Klopp fliegt BVB-Baukasten um die Ohren
Aus Dortmund berichtet Thorsten Langenbahn
Dortmund - Jürgen Klopp nahm die Niederlage auf seine Kappe, die wieder die Aufschrift "Pöhler" zierte.
Doch der Pöhler, im Ruhrpott die Bezeichnung für einen Strassenfussballer, hatte sich verzockt.
"Die Niederlage geht auf meine Kappe. Ich wollte mit der Systemumstellung der Mannschaft helfen. Das hat ehrlich gesagt nicht so wahnsinnig gut funktioniert", gab der BVB-Trainer nach der 1:2-Heimpleite im Derby gegen Schalke (Bericht) zu.
Mit einer 3-5-2-Formation versuchte der Meister in der ersten halben Stunde eine völlig neue Variante mit einer defensiven Dreierkette .
Vor allem das Auseinanderreissen der Innenverteidiger Mats Hummels und Neven Subotic brachte Unsicherheit ins Spiel des Doublegewinners .
Reus: "Für Schalke war es leicht"
Am System habe es nicht gelegen, sagte Marco Reus dennoch nach seinem ersten Revierderby zu SPORT1.
"Hätten wir so gespielt wie geplant, wäre die Partie anders gelaufen", meinte der BVB-Angreifer enttäuscht.
"Wir sind nicht gut ins Spiel reingekommen und haben die zweiten Bälle nicht gewonnen. Da war es für Schalke sehr leicht", sagte Reus.
Nach dem Seitenwechsel fanden die Schwarzgelben trotz des 0:2 durch Marco Höger besser ins Spiel. Doch nach dem Anschlusstreffer von Robert Lewandowski rannten die Dortmunder vergeblich dem Rückstand hinterher.
Zorc: "Rabenschwarzer Tag"
Auch Klopp wollte nicht allein die Systemumstellung für die erste Heimniederlage seit September 2011 verantwortlich machen.
"Es kam auch hinzu, dass wir auf ein, zwei Positionen keine Topform hatten und bei eigenem Ballbesitz die Kugel wieder zu schnell abgegeben haben. Dann kommst du nicht in den Rhythmus", analysierte der 45-Jährige bei LIGA total!.
Seine Elf habe nach dem 1:2 zu verkrampft und hektisch gespielt. "Das hat man an Szenen gesehen, wo wir mit Übersteiger links ausbrechen, rechts ausbrechen - und in der Mitte zusammenbrechen."
BVB-Sportdirektor Michael Zorc sagte: "Wir haben einen rabenschwarzen Tag erwischt, nie zu unserem Spiel gefunden und verdient verloren. Schalke hat es sehr clever gemacht."
Hummels kritisiert Schalker Zeitschinderei
Die Borussia liegt mit zwölf Zählern und fünf Punkte Abstand auf den Erzrivalen auf Rang vier.
"Nach der Zeitschinderei der Schalker können sie sich sicher sein, dass wir bis zum letzten Spieltag ziemlich viel dafür geben, vor ihnen zu landen", schimpfte Mats Hummels.
Von den auf zwölf Punkte davongeeilten Bayern wollte beim Titelverteidiger niemand sprechen.
"Wir haben acht Spiele gespielt, es sind noch 26", stellte Hummels fest. Sein Nationalmannschaftskollege Reus sagte knapp: "Wir schauen nur auf uns."
Gute Vorsätze für das Real-Spiel
Schon in vier Tagen steht im Signal-Iduna-Park mit dem Champions-League-Spiel gegen Real Madrid der nächste Kracher an.
"Wir müssen unsere Lehren aus dieser Niederlage ziehen und die Köpfe weiter oben behalten. Madrid wird ein anderes Spiel", blickte Reus nach vorn.
Schalke geht dagegen mit reichlich Rückenwind ins nächste Gruppenspiel der Königsklasse bei Arsenal London.
Feuerzeuge und Münzen in Unnerstalls Torraum
Die Laune bei den Königsblauen war natürlich blendend. "Geiler gehts nicht!", jubelte Lars Unnerstall mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Die Pfiffe der 25.000 BVB-Fans in seinem Rücken liessen den Schalke-Schlussmann, der den Vorzug vor Timo Hildebrand bekommen hatte, in der zweiten Halbzeit angeblich kalt.
"Wer noch ein Feuerzeug braucht: Im Tor liegen genug", sagte Unnerstall scherzhaft zu SPORT1.
Auch ein 20-Cent-Stück habe ihn getroffen. "Deswegen habe ich den Abstoss nicht ausgeführt und die Gelbe Karte gekriegt, aber damit kann ich gut leben", meinte der 22-Jährige nach seinem ersten Derbysieg.
Stevens: "Einer der schönste Momente"
Schalke-Trainer Huub Stevens liess Klopps Umstellungen hinterher nicht unkommentiert.
"Wenn Dortmund das Risiko eingeht, mit drei Leuten von hinten zu spielen, dann geht man ein grosses Risiko. Wir haben uns davon nicht beirren lassen, unser Spiel gespielt und die richtige Antwort gegeben", sagte der Niederländer.
Und für die Königsblauen bleibt die Gewissheit, doch gegen Spitzenteams gewinnen zu können.
Stevens kommentierte zufrieden: "Wenn man hier in Dortmund gewinnt, ist das einer der schönsten Momente."
SPORT1



















