Bayern macht das Tempo - die Konkurrenz hechelt hinterher
Von Jakob Gajdzik und Thorsten Langenbahn
München - Der Meister schwächelt, der Rekordmeister zieht davon.
Am 8. Spieltag von einer Vorentscheidung zu sprechen ist verfrüht, doch deuten die dominanten Auftritte des FC Bayern an der auf eine gewisse Langeweile hin.
Mit dem achten Sieg im achten Spiel stellten die Münchner einen neuen Startrekord auf und eilen nach zwei titellosen Jahren im Eiltempo Richtung Schale.
Bislang hält lediglich Eintracht Frankfurt (19 Punkte) Schritt, dass der Aufsteiger aber ein ernsthafter Titelkonkurrent für die Münchner sein könnte, dürften nur die kühnsten Fans der Hessen glauben.
"Wird schwer, uns zu schlagen"
Borussia Dortmund und Schalke 04 dürften nominell die einzigen ernsthaften Mitbewerber der Bayern sein. In deren Richtung schickte Thomas Müller nach dem Sieg gegen Düsseldorf eine Kampfansage.
"Wenn wir so weiterspielen, wird es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen", sagte der Nationalspieler.
Zumal die Münchner wahrlich nicht den Eindruck machen, übermütig zu werden. Trotz der blütenreinen Weste und einem sagenhaften Torverhältnis von 26:2 predigen die Bayern Demut.
Müller will trotz 24 Punkten "auf dem Teppich bleiben", und auch Rummenigge betonte, es werde jetzt "keinen Champagner" geben.
Konkurrenz hechelt hinterher
Bei der Konkurrenz zeigt das Tempo der Bayern allerdings Wirkung. "Zwölf Punkte sind natürlich eine Hausnummer", sagte Dortmunds Mats Hummels nach der Niederlage gegen Schalke .
Betrachtet man die Bundesliga-Historie, könnte die Borussia den Titel-Hattrick eigentlich bereits abschreiben.
Noch nie konnte eine Mannschaft einen Zwölf-Punkte-Rückstand wettmachen, die grösste Aufholjagd gelang dem VfL Wolfsburg im Meisterjahr 2009 (elf Punkte).
Reus: "Müssen unsere Lehren ziehen"
"Wir schauen immer nur auf uns. Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen", sagte der enttäuschte Marco Reus nach der Derby-Pleite zu SPORT1.
Allerdings sollte die Mannschaft von Trainer Jürgen Klopp diese Erkenntnisse bald umsetzen, denn der BVB droht den Anschluss zu verlieren.
Nur eines der vergangenen sechs Pflichtspiele konnte die Borussia für sich entscheiden, gegen Schalke konnten die Schwarz-Gelben auch spielerisch nicht überzeugen.
Die Dreifachbelastung mit Championsleague und Pokal macht dem Meister offenbar zu schaffen. Auch jetzt gibt es keine Zeit zur Regeneration, schon am Mittwoch kommt Real Madrid nach Dortmund.
Zeit sich zu erholen hat der BVB aber kaum, denn bereits am Mittwoch empfängt der Deutsche Meister in der Champions League Real Madrid zum nächsten Kracher.
Während Dortmund nach dem Dämpfer im Derby nun wieder in die Spur finden muss, ist Schalkes Angriffslust geweckt worden.
Heldt: "Kein Durchmarsch"
Sieben Punkte beträgt zwar der Rückstand der Königsblauen auf die Tabellenspitze, aber Manager Horst Heldt prophezeite den Bayern im Volkswagen Doppelpass bei SPORT1 "keinen Durchmarsch" zu schaffen
Auch bei den Spielern hat der Sieg beim Double-Gewinner das Selbstvertrauen gestärkt.
"Vorher haben viele gesagt, dass wir gegen grosse Klubs anscheinend nicht bestehen können. Heute haben wir das Gegenteil gezeigt", sagte Schalkes Torhüter Lars Unnerstall stolz zu SPORT1.
Unnerstall lobt Mut
"Es spricht für uns, dass wir immer weiter nach vorne gespielt und uns nicht hinten reingestellt haben", erklärte der 22-Jährige das Erfolgsgeheimnis in Dortmund.
Benedikt Höwedes schlug in die gleiche Kerbe.
"Natürlich ist es schön Derbysieger zu sein. Aber man darf nicht vergessen - auch wenn wir sie sehr gut in Schach gehalten haben - dass Dortmund eine hervorragende Mannschaft hat. Das lässt sich nicht wegreden", sagte der Schalker Kapitän zu SPORT1.
Doch nicht alle in Gelsenkirchen teilten diese Euphorie.
"Sind heute nicht Meister geworden"
"Wir wollen es nicht zu hochjubeln. Wir sind heute nicht Meister geworden", sagte Mittelfeldspieler Lewis Holtby.
Auch bei seinem Trainer Huub Stevens war nicht alles rosarot bei königsblau. "Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht da, wo wir hinwollen", mahnte der Niederländer, der nicht vergessen hat, dass sein Team erst kürzlich gegen die Bayern chancenlos war.
Sollte sich die Mannschaft aber weiter steigern können und den Ansprüchen des Niederländers gerecht werden, könnte Schalke zum ernsthaftesten Verfolger der Münchner avancieren.
Wenn nicht, können die Bayern den Rathausbalkon für die Meisterfeier wohl früher buchen als gedacht.
SPORT1



















