''Bader muss mir nicht immer zur Seite springen''
Von Reinhard Franke
München - Es ist gerade mal drei Wochen her, da träumten sie im Frankenland von der Tabellenspitze.
Doch mit dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt (1:2) begann die Krise beim 1. FC Nürnberg.
Nach der zu Saisonbeginn mit sieben Punkten aus drei Spielen entfachten Euphorie ist Tristesse eingekehrt.
Vier Niederlagen am Stück - die Stimmung rund um den Valznerweiher ist gefährlich, schwankt zwischen Entsetzen und Angst.
Dabei ist nicht alles schlecht.
Nur Finanzen sorgen für Beruhigung
Stolze vier Millionen Euro Gewinn aus dem Geschäftsjahr 2011/12 verzeichnete der Verein in dieser Woche, die Schulden sind damit innerhalb von nur zwei Jahren von 10,6 auf überschaubare 2,3 Millionen Euro gesunken.
Doch die sportliche Bilanz lässt die Bosse zusammenzucken. Vor dem Heimspiel gegen Augsburg ist man zwar bemüht, keine Panik aufkommen zu lassen, doch die Sorgenfalten bei Trainer Dieter Hecking und Manager Martin Bader bleiben.
"Wir können die vier Niederlagen nicht wegreden, wobei Frankfurt noch ein gutes Spiel war. Die Leistungen gegen Hannover und Stuttgart waren nicht gut", sagt Hecking im Gespräch mit SPORT1.
"Zuletzt hat die mannschaftliche Geschlossenheit auf dem Platz gefehlt. Wir müssen das schnellstmöglich wieder hinkriegen."
Kompaktheit als wichtiges Ziel
Für Hecking ist es wichtig, "diese Kompaktheit zu erlangen, die wir am Anfang der Saison hatten. Daran müssen wir hauptsächlich arbeiten."
Das ist leichter gesagt als getan. Ausgerechnet jetzt grätscht nämlich die Länderspielpause dazwischen.
Neun Spieler sind mit ihren Nationalmannschafts unterwegs, der Rest arbeitet mit Hecking die Defizite auf, versucht dies zumindest, so gut es geht.
Zuletzt kamen zu den negativen Ergebnissen auf dem Platz auch atmosphärische Störungen innerhalb des Teams hinzu.
Das weiss Hecking, will dies aber nicht überbewerten.
Aussendarstellung mit Schwächen
"Das kommt überall vor, in Hoffenheim gab es auch eine Schlägerei (Sven Schipplock gab Patrick Ochs eine Ohrfeige, Anm. d. Red.), so weit sind wir noch nicht, dass sich die Spieler an die Gurgel gehen", sagt der 48-jährige Fussballehrer.
Zuletzt war Hecking allerdings überhaupt nicht mit der Aussendarstellung zufrieden.
Er weiss warum: "Es sind ein paar Sachen passiert, die so nicht passieren sollten, die wir auch kritisiert haben. Wir werden das noch mal thematisieren, wenn alle wieder da sind und dann den Fokus auf die nächsten Spiele legen."
Und Hecking fügt hinzu: "Der eine oder andere kriegt noch mal eine deutliche Ansage, aber sich damit aufzuhalten lohnt nicht."
Komplimente vom Manager
In diesen schwierigen Tagen kann sich Hecking zumindest der 100-prozentige Unterstützung von Martin Bader sicher sein, der im "kicker" über den Chefcoach sagte: "Es zeichnet ihn als sehr, sehr guten Trainer aus, in schwierigen Phasen um die Ecke zu denken, zuzuhören und die nötigen Gespräche zu führen."
Für Bader hat es "Dieter bisher immer hinbekommen."
Schöne Worte, gewiss, die Hecking auch gerne hört, die ihn aber nicht unbedingt glücklicher machen.
"Ich bin fast schon eine Ewigkeit in Nürnberg, da muss mir Martin Bader nicht immer zur Seite springen. Es reicht doch, dass wir ein gutes Innenverhältnis haben und wissen, wie wir miteinander arbeiten müssen."
"Martin muss mir nicht den Rücken stärken"
Klingt da etwas Kritik durch für das Lob vom Manager?
"Ich rechne das Martin hoch an, aber er muss mir nicht den Rücken stärken", betont Hecking erneut.
Und weiter: "Wir dürfen uns nicht immer von aussen aufdiktieren lassen, was falsch oder richtig ist. In der Vergangenheit haben wir viele gute Entscheidungen getroffen, jetzt haben wir eine Phase, in der nicht alles gut läuft."
Hecking schaut zur Konkurrenz nach Hoffenheim und Hamburg, die ihre Krisen überwunden haben. "Das zeigt, dass man Ruhe bewahren muss, auch wenn mal Gegenwind da ist."
Hecking gesteht Fehler ein
Hecking übt in der aktuellen Situation aber auch Selbstkritik, sprach zuletzt von einem Weg, von dem man abgekommen sei.
"Jeder Trainer ist selbstkritisch, ich habe nach den ersten vier Spielen gesagt, dass wir uns nicht von den Erfolgen einlullen lassen dürfen."
Ein Fehler sei es gewesen, dass er die Mannschaft nach der Klatsche in Hannover zwei Tage in Ruhe gelassen habe.
"Da hätte ich das Gespräch suchen müssen, aber ich war zu angefressen." Ein weiterer Fehler sei es gewesen, einen Alexander Esswein "öffentlich abzuwatschen".
Die Wende zum Guten
Hecking ist jedoch fest davon überzeugt, dass er mit dem Club die Wende zum Guten schafft: "Weil wir uns nicht von dem beeinflussen lassen, was von aussen hinterfragt wird."
Tief betroffen soll er gewesen sein, schrieb der "kicker". Das sei "aus dem Zusammenhang gegriffen", meint Hecking.
"Es macht mich betroffen, wenn ich lese, dass alles, was bisher gut war, innerhalb von einer Woche falsch sein soll. Wie das gehen soll, das muss mir einer zeigen."



















