''Für mich sind das Ausreden''
Von Thorsten Langenbahn
Gelsenkirchen - Es sieht düster aus für den VfL Wolfsburg: Zwei Tore aus sieben Spielen, mickrige fünf Punkte, Abstiegsplatz 17.
Auch beim 0:3 gegen Schalke war der Auftritt der "Wölfe" nicht besonders bissig.
Mutlos ergaben sich die Grün-Weissen nach dem 0:2 direkt nach der Pause in ihr Schicksal.
Im SPORT1-Interview spricht Diego Benaglio, Torhüter und Kapitän des VfL, über Wolfsburgs Absturz auf Platz 17, Wege aus der Krise und das Verhältnis zu VfL-Trainer Felix Magath.
SPORT1: Herr Benaglio, müssen nach der kläglichen Bilanz von zwei Toren und fünf Punkten aus sieben Spielen beim VfL Wolfsburg härtere Töne angeschlagen werden?
Diego Benaglio: Das machen wir ja. Wir sprechen die Dinge schon an, die verkehrt laufen. Sonst würden wir uns ja selber belügen. Das ist sicherlich nicht der Fall. Wir müssen uns alle gemeinsam aus dieser Situation herausziehen. Aber auch in schwierigen Situationen darf man nie den Kopf runternehmen oder aufgeben, es geht immer weiter.
Der Auftritt gegen Schalke wirkte ziemlich leblos und mutlos. Wie erklären Sie sich diese Leistung?
In der ersten Halbzeit waren wir meiner Meinung nach fast auf Augenhöhe mit den Schalkern. Klar, waren wir in einer Situation nicht aufmerksam genug, die dann direkt zum Gegentor führt. Trotzdem war nach der ersten Hälfte noch nichts verloren. Dass wir unmittelbar nach dem Wiederanpfiff das zweite Tor bekommen, das hat uns aus dem Spiel gebracht. Danach ist es uns nicht mehr gelungen, den Spielfluss der Schalker zu unterbrechen.
Was ist spielerisch das Hauptproblem?
Schwer zu sagen. Wir haben immer wieder Ballverluste drin, die uns dann das Leben selber schwer machen. Letztendlich passt das zu unserer Phase im Moment. Wenn wir ein Gegentor fangen, tun wir uns momentan schwer. Dass wir seit längerer Zeit kein Tor mehr geschossen haben, nagt auch am Selbstvertrauen. Aber jammern hilft nichts. Wir müssen schnellstmöglich als Mannschaft gemeinsam aus dieser Situation rauskommen.
Der VfL hat noch kein einziges Mal mit derselben Startelf gespielt. Sind die vielen Umstellungen auch ein Problem?
Das denke ich nicht. Für mich sind das Ausreden. Wir sind mit dem Kader seit Beginn der Vorbereitung zusammen und wir haben genügend Zeit gehabt, um uns zu finden. Am Ende der Vorbereitung waren wir auf einem richtig guten Weg. Durch einige Negativerlebnisse haben wir dann den Faden verloren.
Haben Sie die Befürchtung, in eine Abwärtsspirale zu geraten?
Klar müssen wir zusehen, dass wir so schnell wie möglich zu diesen Erfolgserlebnissen kommen. Trotz allem sind wir erst am siebten Spieltag. Die Saison ist also noch lang.
Die Methoden von Felix Magath wurden zuletzt scharf kritisiert. Stimmt es noch zwischen Mannschaft und Trainer?
Definitiv.
Warum können auch gerade Führungsspieler wie Naldo oder Ivica Olic zurzeit ihre Leistung nicht abrufen?
Es ist immer schwierig, wenn man insgesamt als Mannschaft nicht das auf den Platz bringt, was eigentlich in uns steckt. Dann lässt sich meistens der ein oder andere davon anstecken - das ist ganz normal. Trotz allem: Wenn es nicht ganz rund läuft, sind die erfahreneren Spieler besonders gefragt. Sie müssen den jungen unter die Arme greifen. Aber wie gesagt: Wir sitzen alle im selben Boot und kommen aus dieser Situation nur gemeinsam raus.
Was macht Ihnen zurzeit Hoffnung?
Ich bin überzeugt von dem, was ich im Training sehe, was in dieser Mannschaft steckt. Ich bin auch überzeugt, dass es wenig braucht, um wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Wir sind nah dran. Wir brauchen mehr Selbstvertrauen, ein bisschen mehr Mut, aber das kommt nur durch Erfolgserlebnisse. Die müssen wir uns erarbeiten.
Erlaubt es sich angesichts des vorletzten Tabellenplatzes überhaupt, vom eigentlichen Ziel, dem Erreichen des internationalen Wettbewerbs, zu reden?
Das brauchen wir gar nicht. Und es bringt uns in der momentanen Situation auch nichts. Die Tabelle lügt nicht. Das einzige, was uns im Moment zu interessieren hat, ist das nächste Spiel und wie wir da zu Punkten kommen.
Ist die Länderspielpause zu diesem kritischen Zeitpunkt hilfreich, um die Köpfe freizukriegen, oder ist sie eher störend?
Es ist eigentlich immer schlecht, wenn die Mannschaft nicht beisammen ist. Mir wäre es lieber, wir könnten an den Dingen arbeiten und uns da rauskämpfen. Aber der Kalender ist wie er ist, den können wir nicht ändern.
SPORT1



















