Neuer wackelt und spürt Adlers Atem
Von Jakob Gajdzik
München - Rene Adlers Pech war Manuel Neuers Glück.
Kurz vor dem WM 2010 zog sich mit Adler die deutsche Nummer 1 einen Rippenbruch zu, wodurch Neuer abrupt in den DFB-Kasten aufrückte.
Neuer hielt beim Turnier in Südafrika und auch danach überragend und zementierte seinen Status als uneingeschränkter Stammkeeper.
Dieser bekommt nun erste Risse.
Nach dem spektakulären wie blamablen 4:4 gegen Schweden bläst dem Bayern-Keeper im Kreise der Nationalelf das erste Mal richtig Gegenwind ins Gesicht.
Schwach gegen Schweden
Gegen die "Tre Kronor" zeigte sich der 26-Jährige unkonzentriert im Strafraum, unpräzise in seiner Spieleröffnung und liess zudem beim 2:4 durch Schwedens Lustig einen durchaus haltbaren Ball passieren.
Nun darf Neuer wegen eines schwachen Länderspiels natürlich nicht infrage gestellt werden. Auch beim kommenden Länderspiel in den Niederlanden am 14. November dürfte er die deutsche Nummer 1 sein.
Nach zwei Jahren ohne wirklichen Druck von der Bank steht ihm aber wohl schon bald eine neue Konkurrenzsituation bevor.
Traum-Comeback von Adler
"Schuld" daran ist sein Vorgänger Adler, der nach knapp einjähriger Verletzungs- und Spielpause beim Hamburger SV ein Traum-Comeback feierte und bisher einer der Spieler der Saison ist.
Und dass sich Neuer und Adler in absehbarer Zeit wieder im Rahmen der deutschen Auswahl begegnen, davon ist auszugehen.
"Selbstverständlich", antwortete DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke auf die Frage, ob sich Adler Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Truppe von Joachim Löw machen kann.
"Unsere Aufgabe ist es doch, innerhalb der kommenden zwei Jahre die besten drei Torhüter für die WM 2014 in Brasilien zu finden. Und warum sollte Rene in der aktuellen Form keine Chance haben?", sagte Köpke schon vor den letzten beiden Länderspielen im Gespräch mit dem "Hamburger Abendblatt".
"Rene verkörpert das Torwartspiel, was wir sehen wollen"
Der 59-malige Nationalkeeper ist von Adlers Leistungen an der Elbe stark beeindruckt und lobt den 27-Jährigen über den grünen Klee.
"Rene kann sich wie kaum ein Zweiter auf den Punkt genau fokussieren. Er strahlt eine innere Ruhe und Konzentration aus, ist aber gleichzeitig sehr viel lauter und bestimmter als früher. Mir ist aufgefallen, dass er in Hamburg mehr dirigiert als noch in Leverkusen", sagte Köpke und ergänzte:
"Rene verkörpert eigentlich genau das Torwartspiel, was wir hier bei der Nationalmannschaft sehen wollen."
Knieverletzung und Stammplatz-Verlust
Nach seinem Rippenbruch und Neuers Beförderung zum DFB-Stammkeeper war Adler erst einmal aussen vor.
Es folgte eine mittelmässige Saison bei Bayer Leverkusen 2010/2011, dann zog er sich in der Spielzeit 2011/2012 eine schwere Knieverletzung zu und verlor anschliessend seinen Platz an Bernd Leno.
Neuer dagegen spielte bei Schalke 2010/2011 eine sensationelle Saison, an deren Ende der Wechsel zum FC Bayern stand und die seinen Status als Deutschlands Nummer 1 zementierte.
Keeper wie Tim Wiese, Ron-Robert Zieler oder Marc-Andre ter Stegen konnten und können ihm nicht das Wasser reichen, bei Adler sieht es allerdings anders aus.
Kaum einer traute Adler ein solches Comeback zu, das Neuer in kurzer Zeit mächtig Druck macht.
Köpke: "Er wird wieder der Alte sein"
"Rene hatte vor seinen Verletzungen eine richtig gute Phase hatte. Wenn ich nur an sein tolles Länderspiel 2009 gegen Russland denke. Da hat er unter extremer Nervenbelastung ein herausragendes Spiel gemacht. Und wenn er jetzt konstant seine Leistung beim HSV bringt und verletzungsfrei bleibt, dann wird er an dieses Niveau wieder rankommen. Er wird wieder der Alte sein", sagte Köpke.
Denn während Adler in Hamburg regelmässig heiss geschossen wird und mit überragenden Leistungen dem HSV Spiele gewinnt, verlebt Neuer beim FC Bayern weitgehend ruhige Nachmittage.
Zwei Gegentore in sieben Spielen sprechen Bände, Neuer muss nur selten eingreifen.
Zieler bleibt gelassen
Gerade im Liga-Betrieb kann er sich nun aber auch wieder Selbstvertrauen holen.
Das kann er brauchen. Denn wenn Adler auf diesem Niveau weiterspielt, ist es fast unausweichlich, dass er entweder ter Stegen oder Zieler den Platz streitig macht. "Meine Position ist gefestigt, das kann ich selbstbewusst sagen", sagte Zieler zwar dem "kicker".
Doch wie schnell alles gehen kann, weiss man ja nicht erst seit 2010.
SPORT1

