Grossklappen-Verbot vor dem Revier-Kracher
Von Reinhard Franke
München - Zwei Jahre lang waren die Verhältnisse klar im Revier.
Borussia Dortmund beherrschte die Liga. Schalke 04 gratulierte am Ende zur Meisterschaft.
Vor dem Duell am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) sieht die Lage zumindest auf dem Papier anders aus: Die Königsblauen belegen Platz drei in der Tabelle, der BVB ist nach einem holprigen Start aktuell Vierter.
Ein Duell auf Augenhöhe, könnte man sagen - hätten die Schalker nicht ziemlich schlechte Erfahrungen mit diesem Wort gemacht.
Holtby lässt "grosse Klappe" zu
Vor dem letzten Spiel in Dortmund hatten sich Klaas-Jan Huntelaar und Lewis Holtby "auf Augenhöhe" mit dem BVB gewähnt.
Klar und deutlich verlor die Truppe von Trainer Huub Stevens dann mit 0:2.
"Grosse Töne, zu wenig dahinter", ärgerte sich S04-Sportdirektor Horst Heldt, Stevens verglich die Leistung seines Teams mit der einer "Schülermannschaft".
Zurückhaltung ist deshalb diesmal das Gebot der Stunde: "Ich will nicht so eine grosse Klappe haben wie letzten Jahr", sagt Holtby im "kicker".
Auch Heldt mit leisen Tönen
Auch von Heldt kommen eher leise Töne: "Wir spielen beim aktuellen Meister, der zudem hervorragend in die Championsleague gestartet ist." Das würde die Ausgangssituation treffend beschreiben.
Bloss nicht wieder zu schnell, zu viel wollen, so der Tenor. In der Hinsicht war auch die ebenso deutliche 0:2-Pleite gegen die Bayern vor drei Wochen. Eine Enttäuschung, die noch in den Knochen steckt: Heldt jedenfalls will diesmal "ein anderes Gesicht" sehen.
Stevens sagt nur so viel: "Wir hoffen, zeigen zu können, dass der Unterschied kleiner geworden ist."
Thon sieht Schalke vorn
Schalke-Legende und SPORT1-Experte Olaf Thon ist da forscher: "Schalke wird immer besser, auch im Hinblick darauf, nach gefühlten 100 Jahren mal wieder Meister zu werden. Und sie sind langsam daran, den Dortmundern wieder den Rang abzulaufen", sagt der Kapitän der Schalker "Eurofighter" von 1997.
Thon sieht für das Revier-Derby "Schalke einen Tick im Vorsprung, obwohl sie auswärts spielen".
Hans-Joachim Watzke ist anderer Meinung: "Die Nummer 1 im Revier sind wir", betont der BVB-Boss in den "Ruhr Nachrichten": "Ich glaube nicht, dass Schalke Meister wird. Aber sie werden um die Champions-League-Plätze mitspielen und am Ende einen dieser Plätze belegen."
"Die Nummer 1 sind wir!"
Auch das Lob für den kommenden Gegner verpackt Watzke auf eine Weise, die den Schalkern nur bedingt schmecken wird.
"Horst Heldt und Huub Stevens haben ihre Mannschaft sehr gut zusammengestellt", sagt er zwar, fügt aber an: "Sie gehen ein Stück den Weg des BVB, weil sie vermehrt auf junge Spieler aus den eigenen Reihen setzen. Wir freuen uns, dass wir eine Art Trendsetter sein konnten. Das finde ich toll."
Duelle gegen die Grossen der Liga
Der ehemalige Dortmunder Christoph Metzelder nimmt die Underdog-Rolle für Schalke gerne an. Auch er sieht "den BVB rein vom Potenzial noch ein Stück voraus".
Doch wenn es nach den Schalkern geht, soll dieses kleine Stück immer mehr zusammenschrumpfen. Metzelder glaubt: "In Dortmund kann uns schon auch mal ein Big Point gelingen."
Um dann verschmitzt anzufügen: "Und der wäre richtungsweisend dafür, wer in den nächsten Wochen in der Tabelle vornesteht."
SPORT1



















