Ruhepol im Dortmunder Spektakel
Von Julian Buhl
München - Roman Weidenfeller steht bei Borussia Dortmund momentan deutlich mehr im Mittelpunkt, als es einem Torhüter für gewöhnlich lieb ist.
Die Abwehr des Doublegewinners strahlt derzeit nicht die Kompaktheit der vergangenen Saison aus und gibt ihrem Schlussmann in der laufenden Spielzeit deutlich häufiger Möglichkeit, sich auszuzeichnen.
"Er hat uns mit Weltklasse-Paraden dreimal im Spiel gehalten", sagte Trainer Jürgen Klopp beispielsweise nach dem Champions-League-Spiel gegen Ajax Amsterdam (1:0).
Auch beim Duell mit Manchester City (1:1) in der Königsklasse stand der Keeper stark im Fokus.
Weidenfeller mehr gefordert
"Vielleicht gab es in den anderen Partien nicht so viele Möglichkeiten sich auszuzeichnen", räumte Weidenfeller gegenüber der "Sportbild" ein, "oder es gab brenzlige Situationen in der Anfangsphase eines Spieles, die ich gemeistert habe, von denen später niemand mehr geredet hat - weil die Spielergebnisse so spektakulär waren."
Spektakulär sind die Partien mit Dortmunder Beteiligung nach wie vor - jedoch nicht immer auch mit positivem Ausgang für den BVB.
Die Auftritte der Borussia schwanken in dieser Saison von souverän, wie beim 5:0-Heimsieg gegen Mönchengladbach, bis enttäuschend.
Ärger über Torspektakel
"Nach den Spielen in Hamburg (2:3, d. Red.) und Frankfurt (3:3, d. Red.) habe ich die Torwarthandschuhe weggefeuert. Es macht keinen Spass, so viele Bälle aus dem Netz zu holen", sagt Weidenfeller.
Daran, dass das nicht noch häufiger als bei den bisher zehn Pflichtspielgegentreffern der Fall war, trägt er entscheidenden Anteil.
Mit seiner bisher gezeigten Leistung ist Weidenfeller "sehr zufrieden und fühle mich im Moment sehr wohl. Von daher hoffe ich, diese Form mitzunehmen und damit meiner Mannschaft zu helfen."
Wertschätzung für Weidenfeller
Weidenfeller geniesst momentan auch in der öffentlichen Wahrnehmung mehr und mehr Wertschätzung. In der Vergangenheit wurde die Rolle des Keepers häufig noch vom Dortmunder Offensivspektakel überstrahlt.
In der momentanen Phase ist der 32-Jährige offenbar genau jener erfahrene Rückhalt, den die junge Dortmunder Mannschaft zu brauchen scheint.
Dennoch hat der BVB nach sieben Bundesliga-Spieltagen bereits neun Punkte Rückstand auf Tabellenführer Bayern München.
Tabelle nur Momentaufnahme
Weidenfeller hält das allerdings nur für "eine Momentaufnahme, die uns nicht nervös macht". Er verweist zurecht darauf, dass die Meisterschale nicht bereits nach sieben Spieltagen vergeben wird.
Die Parallele zum Vorjahr, in dem die Dortmunder zum gleichen Zeitpunkt sogar zwei Zähler weniger auf ihrem Konto hatten, dürfte dem BVB zusätzlich Mut machen. "Von daher können wir in aller Ruhe weiterarbeiten", sagt Weidenfeller.
"Den Aufwand, den wir auf dem Platz betreiben, haben wir häufig nicht in Punkte umgesetzt", hat dennoch auch er als grosses Manko ausgemacht.
Derby als Schlüsselerlebnis
Auch deshalb hofft der Torhüter im nun anstehende Revierderby gegen Schalke auf ein Schlüsselerlebnis:
"Derbysiege sind immer etwas Besonderes. Die tragen auch über die Saison hinweg. Aus diesem Spiel wollen wir den Fahrtwind mitnehmen."
Die Königsblauen seien allerdings nicht zu unterschätzen. "Schalke hat in vielen Dingen aufgeholt, das zeigt schon ein Blick auf die Tabelle. Die Blauen werden bis zum Schluss oben dabeibleiben."
Schalke liegt derzeit mit 14 Punkten auf Platz drei, zwei Zähler und einen Platz vor dem BVB. Geht es nach Weidenfeller, soll sicher auch dieser Zustand bloss eine Momentaufnahme bleiben.
SPORT1



















