Aufrappel-Befehl nach dem Nackenschlag
Aus Leverkusen berichtet Thorsten Langenbahn
Leverkusen - Lewis Holtby konnte doch noch lächeln.
"Das ist das Schönste, was ich in der letzten halben Stunde gehört habe", sagte der U-21-Kapitän über die Nachricht, dass der Hoffenheimer Kollege Boris Vukcevic ausser Lebensgefahr ist.
Schon vor dem Spiel hatte die deutsche Auswahl ein Zeichen gesetzt und sich komplett in Trikots mit Vukcevics Nummer 7 warmgemacht.
Hinterher hellte die gute Neuigkeit die Stimmung nach dem 1:1 im EM-Playoff-Hinspiel gegen die Schweiz auf - das vor allem wegen des späten Gegentors ein Nackenschlag war.
Beister: "Es ist noch alles drin"
"Wir müssen das 1:0 gegen zehn Mann über die Zeit bringen. Natürlich ist die Enttäuschung gross", sagte Maximilian Beister, der noch zu den Besten gehörte.
"Das ist kein optimales Ergebnis", haderte der HSV-Angreifer: "Aber es ist noch alles drin."
Sebastian Rudy hatte die Deutschen mit seinem verwandelten Elfmeter nach Foul am eingewechselten Sebastian Polter in der 82. Minute in Führung gebracht. Fünf Minuten später kassierte die DFB-Auswahl den Ausgleich.
Holtby zögerlich im Zweikampf
Holtby hatte zuvor einen Zweikampf auf der linken Aussenbahn verloren, zog gegen Pajtim Kasami zurück, um keine Gelbe Karte und damit eine Sperre fürs Rückspiel am Dienstag in Luzern zu riskieren.
Der Schweizer flankte schliesslich ungehindert - in der Mitte köpfte der eingewechselte Josip Drmic den Ausgleich.
"Vielleicht kann ich ihn da noch ein bisschen kommen lassen", haderte Holtby hinterher. Kurz danach versemmelte er vor dem Schweizer Tor noch eine gute Möglichkeit.
"Es tut mir leid für die Mannschaft, dass wir uns nicht belohnt haben", meinte der Spielführer.
"Keine Hammerwerfertruppe"
Auch Borussia Dortmunds Moritz Leitner konnte gemeinsam mit Holtby im Mittelfeld diesmal nicht die erhofften Impulse setzen.
"Wir haben einfach nicht zielstrebig nach vorne gespielt. Von Kreativposten wie Lewis und mir muss man einfach mehr erwarten", sagte Leitner zu SPORT1.
"Wir sind nicht mit den Köpfen am Boden", stellte Holtby allerdings fest und verwies auch auf die Stärke der Schweizer.
"Das ist keine Hammerwerfertruppe", sagte der Spielmacher, der nicht an seine starken Leistungen in der Gruppenphase der EM-Qualifikation anknüpfen konnte.
Zahlreiche Chancen ausgelassen
Um im nächsten Jahr bei der EM-Endrunde in Israel dabei zu sein, bedarf es speziell im Abschluss grösserer Treffsicherheit als vor lediglich 7382 Zuschauern in der BayArena gezeigt.
Chancen dazu waren reichlich vorhanden. Aber Peniel Mlapa, Beister oder Holtby verpassten eine vorzeitige Entscheidung.
"Ich bin davon überzeugt, dass wir auch in der Schweiz Tore schiessen können", sagte der U-21-Coach Adrion.
Leno fordert Offensive
"Auf dieser Leistung können wir aufbauen. Aber wir haben gesehen, wie gefährlich die Schweizer sein können", sagte Torhüter Bernd Leno nach seinem Heimspiel in Leverkusen.
Mit einer Doppelparade in der 56. Minute hatte er seine Mannschaft vor einem Rückstand bewahrt.
"Im Rückspiel dürfen wir uns diese Fehler nicht erlauben. Auswärts müssen wir versuchen, ein Tor zu machen und in Führung zu gehen", forderte Leno.
Zum Kombinationsspiel zurückfinden
Der Keeper ist sich "immer noch ziemlich sicher, dass wir es trotzdem zur Endrunde schaffen, weil wir noch nicht alles gezeigt haben, was wir können".
Das galt vor allem für die Chancenverwertung und das sonst so sichere Kombinationsspiel.
"Wir haben in den ersten 20 Minuten nicht so mutig gespielt wie in der zweiten Halbzeit. Da haben wir mehr vertikale Pässe und diagonal flach gespielt und uns so mehr Räume geschaffen", sagte Holtby.
Der Antreiber ist sich sicher: "Wir werden uns wieder aufrappeln und in Luzern alles geben."
Kirchhoff fehlt gelbgesperrt
Beim Vize-Europameister wollen Adrions Adlerträger den Schweizer Abwehrriegel nicht nur durch eine Standardsituation knacken.
Die deutschen Junioren stehen nun gegen taktisch clevere Schweizer in Luzern unter Druck.
Dazu fehlt Abwehrchef Jan Kirchhoff gelbgesperrt, Leistungsträger Sebastian Rode wird nach seiner Mandelentzündung wohl nicht rechtzeitig fit.
Die Schweizer stapeln trotzdem tief. "Wir gehen auch ins Heimspiel nicht als Favorit", meinte ihr Trainer Pierluigi Tami.
SPORT1











