''Ich will keine Meier'schen Werbeveranstaltungen''
Von Reinhard Franke
München - Er ist der Vater des Erfolgs.
Auch, wenn Norbert Meier das gar nicht gerne hört.
Mit Fortuna Düsseldorf krönte der 54-jährige Trainer in diesem Sommer ein kleines Fussball-Märchen.
Als Meier die Rheinländer im Januar 2008 übernahm, spielte der Verein in der Regionalliga. Meier kam, sah und siegte. Er führte den Klub innerhalb von nur vier Jahren zurück in die Bundesliga.
Dort lassen die Düsseldorfer bisher mit nur einer Niederlage aus den ersten sieben Spielen aufhorchen.
Und am Samstag ist ein Festtag für ganz Düsseldorf, dann empfängt die Fortuna nach 16 Jahren wieder die Bayern im Oberhaus .
Vor dem Highlight spricht Meier im SPORT1-Interview über den bisherigen Saisonverlauf, willige und mündige Spieler, Torwart Fabian Giefer - und verrät wie er den Startrekord der Bayern mit acht Siegen zu Saisonbeginn stoppen will.
SPORT1: Herr Meier, die Fortuna steht nach sieben Spielen auf Tabellenplatz sieben. Wie fällt Ihr Fazit aus?
Norbert Meier: Es ist für uns bislang ganz gut angelaufen. Darüber freuen wir uns, aber es ist nur ein kleiner Schritt, eine Etappe ist bislang zurückgelegt, nicht mehr und nicht weniger. Wir werden uns nicht in Beweihräucherung üben. Wir werden hart weiterarbeiten und werden noch eine Menge tun müssen.
SPORT1: Zwei Siege, vier Remis und nur eine Niederlage. Es gab drei torlose Unentschieden, wo viele Kritiker Ihnen Mauertaktik vorgeworfen haben. Was sagen Sie dazu?
Meier: Wir haben unsere zehn Punkte und die kriegt man nicht, wenn man sich nur in der eigenen Hälfte aufhält. Unsere Spielausrichtung ist nun einmal so. Wir wissen, dass wir zügig in diese Liga gekommen sind, höher geht es nicht. Die Liga hat gewiss nicht auf uns gewartet. Und so werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten das Bestmögliche hinzubekommen.
SPORT1: Im Sommer kamen 18 neue Spieler dazu. Wie ist es Ihnen gelungen, die so schnell zu integrieren?
Meier: Es war nicht so schwer, denn ein Grossteil ist ja geblieben. Wir haben im Abwehrbereich Stelio Malezas und Fabian Giefer neu mit dabei. Die Zentrale im Mittelfeld ist mit Adam Bodzek, Oliver Fink und Andreas Lambertz auch gleich geblieben. Vorne haben wir alles neu ebenso die äusseren Mittelfeldpositionen. Dabei haben sich auf einigen Positionen Spieler bisher ganz gut entwickelt. Aber wie gesagt es ist erst ein kleiner Step vollzogen und wir werden mit der nötigen Ruhe und Konzentration weiterarbeiten.
SPORT1: Sie wirken trotz der positiven Punkteausbeute noch sehr zurückhaltend. Warum?
Meier: Ich bin nicht derjenige, der sich selbst auf die Schulter klopft. Das sollen andere entscheiden, welchen Anteil ich daran habe.
SPORT1: Mit Verlaub, aber Sie sind der Trainer.
Meier: Natürlich, aber ich weiss nicht, ob ich deswegen nach aussen die grossen Proklamationen veranstalten muss. Die Leute, die sich im Fussball auskennen, werden wissen, dass es nicht einfach ist, das so umzusetzen. Ich will keine "Meier'schen Werbeveranstaltungen".
SPORT1: Können Sie das gute Abschneiden bisher denn erklären?
Meier: Grundsätzlich ist es immer wichtig, dass die Spieler den Weg mitgehen. Sie müssen bereit sein zu erkennen, dass das, was vorgegeben wird, der einzige richtige Weg sein kann. Wir können nur über unsere Geschlossenheit und die Bereitschaft, für den anderen im Spiel jeden Meter mitzugehen, Erfolg haben. Dabei soll dann durchaus auch das Fussballerische mit einfliessen. Aber ehrlich: Es gibt Mannschaften, die uns doch noch Lichtjahre voraus sind und da kann man nur schauen, dass man über gewisse Möglichkeiten das Optimum erreicht. Das soll unser Weg sein.
SPORT1: Diesen Weg mitgehen will Ihr Torwart Fabian Giefer, der im Sommer sogar ein Angebot von Bayern München als Nummer zwei hinter Manuel Neuer ausschlug. So jemand dürfte Ihnen viel Freude machen, oder?
Meier: Fabian ist mit seinen 22 Jahren schon ein auch sprachlich gut entwickelter junger Mann, der weiss, was er zu sagen hat und völlig klar im Kopf ist. Er bringt Dinge mit, die für einen Torwart unabdingbar sind. Bei Bayern musste er davon ausgehen, dass Neuer spielen würde. Aber gerade für junge Leute ist es jedoch wichtig, dass sie Spielzeit erhalten. So hat er sich für uns entschieden. Und lag bislang nicht so falsch. Aber ich bin generell kein Freund davon, Spieler nach kurzer Zeit in den Himmel zu loben und umgekehrt Spieler, bei denen es nicht so läuft, an den Rand zu stellen und aussen vor zu lassen.
SPORT1: So einer ist Andrej Voronin. Warum läuft es noch nicht so bei ihm?
Meier: Das stimmt nicht ganz. Andrej hat auch schon gute Phasen hier gehabt. Es ist auch nicht ganz einfach für ihn. Er hat sich immer bei grossen Vereinen an einem oberen Limit bewegt wie zuletzt bei Dynamo Moskau. Jetzt zu einer Mannschaft dazu zustossen, wo vieles über andere Tugenden definiert wird, ist sicher nicht leicht. Er muss aber wissen, dass von ihm auch Dinge erwartet werden, die für unser Spiel wichtig sind. Das ist für ihn ein Prozess, den er mitgehen und akzeptieren muss.
SPORT1: Apropos Prozess: Sie sagten zuletzt über die Finanz-Situation bei Fortuna, dass man nicht in wenigen Tagen aus einer Würstchenbude eine Grossraumdiskothek machen kann. Ist man zumindest schon ein Dance-Klub?
Meier: (lacht) Wir sind jetzt gerade dabei die Lautsprecher zu installieren. Die Arbeiten gehen besonnen weiter.
SPORT1: Am Samstag kommen die Bayern. Giefer hat schon mal gesagt, dass es unangenehm für die Bayern wird. Finden Sie solche Kampfansagen gut?
Meier: Spieler bekommen keinen Maulkorb von mir. Sie sollen ihre Meinung vertreten, nur sie müssen sich an dem, was sie sagen, dann auch messen lassen.
SPORT1: Wie wollen Sie den Startrekord der Münchner verhindern?
Meier: Wir werden versuchen dem haushohen Favoriten Paroli zu bieten, eine gute Leistung abzurufen. Wir bereiten uns vor und werden das ganz ruhig angehen. Aber es ist natürlich für uns etwas Besonderes gegen die Bayern zu spielen. Viele unserer Spieler bestreiten ja das erste Mal ein Pflichtspiel gegen die Münchner. Bayern ist das Hauptzugpferd des deutschen Fussballs, aber am Ende ist es eines von 34 Spielen. Und jedes Spiel ist ein Freuden-Ereignis für uns.



















