Funk und Co.: Siegen für Boris
Von Thorsten Langenbahn
Bergisch Gladbach - Er ist der einzige Zweitligaprofi in der deutschen U-21-Nationalmannschaft: Patrick Funk vom FC St. Pauli hat sich dennoch durchgesetzt.
Bis zum Sommer 2013 ist der defensive Mittelfeldspieler noch vom VfB Stuttgart an die Hamburger ausgeliehen.
Mit 13 Einsätzen zählt Funk zu den erfahreneren Akteuren im Team von Trainer Rainer Adrion.
Die Playoffs gegen die Schweiz in Leverkusen (ab 17.45 Uhr im LIVE-TICKER) und am nächsten Dienstag in Luzern sind aber nicht nur aus sportlicher Sicht eine Herausforderung für Funk.
"In Gedanken bei ihm und seiner Familie"
Der 22-Jährige muss in diesen Tagen ohne seinen sonstigen DFB-Zimmerkollegen auskommen: Boris Vukcevic.
Der Mittelfeldspieler von 1899 Hoffenheim liegt seit einem schweren Autounfall vor knapp zwei Wochen im Koma.
Eine Unterzuckerung führte offenbar zu dem schweren Verkehrsunfall (NEWS: Unterzuckerung wohl schuld an Vukcevics Unfall).
"Ich bin tagtäglich in Gedanken bei ihm und seiner Familie", sagt Funk. Die beiden Auswahlspieler aus dem 90er-Jahrgang kennen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten in Stuttgart.
Tattoo mit "Bless my family"
Die Qualifikation für die Europameisterschaft 2013 in Israel wollen die U-21-Akteure ihrem Mitspieler widmen.
"Wir werden vor allem für Boris spielen", sagt Funk, der selbst ein grosser Familienmensch ist.
Auf seinem linken Schulterblatt hat er seit der Sommerpause ein Tattoo mit dem Spruch "Bless my family" ("Segne meine Familie").
"Dazu die Geburtsdaten meiner ganzen Familie, von Vater und Mutter bis hin zu Schwester und Bruder, darüber eine schützende Hand", sagt der gebürtige Schwabe.
"Jetzt geht's ans Eingemachte"
Unter der schützenden Hand von Trainer Rainer Adrion soll die EM-Mission auch gegen den Vize-Europameister nicht gestoppt werden.
Ohne Niederlage in der Gruppenphase erreichte die U 21 die Entscheidungsspiele, doch in der Favoritenrolle sind die Deutschen deshalb nicht.
Neben einigen U-17-Weltmeistern von 2009 haben die Eidgenossen noch Spieler im Kader, die voriges Jahr im Finale der U-21-EM in Dänemark standen.
"Mit der Schweiz haben wir einen dicken Brocken erwischt. Jetzt geht's ans Eingemachte", weiss Funk.
Vor der Abreise noch Frontzecks Antrittsrede
Bei St. Pauli verpasst er die ersten Tage unter seinem neuen Trainer Michael Frontzeck.
Die Vorstellung des früheren Stuttgart-Verteidigers hat Funk vor seiner Abreise zur Länderspielvorbereitung in Bergisch Gladbach aber noch mitbekommen.
"Der erste Eindruck war sehr gut. Ich bin optimistisch, dass er der Richtige ist, um uns weiterzubringen", sagt der defensive Mittelfeldmann über Frontzeck.
Sich auf der Sechserposition gegen die zahlreichen Bundesliga-Konkurrenten in der U 21 durchzusetzen, ist für den Kiezkicker nicht immer einfach.
Mit Toni Kroos Dritter bei U-17-WM
Doch die Ansage an den Auswahltrainer ist deutlich: "Wenn Rainer Adrion auf der Sechs jemanden braucht, kann er sich auf mich verlassen."
"Wenn es brennt, bin ich da", sagt Funk, der von der U 15 an alle deutschen Junioren-Nationalmannschaften durchlaufen hat.
Sein bislang grösster Erfolg: Der dritte Platz bei der U-17-WM 2007 in Südkorea an der Seite von Bayerns Toni Kroos und Hannovers Konstantin Rausch.
Am 29. Februar dieses Jahres sicherte Funk der U 21 mit seinem 1:0-Siegtreffer gegen Griechenland den vorzeitigen Einzug in die jetzigen Playoffs.
"Auf der internationalen Ebene war es mein wichtigstes Tor. Allzu viele schiesse ich ja nicht", sagt Funk und lacht.
Kapitän Holtby: "Und alles wäre gut"
Möglichst bald wollen die U-21-Spieler wieder gemeinsam mit Boris Vukcevic lachen.
"Das Schönste wäre doch", sagt Kapitän Lewis Holtby, "Boris wacht auf, und wir haben für ihn die Qualifikation geschafft. Und alles wäre gut."
Funk und Co. wollen schon vor dem Match ein Zeichen für ihren lebensgefährlich verletzten Mitspieler setzen.
Aufwärmen im Vukcevic-Trikot
In der BayArena werden die deutschen Talente beim Aufwärmen alle Vukcevics Trikot mit der Nummer 7 tragen. "Die Spieler sind mit ihren Gedanken bei Boris", weiss auch Coach Adrion.
Für Funk stehen die Einsatzchancen nach der Absage von Frankfurts Sebastian Rode (Mandelentzündung) gut, um für seinen Zimmernachbarn die EM-Endrunde klarzumachen.
Funk sagt: "Wir haben eine sehr gute Mannschaft mit viel Qualität. Ich bin zuversichtlich, dass wir gegen die Schweiz bestehen werden."
Die Gedanken an seinen Zimmerkollegen spornen ihn dabei noch zusätzlich an.
SPORT1











