Ballacks Ziele: Trainerschein und Abschiedsspiel
München - Abschiede waren bisher nicht die Sache von Michael Ballack.
Bei seinem Wechsel von Bayern München zum FC Chelsea warf ihm der damalige Manager Uli Hoeness Unehrlichkeit vor.
In der Nationalelf wurde der einstige Leitwolf regelrecht weggebissen und seiner Verdienste unwürdig durch die Hintertür verabschiedet.
Seine Karriere beendete er nun nach langem Zaudern vier Monate nach dem Saisonende ganz im Stillen mit einer Mitteilung .
Von den Fans verabschieden
Nun will der "Capitano" zumindest ein Abschiedsspiel, um doch noch im gebührenden Rahmen von der grossen Fussball-Bühne abzutreten .
"Das würde ich mir wünschen", sagte der ehemalige Nationalmannschafts-Kapitän dem "Kölner Express": "Ich möchte mich natürlich gebührend von meinen Fans verabschieden."
Trainerschein in absehbarer Zeit
Auch seine sportliche Zukunft hat der "Capitano" fest im Blick.
"Ich werde in absehbarer Zeit den Trainerschein machen - unabhängig davon, ob ich später auch einmal als Trainer arbeiten werde", verriet er der "Sport Bild".
"Für mich ist interessant, den Fussball von der Trainer-Seite zu sehen, die Ausbildung zu machen. Wann ich damit beginnen werde, ist aber noch offen."
Völler: Ballack wäre ein guter Trainer
Damit folgt Ballack auch einem Rat von Rudi Völler.
Der Sportdirektor von Bayer Leverkusen, der als Teamchef gemeinsam mit Ballack 2002 Vize-Weltmeister geworden war, hatte seinem ehemaligen Schützling ausdrücklich ans Herz gelegt, den Trainerschein zu machen.
"Die Fähigkeit und den Intellekt für den Trainerjob hat er", sagte Völler.
Keine Lust auf Almosen
Deutliche Verbitterung zeigt der 36-Jährige noch über seine Ausbootung aus der Nationalmannschaft, wo ihm ein entsprechender Abschied aus seiner Sicht verwehrt wurde.
"Es wird ja immer suggeriert, dass ich ein Abschiedsspiel abgelehnt hätte. Aber so war es ja nicht. Ich hätte liebend gerne ein Abschiedsspiel gemacht. Ich hätte es mir von DFB-Seite gewünscht. Aber gewisse Personen hatten es für mich nicht vorgesehen. Das muss ich akzeptieren", sagte Ballack.
Und er erklärte noch einmal, wieso er den als inoffiziellen Abschied geplanten Einsatz im Länderspiel gegen Brasilien im August 2011 in Stuttgart ablehnte: "Unter den damals gegebenen Umständen klang das für mich wie ein Almosen. Und das wollte ich nicht."
Klärendes Gespräch mit Löw
Mit Bundestrainer Joachim Löw will der ehemalige England-Legionär des FC Chelsea noch ein klärendes Gespräch über die Umstände seines unfreiwilligen Abschieds führen.
"Wichtig ist, dass wir beide in aller Ruhe mal über das Geschehene sprechen werden, aber es wird keine Geste nur für die Öffentlichkeit geben", erklärte er.
Keine Aussprache mit Lahm
Eine Aussprache mit seinem Nachfolger als Kapitän, Philipp Lahm, will er dagegen nicht suchen.
"Nein. Das braucht's auch nicht", meinte der 98-malige Nationalspieler: "Ich muss jetzt nicht zum Telefonhörer greifen und all diejenigen anrufen, mit denen ich einmal eine Auseinandersetzung in meiner Karriere hatte. Philipp sieht das sicherlich ähnlich."
Dennoch ärgert er sich immer noch über die Aussage Lahms, der nach Ballacks Verletzung kurz vor der WM 2010 während des Turniers dauerhaft die Kapitänsbinde beanspruchte. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass man so etwas nicht macht", meinte Ballack.
Fehlende Motivation
Die Entscheidung für seinen Rücktritt habe er sich "gut und lange überlegt", sagte er. Trotz einiger Angebote habe zuletzt die Motivation gefehlt weiterzumachen.
Er habe "auch eine Familie, meine drei Jungs, mit denen ich jetzt viel mehr Zeit verbringen kann. Das möchte ich jetzt geniessen." Ballack betonte: "Mir fehlt nichts."
Spekulationen über Wechsel in die USA
Er habe 17 Jahre auf höchstem Niveau gespielt und stand auf der glücklichen Seite des Lebens, sagte Ballack.
"Ich konnte mein Hobby zum Beruf machen. Dafür bin ich dankbar. Aber ich habe auch viele andere Interessen neben dem Fussball, denen ich mich jetzt widmen kann. Unabhängig davon, wird der Fussball natürlich weiterhin Teil meines Lebens sein."
Ballacks Vertrag beim Bundesligisten Bayer Leverkusen war im Sommer nicht verlängert worden.
Zunächst war ein Wechsel in die USA, nach China oder sogar Australien im Gespräch gewesen, doch am vergangenen Dienstag hängte er seine Fussballschuhe endgültig an den Nagel.
SPORT1











