Richtige Antwort dank alter Stärken
Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch
Dublin - In den Katakomben des Dubliner Stadions wurde Toni Kroos mehr Durchsetzungskraft abverlangt als zuvor auf dem Spielfeld von harmlosen Iren. (Spielbericht)
Jetzt wurde er bedrängt, ja geradezu umzingelt.
Vor ihm ein Haufen Journalisten, hinter ihm ein irischer Ordner, der seinen Job besonders ernst nahm und den Münchner in seinem Übereifer sogar leicht anrempelte.
Doch er liess sich nichts anmerken und beantwortete gut gelaunt die Fragen zum 6:1 (2:0)-Sieg der deutschen Nationalmannschaft, zu dem er selbst zwei Tore beigesteuert hatte.
Irland nicht der Massstab
"Wir wussten, dass wir besser spielen können als in Österreich, und ich glaube, wir haben heute ganz gut reagiert", meinte Kroos.
Nach dem glanzlosen 3:0 zum Auftakt gegen die Färöer und dem glücklichen 2:1 in Österreich war der Kantersieg gegen die Iren die richtige Antwort auf die Kritik und Diskussionen der vergangenen Wochen und ein wichtiger Schritt.
Nicht mehr und nicht weniger.
"Irland darf nicht der Massstab sein. Wir haben gut ausgesehen, aber gegen Schweden wird deutlich schwieriger", betonte Kroos, der zur zweiten Halbzeit für Sami Khedira gekommen war.
Khedira für Schweden-Spiel fraglich
Khediras Einsatz am Dienstag gegen Schweden ist wegen einer Oberschenkelverletzung fraglich, während der am Freitag geschonte Mario Götze wieder fit ist.
Mit einem Sieg gegen die Skandinavier könnte die DFB-Auswahl auf dem Weg zur WM fast schon die halbe Miete einfahren.
"Jetzt das Spiel gegen Schweden zu gewinnen und das Pflichtspieljahr mit zwölf Punkten abzuschliessen, wäre klasse", sagte Bundestrainer Joachim Löw.
Löw lobt schnelles Umschalten
Die Mannschaft sei "von Beginn an konzentriert zu Werke gegangen", was auch schon die ganze Woche im Training spürbar gewesen sei.
"Wenn wir den Ball gewonnen hatten, haben wir schnell nach vorn gespielt und die richtige Balance gefunden. Und wir waren in der Defensive viel besser organisiert als in den vergangenen Spielen", analysierte Löw.
Reus bringt das Team auf die Siegerstrasse
Der stark aufspielende Marco Reus hatte das DFB-Team mit seinen Treffern in der 32. und 40. Minute selbst auf die Siegerstrasse gebracht.
Zwei Minuten vor dem 1:0 war der Dortmunder von Irlands Verteidiger John O'Shea im Strafraum gefoult worden.
Doch anstelle des fälligen Elfmeters sah er die Gelbe Karte, Schiedsrichter Nicola Rizzoli aus Italien hatte eine Schwalbe gesehen.
Danach pfiffen die irischen Fans Reus bei jedem Ballkontakt aus, doch er antwortete mit zwei Toren - seinem ersten Doppelpack in der Nationalmannschaft.
"Das war wieder der Fussball, den man von Deutschland kennt", meinte der Dortmunder.
Mertesacker: "Hatten eine gute Struktur"
Nach dem 2:0 war das Spiel entschieden, zu schwach waren die Iren und zu überlegen die deutsche Auswahl.
"Wir hatten eine sehr gute Struktur in unserem Spiel, haben zu unseren Stärken zurückgefunden und einen wichtigen Sieg gefeiert", sagte Per Mertesacker zu SPORT1.
Bis auf kleine Probleme in den Anfangsphasen beider Halbzeiten hatte die Abwehr keine Probleme.
Schmelzer "glücklich und dankbar"
Auch Linksverteidiger Marcel Schmelzer zeigte sich unbeeindruckt vom Wirbel im Vorfeld, den Löw mit kritischen Worten über seine schwache Leistung in Österreich entfacht hatte, spielte sicher und bereitete das 1:0 vor.
"Natürlich bin ich sehr glücklich, dass wir so klar gewonnen haben und dass ich jetzt auch meine Leistung abgerufen habe", sagte Schmelzer zu SPORT1.
"Ich bin der Mannschaft sehr dankbar, die mich über 90 Minuten sehr gut unterstützt hat."
Neben Kroos und Reus trugen sich auch Mesut Özil, der in der 54. Minute einen Foulelfmeter verwandelte, und Miroslav Klose in die Torschützenliste ein.
Klose verkürzt Rückstand auf Müller
Für Klose war es in seinem 125. Länderspiel sein 65. Treffer. Drei fehlen ihm jetzt noch zu Gerd Müllers Rekord.
"Wenn wir uns richtig auf das Spiel vorbereiten und den Ball wie heute laufen lassen, kommt dann auch so ein Ergebnis raus", lobte der Stürmer das Auftreten der Mannschaft.
Schweinsteiger meldet sich zurück
So sah es auch Bastian Schweinsteiger, der neben den beiden Doppel-Torschützen hervorstach: "Jeder hat einen guten Job gemacht."
Der Münchner, der in Vertretung des gesperrten Philipp Lahm die Kapitänsbinde trug, führte die Mannschaft, war an zwei Toren beteiligt und ein souveräner Taktgeber.
Doch auch nach dem Abpfiff blieb bei Schweinsteiger bei seinen kritischen Äusserungen zum Teamgeist während der EM.
"Ich denke, dass wir insgesamt auf einem sehr guten Weg sind. Aber was ich sagen möchte: Wir müssen noch den einen Schritt mehr noch gehen, um Titel zu gewinnen", erklärte er.
Am Dienstag gegen Schweden kann die DFB-Auswahl zumindest einen ganz grossen Schritt in Richtung WM machen.
SPORT1











