Rassismus-Eklat: Premier Cameron fordert harte Strafe
London - Die Rassismusvorfälle beim U21-Playoff-Spiel zwischen Serbien und England (0:1) haben sogar den britischen Premierminister David Cameron auf den Plan gerufen.
Der Politiker sei "entsetzt" gewesen über die Szenen, die er vom Spiel in Krusevac gesehen habe, und fordere "harte Sanktionen", sagte sein offizieller Sprecher am Mittwoch.
Die UEFA leitete ein Disziplinarverfahren gegen beide Verbände ein, FIFA-Präsident Joseph S. Blatter äusserte sein Bedauern.
Affenlaute gegen Engländer Rose
Beim Playoff-Rückspiel in Serbien war der dunkelhäutige Spieler Danny Rose von den serbischen Zuschauer durch andauernde Affenlaute rassistisch beleidigt worden.
Im Anschluss an die Partie, in der die Engländer die Teilnahme an der EM 2013 in Israel gesichert hatten, war zudem rund um den 22-Jährigen ein wildes Handgemenge ausgebrochen.
Die Europäische Fussball-Union (UEFA) kündigte am Mittwochabend an, das Verhalten beider Seiten genau untersuchen zu wollen.
"Die UEFA hat ein Disziplinarverfahren eingeleitet", hiess es in einem Statement.
Blatter meldet sich über Twitter
Der serbische Fussball-Verband (FSS) müsse sich für das Fehlverhalten seiner Fans und des unangemessenen Auftretens seiner Spieler am Ende der Begegnung verantworten.
Letzeres gelte ebenfalls für den englischen Verband FA.
Blatter meldete sich über Twitter zu Wort und zeigte sich von den Vorfällen enttäuscht.
Serbien weist Vorwürfe zurück
"Ich bin jedes Mal traurig, wenn ich von Rassismus im Fussball höre. Wir müssen weiter dafür kämpfen, Diskriminierungen im Sport auszumerzen. Schiesst Rassismus aus dem Fussball", schrieb Blatter und verlinkte auf eine Anti-Diskriminierungsseite auf der FIFA-Homepage.
Der serbische Fussball-Verband (FSS) wies derweil die Vorwürfe in einer Stellungnahme entschieden zurück:
"Eine Verbindung zwischen dem gesehenen Vorfall - einer Auseinandersetzung zwischen Teilen beider Mannschaften - und Rassismus zu ziehen, entbehrt jeglicher Grundlage. Wir betrachten dies als Böswilligkeit."
Rose fühlte sich bedroht
Gleichzeitig warf der FSS Rose vor, mit der ironischen Imitation eines Affen die Zuschauer angestachelt zu haben.
"Danny Rose hat sich unangemessen, unsportlich und in einer vulgären Art gegenüber dem Publikum verhalten", so der Verband.
Rose schilderte die Geschehnisse deutlich anders.
"Auf einmal umzingelten mich die serbischen Spieler, schubsten mich und eine Schlägerei brach aus. Ich erinnere mich daran, dass ich zweimal geohrfeigt wurde", sagte Rose, der nach Spielschluss für das Wegtreten des Balls vom Schiedsrichter mit der Gelb-Roten Karte bestraft wurde:
Wiederholungstäter Serbien
"Die Affenlaute haben mich das ganze Spiel begleitet, bei jedem Ballkontakt haben sie es gemacht. Bei Einwürfen haben sie sogar mit Steinen nach mir geschmissen."
Bereits im Juni 2007 war der serbische Verband von der Europäischen Fussball-Union (UEFA) wegen rassistischer Vorfälle in einem anderen U21-Länderspiel - ebenfalls gegen England - mit einer Geldstrafe von 26.600 Dollar bestraft worden.
UEFA-Präsident Michel Platini hatte damals mit einer Wettbewerbsverbannung für das serbische Team gedroht.
SPORT1

