Spezialisten sind Mangelware
Vom DFB-Team berichtet Thorsten Mesch
Dublin - Joachim Löw hat ein Problem.
Für das WM-Qualifikationsspiel gegen Irland hat der Bundestrainer nur einen gelernten Aussenverteidiger in seinem Kader.
Und ausgerechnet den stellte Löw am Donnerstag in Dublin vor der versammelten Journalistenschar ins Achtung.
"Er hat gegen Österreich kein gutes Spiel gemacht", sagte Löw über Marcel Schmelzers Leistung beim glücklichen 2:1-Sieg in Wien im September.
Mangels anderer Kandidaten werde der Dortmunder jedoch weiter seine Chance bekommen. Auf Probe gewissermassen.
Nicht viele Optionen
"Viele Alternativen gibt es jetzt auch nicht, also müssen wir mit Schmelzer die nächsten zwei, drei, vier fünf Monate weiterarbeiten, das werden wir auch, und Alternativen schaffen", schob Löw in ungewohnter Schärfe hinterher.
Heisst: Schmelzer spielt auf Bewährung und könnte sich schnell auf der Bank wiederfinden, wenn er nicht bald im Nationalmannschaft an seine guten Leistungen beim Deutschen Meister anknüpft.
Löw hatte vor dem Testspiel gegen Argentinien im August eine Einsatzgarantie für Schmelzer ausgesprochen. Als der sich jedoch im Training verletzte, musste Holger Badstuber auf der linken Abwehrseite aushelfen.
Beim 3:0 gegen die Färöer vertrat der Münchner den Borussen, beim FC Bayern ersetzt er immer noch David Alaba. Doch für Löw ist er nur eine Notlösung auf links.
Badstuber auf Dauer keine Alternative
Bei der WM 2010 brach der Bundestrainer mit Badstuber als Linksverteidiger nach zwei Spielen ab.
Badstuber habe nicht die Offensivkraft wie Schmelzer, erklärt der Bundestrainer in dieser Woche: "Dauerhaft sehe ich Holger in der Innenverteidigung."
Gegen Irland - und wohl auch gegen Schweden - wird Badstuber im Abwehrzentrum neben Per Mertesacker spielen, der den ebenfalls verletzten Mats Hummels ersetzt.
"Die Veränderungen spielen für mich nicht die ganz entscheidende Rolle", meinte Löw.
In der Mitte hat er genug Alternativen, auf den Aussenpositionen der Viererkette herrscht jedoch Mangelware.
Nur Lahm gesetzt
In seinen sechs Jahren als Bundestrainer hat er insgesamt 23 Spieler auf links oder rechts eingesetzt. Internationale Klasse - und das auf beiden Seiten - ist aber nur Philipp Lahm.
Der Kapitän ist aber gegen Irland wegen seiner Gelben Karten aus den ersten beiden Spielen gesperrt.
"Wir haben da einfach nicht die Masse an Spielern, die wir uns wünschen", meinte Löws Assistent Hansi Flick am Mittwoch.
"Wir können uns ja keinen schnitzen", wurde Löw am Donnerstag deutlicher.
Bender fehlt verletzt
Er muss aber nicht nur auf Lahm verzichten, sondern auch auf Lars Bender, der die beiden Spiele gegen Irland und am Dienstag gegen Schweden verletzungsbedingt verpasst.
Der Bundestrainer muss improvisieren, er hat gegen Irland für die rechte Abwehrseite keinen Fachmann.
Der Schalker Benedikt Höwedes oder Lahms Münchner Kollege Jerome Boateng haben zwar im Nationalteam und in ihren Vereinen schon häufig rechts hinten gespielt, beide sind aber gelernte Innenverteidiger.
Rückkehrer Heiko Westermann ist eher im Zentrum oder defensiven Mittelfeld zu Hause.
Boateng darf wohl ran
Wahrscheinlich wird Löws Wahl auf Boateng fallen.
Die Leistung des Münchners im EM-Vorrundenspiel gegen Portugal, als er Cristiano Ronaldo zumeist sehr gut im Griff hatte, macht Mut, dass die rechte Abwehrseite gegen die Iren nicht die Problemzone im DFB-Team sein wird.
Im Training lag der Fokus auf der Defensivarbeit der gesamten Mannschaft. "Wir haben an den Basics gearbeitet, weil wir gesehen haben, dass wir zuletzt nicht immer optimal standen", erklärte Flick.
Die Probleme, die das DFB-Team nicht in Österreich in der Rückwärtsbewegung im Allgemeinen und in der Abwehr im Speziellen hatte, haben natürlich auch die Iren in ihrer Spielvorbereitung erkannt.
Iren wollen Druck machen
"Die Abwehr scheint der Mannschaftsteil zu sein, in dem sie nicht ganz so stark sind. Wenn wir ihre Abwehr unter Druck setzen, ist es möglich, ihnen Probleme zu bereiten", glaubt Irlands Co-Trainer Marco Tardelli.
Wie man einer deutschen Abwehr Probleme bereitet, weiss der Assistent von Giovanni Trapattoni aus eigener Erfahrung. Im Endspiel der WM 1982 erzielte Tardelli ein Tor zum 3:1-Sieg gegen Deutschland.
Zwar müssen Tardelli und Trapattoni gegen Deutschland auf Irlands verletzten Rekordtorschützen Robbie Keane verzichten, doch die "Boys in Green" werden der DFB-Abwehr mit leidenschaftlichem Kampf auf eine weitere Bewährungsprobe stellen.
"Einige Spieler müssen sich international erst noch an die Schnelligkeit, die Dynamik und den Druck gewöhnen", sagte Löw.
Gemeint war vor allem Marcel Schmelzer.











