Balsam auf die Seele des Sündenbocks
Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch
Dublin - Marcel Schmelzer war nach dem souveränen 6:1-Sieg in Dublin schon auf dem Weg zum deutschen Mannschaftsbus, doch als er seinen Namen hörte, drehte er sich noch einmal um.
Er strich sich mit einer Hand eine Haarsträhne von der Stirn und holte kurz Luft.
"Natürlich bin ich sehr glücklich, dass wir so klar gewonnen haben", sagte der 24-Jährige mit ruhiger Stimme zu SPORT1.
"Dass ich jetzt auch meine Leistung abgerufen habe, freut mich auch sehr", ergänzte Schmelzer beinahe schüchtern.
In seinen vorherigen Länderspieleinsätzen hatte die Leistung des Linksverteidigers nie im Mittelpunkt des Interesses gestanden.
Nach seinem 10. Länderspiel war es anders.
Löw relativiert seine Kritik
Dies hatte seine Ursache in der Kritik von Bundestrainer Joachim Löw, der am Vortag des Spiels erklärt hatte, man müsse mangels Alternativen die nächsten Monate mit Schmelzer auf der linken Abwehrseite weitermachen.
Er könne sich schliesslich "keinen Verteidiger schnitzen".
Zwar relativierte Löw seine Aussagen am Freitagabend, er sei "da etwas falsch verstanden worden" und er habe Schmelzer "gesagt, dass wir ihm weiterhin vertrauen".
Doch vor dem Spiel hatte es bereits einen Aufschrei aus Dortmund gegeben.
Aufregung in Dortmund
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte sich telefonisch beim DFB-Team über den Umgang mit seinem Spieler beschwert.
"Ich fand die Kritik komplett kontraproduktiv. Ich habe mich darüber geärgert und habe diesem Ärger auch Ausdruck verliehen", sagte Watzke den "Ruhr Nachrichten".
Auch Borussias Trainer Jürgen Klopp hatte seinen Unmut deutlich geäussert. Für den Betroffenen ein wichtiges Zeichen im Umgang mit einer aussergewöhnlichen Situation.
Schmelzer dankbar für Unterstützung
"Es war das erste Mal, dass so etwas passiert ist, aber ich habe vor dem Spiel sehr viel Unterstützung von Freunden und Mannschaftskollegen aus Dortmund bekommen", sagte Schmelzer.
"Das hat mir sehr viel Kraft gegeben, um dieses Spiel erfolgreich zu bestreiten."
Auf die Frage, ob ihn die Diskussion um seine Personen zusätzlich motiviert habe, ergänzte er:
"Wenn man meine Leistung und meinen Werdegang bei Borussia Dortmund ansieht, dann sieht man, dass man mich nicht unbedingt anzustacheln braucht. Sondern dass ich in jedes Spiel mit 100 Prozent gehe und immer mein Bestes gebe."
Dennoch sei er auch "der Mannschaft sehr dankbar, die mich 90 Minuten sehr gut unterstützt hat".
Der Wirbel im Vorfeld habe ihn "nicht beeinflusst, ich habe mich auf das Spiel konzentriert".
Seine Teamkollegen halfen ihm, munterten ihn auf mit Applaus, selbst wenn er eine wenig brenzlige Situation nur zu einem Eckball geklärt hatte wie in der 3. Minute.
Beinahe ein Tor erzielt
Doch nachdem sich der erste Schwung der Iren gelegt hatte, wurde Schmelzer sicherer, wagte sich mit nach vorn und bereitete das 1:0 durch Marco Reus (32.) vor.
"Ich wollte den Ball mit der Brust annehmen um dann selbst zu schiessen", erklärte er SPORT1.
"Dann kam einer dazwischen und es war ein kleines Gewusel. Als ich gesehen habe, dass Marco zum Schuss kam, habe ich mich sehr für ihn gefreut."
Der Teamkollege gab das Lob zurück.
"Schmelle ist ein guter Junge"
"Schmelle ist ein sehr guter Junge, für ihn hat es mich ungemein gefreut. Wir stehen alle hinter ihm", sagte Doppel-Torschütze Reus.
"Marcel hat gut gespielt, er hat absolut seine Aufgabe erfüllt", erklärte auch Löw.
Gegenüber dem 2:1 in Österreich, nach dem Schmelzer als Sündenbock ausgemacht worden war, obwohl die gesamte Mannschaft schlecht gespielt hatte, zeigte das DFB-Team in Dublin eine deutliche Steigerung.
"Natürlich haben wir in Österreich nicht gut gespielt, aber wir haben dort gewonnen und wichtige Punkte geholt", erklärte Schmelzer:
"Man sollte nicht alles so schlecht sehen, wenn man nicht jedes Spiel mit vier, fünf oder sechs Toren gewinnt."
Gegen Schweden schliesst sich ein Kreis
Am Dienstag gegen Schweden werden er und seine Abwehrkollegen deutlich mehr Arbeit bekommen - nicht nur wegen Superstar Zlatan Ibrahimovic.
Für Schmelzer schliesst sich in Berlin ein Kreis, denn gegen Schweden absolvierte er im November 2010 sein erstes Länderspiel.
"Ich freue mich darauf, genau wie auf andere Spiele auch", meinte er. "Wir werden versuchen, die nächsten drei Punkte zu holen und unsere Position zu stärken."
Und auch seine eigene.











