck wohl weiter angestiegen, die Rufe nach einem Trainerwechsel wohl wieder lauter geworden.
Vedad Ibisevic erzielte in der 30. Minute den entscheidenden Treffer für die Schwaben. Martin Harnik hatte dem Bosnier zu dessen vierten Saisontreffer massgerecht aufgelegt.
Harnik: "Ein Riesensatz ist das nicht"
Die Elf von Labbadia, dessen Wutrede nach dem Spiel gegen Leverkusen offenbar nachhaltig wirkt, zeigte einen couragierten Auftritt und verbesserte sich durch den Dreier auf Rang zwölf .
Ein Teilerfolg, mehr nicht, wie Harnik nach der Partie bei LIGA total! klarstellte: "Ein Riesensatz ist der Sieg nicht, aber wir haben drei Punkte mehr. Nun sind wir Zwölfter - das ist etwas angenehmer als Rang 16. Aber wir müssen noch einiges folgen lassen."
Gerechtfertigte Brandrede
Den Wutausbruch seines Trainers, der damit die Aufmerksamkeit von der Mannschaft weglenkte, hielt Harnik für "gerechtfertigt. Ich fand die Brandrede gut, so etwas gehört zum Fussball dazu".
Von einer Krise im Ländle wollte der österreichische Nationalspieler sowieso nichts wissen: "Ich weiss gar nicht, ob die Situation so brenzlig war."
Fink spricht Klartext
Für den HSV endete dagegen die Serie von vier Spielen ohne Niederlage.
"Das hat den einen oder anderen wieder runter geholt, der schon von der Europa League gesprochen hat", stellte HSV-Coach Thorsten Fink unmissverständlich klar: "Wir stehen nach wie vor ordentlich da und werden realistisch bleiben."
Apropos Realität: Fakt ist nach der vierten Saisonpleite aber auch, dass die "Rothosen" auch mit Superstar Rafael van der Vaart noch viel zu tun haben.
Van der Vaart enttäuscht, aber realistisch
"Wir haben schlecht gespielt und der VfB hat es sehr gut gemacht", musste der Holländer nach der Partie bei LIGA total! neidlos anerkennen: "Es ist enttäuschend. Aber wenn es verdient ist, habe ich nicht ganz so grosse Probleme damit."
"Im Mittelfeld entscheidet man Spiele - aber heute haben wir den Krieg dort nicht gewonnen", resümierte er leicht martialisch.
Die Hanseaten, die zuletzt zweimal in Folge gewonnen hatten, stehen aktuell auf Rang zehn - verpassten aber den Sprung auf Platz vier. Ein Sprung, der für van der Vaart angesichts des schwachen Spiels gegen die Schwaben "nicht verdient" gewesen wäre.
Keine Ausreden
Seine eigene Leistung bezeichnete der 29-Jährige als "zu wenig", seine überstandene Adduktoren-Verletzung wollte er nicht als Ausrede gelten lassen: "Das war keine Behinderung."
Dass van der Vaart weder Messias, noch Heilsbringer oder alleiniger HSV-Retter ist, war dem Verein aus dem Norden schon bei seiner Verpflichtung klar - dennoch brachte er neue Hoffnung und Erfolgserlebnisse an die Elbe.
Nun jedoch wurde der mentale Höhenflug der Hanseaten unsanft unterbrochen.
"Natürlich wollen wir mehr"
"Man muss ehrlich sein: Vor vier Wochen hatten wir noch null Punkte, jetzt haben wir zehn", so Van der Vaart realistisch: "Aber natürlich wollen wir mehr. Dennoch müssen wir beim HSV ruhig bleiben und um jeden Punkt kämpfen."
Dies gilt auch für die siegreichen Stuttgarter und ihren Trainer Bruno Labbadia, der seinen Spielern nach dem Erfolg zumindest einen kleinen Ausflug in die Fantasie-Welt namens Europa gönnt:
"Sicherlich darf man träumen, doch die Top-Ten bleibt weiterhin unser Ziel. Jetzt müssen wir uns die Punkte in Augsburg wiederholen."
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