Reise nach Jerusalem: Holtby will EM-Titel
Luzern - Der Geruch des Sieges war süss und intensiv:
Eine Mischung aus Sekt und Schweiss lag in der Luft, als Kapitän Lewis Holtby nach der ausgelassenen Party der deutschen U 21 die Kabinentür öffnete und völlig durchnässt vor die wartende Presse trat.
"Ich lag auf dem Boden, und auf einmal kam die Sektdusche von oben. Das ist ein absolut geiles Gefühl", sagte der Schalker nach dem 3:1 (3:0)-Sieg im Play-off-Rückspiel in der Schweiz , mit dem der deutsche Nachwuchs nach dem 1:1 im Hinspiel das ersehnte Ticket zur EM 2013 in Israel gelöst hatte.
"So sehen Sieger aus"
Gefeiert wurde ausgelassen: "Hey, super Deutschland" und "So sehen Sieger" sang das DFB-Team zwar schief, aber laut.
Der Taktgeber hiess wie schon auf dem Rasen Lewis Holtby.
Der 22-Jährige blüht bei der deutschen U 21 regelmässig auf, in Luzern glänzte er als Torschütze, Vorbereiter und Antreiber.
"Lewis ist für dieses Alter ein absolutes Vorbild. Wir müssen froh sein, dass wir einen solchen Führungsspieler in der U 21 haben", sagte der neue DFB-Sportdirektor Robin Dutt.
Holtby schwört Team ein
Vor Anpfiff war Holtby zu jedem Mitspieler gegangen, hatte jeden noch einmal auf das grosse Ziel eingeschworen. Mit Erfolg.
"Lewis identifiziert sich zu einhundert Prozent mit der Mannschaft, denn es ist seine Mannschaft. Er ist der Kapitän und Leader, auf und neben dem Spielfeld", schwärmte Trainer Rainer Adrion.
Lob, das Holtby gleich weitergab: "Ich bin dankbar, dass ich ein Teil dieser Mannschaft sein darf. Es macht einfach nur Spass", meinte der Mittelfeldspieler und gab gleich das nächste Ziel aus:
"Jetzt will ich Europameister werden."
Nur U 21 im Kopf
Zweimal hat Holtby schon für das A-Team gespielt, in seiner aktuellen Form wäre eine erneute Nominierung nur logisch.
Auch bei Schalke ist der Blondschopf mit drei Saisontoren erfolgreichster Schütze. Doch es scheint, dass Holtby vorerst nur die U 21 im Kopf hat.
"Wir haben für den Koch gewonnen, für die Physios, für alle", sagte der Matchwinnner, der das 1:0 (8.) selbst erzielt und die Treffer von Lasse Sobiech (20.) und Sebastian Polter (45.) vorbereitet hatte.
Und für den verunglückten Kollegen Boris Vukcevic, dessen Trikot die Spieler nach Schlusspfiff trugen. Holtby: "Ich hoffe, dass er bald wieder zu uns kommt."
Holtby als Boss - das erkennen auch Leistungsträger wie Bayer Leverkusens Torhüter Bernd Leno an.
"Er ist unser Taktgeber"
"Man hat wieder gesehen, dass er der Chef auf dem Patz ist. Er fordert jeden Ball, gibt gute Kommandos. Er ist unser Taktgeber. Ich bin stolz, dass wir ihn haben", sagte der Schlussmann, der sich inzwischen einen Stammplatz erspielt hat.
Und den er wohl auch bei der EM behalten wird: Auf Verstärkung aus dem A-Team, wo Lenos Konkurrent Marc-Andre ter Stegen im Einsatz ist, will Adrion in Israel verzichten.
"Die jetzige Mannschaft wird das Gerippe für die EM sein. Für diesen Weg haben wir uns entschieden", sagte Adrion.
Neben ter Stegen wären auch Jungstars wie Mario Götze, Andre Schürrle oder Toni Kroos für die U 21 spielberechtigt.
Erwartungen sind enorm
Doch auch so sind die Erwartungen an die "Reise nach Jerusalem" im Juni enorm. Das weiss auch Adrion.
"Wenn es nicht gerade gegen Brasilien, Argentinien oder Spanien geht, gelten wir in Deutschland immer als Favorit. Das wird auch bei der EM so sein", sagt der Trainer, der vor zwei Jahren die U-21-Endrunde noch überraschend verpasst hatte.
Lewis Holtby war da schon wieder in der lärmenden Kabine verschwunden. Mit heiserer Stimme und Sekt im Haar - der nun endlich auch in seine Kehle durfte.
"Ich habe noch gar nichts getrunken", krächzte Holtby und verabschiedete sich höflich: "Ich würde jetzt gerne für meine Stimme etwas Flüssiges nachlegen."
SPORT1

