Trotz Super-Joe: City sucht die Balance
Aus Manchester berichtet Matthias Becker
Manchester - Als er seinen Job längst bravourös erledigt hatte, bewies Joe Hart noch einmal seine Extraklasse.
Bevor sich der Torhüter von Manchester City nach dem 1:1 seiner Mannschaft gegen Borussia Dortmund den wartenden Journalisten stellte, erkundigte er sich erstmal persönlich beim verletzt ausgewechselten Dortmunder Mats Hummels nach dessen Befinden.
Das wäre sicher besser gewesen, wenn Hart nicht acht absolute Glanzparaden gezeigt und so den verdienten Erfolg der Dortmunder verhindert hätte.
Aber es war eben der Abend des englischen Nationaltorhüters, der bewies, warum er als das grösste Torwarttalent der Three Lions seit vielen, vielen Jahren gilt.
In Madrid noch der Depp
Zum "'Hart-braker' für Borussia Dortmund", erklärte ihn die "Sun". "Super-Joe rettet die Blues", schrieb der "Daily Mirror".
Noch vor zwei Wochen hatte Hart bei der späten 2:3-Niederlage in Madrid beim entscheidenden Gegentreffer eine unglückliche Figur abgegeben.
Trainer Roberto Mancini rüffelte den 25-Jährigen anschliessend, er solle keine Kommentare vor der Presse abgeben, sondern sich darauf konzentrieren, die Bälle festzuhalten.
Rooney: "Der Beste der Welt"
Und wie er das tat am Mittwochabend! Alleine gegen Mario Götze parierte Hart vier Mal. Dem Dortmunder Spielgestalter blieb nur, den Kontrahenten zu loben.
"Joe Hart hat sehr, sehr gut gehalten. Mit ein bisschen mehr Glück wäre ein Ball vielleicht auch mal reingegangen und nicht vom Aluminium wieder raus", sagte er zu SPORT1: "Aber es hat nicht sein sollen."
Auch Mancini musste Abbitte leisten. "Joe hat uns vor einer unglaublichen Pleite bewahrt. Er hat alles gehalten. Wir hätten drei oder vier Gegentore verdient gehabt und müssen uns bei ihm bedanken", sagte der Italiener.
Nationalmannschaftskollege Wayne Rooney twitterte begeistert: "Joe Hart war unglaublich. Für mich der beste Keeper der Welt."
Hart bleibt bescheiden
Der Gefeierte wehrte alle Lorbeeren ab. Er sehe sich nicht als Held, erklärte er: "Mario (Balotelli, Anm. d. Red.) hatte beim Elfmeter auch sehr viel Druck."
Er könne sich nicht erinnern, jemals so viele Bälle für City gehalten zu haben. "Auf eine sonderbare Art und Weise hat es mir aber sogar Spass gemacht."
Harts Gegenüber Roman Weidenfeller, selbst in vorzüglicher Verfassung, lobte: "Er hat seine Mannschaft im Spiel gehalten und hat sich mit allem dazwischen geschmissen und Schlimmeres für City verhindert."
Mancini lobt Dortmund
Über die Defizite des englischen Meisters konnte aber auch Harts Sternstunde nicht hinwegtäuschen.
"Sie hatten Chancen, egal ob wir hinten zu dritt, viert oder zehnt standen. Wir müssen mit dem Punkt zufrieden sein. Dortmund hat in einer anderen Liga gespielt", analysierte Hart.
Sein Trainer pflichtete ihm bei. "Wir haben wieder sehr viele Chancen zugelassen. Diesen Punkt haben wir nicht verdient. Dortmund hat besser gespielt und ist momentan das bessere Team", sagte Mancini.
"Eine Champions-League-Lehrstunde"
In der gesamten Saison hat City noch nicht einmal zu Null gespielt und nur drei von neun Pflichtspielen gewonnen. Wie schon im Vorjahr droht den hochgerüsteten "Citizens" das Aus in der Gruppenphase.
"Die herausragenden Deutschen erteilen dem indisponierten Manchester City im eigenen Stadion eine Champions-League-Lehrstunde", schrieb die "Sun".
Der "Guardian" bemängelte: "Das war nicht das Statement, das City in der Champions League eigentlich abgeben wollte."
Schwächen in der Defensive
Zumal die Schwächen in der Defensivarbeit ein grundlegendes Problem sind, dass sich wohl kaum von heute auf morgen beheben lässt.
Die Innenverteidigung mit dem schwächelnden Vincent Kompany und Teenager Matija Nastasic strahlt ebenso Unsicherheit aus, wie das defensive Mittelfeld. "Wir müssen kämpfen und rennen, Passspiel alleine reicht nicht", forderte Mancini, "das ist mein Job".
Ergreift City den "Rettungsring" ("Mirror"), den Balotelli dem Team durch seinen Treffer zuwarf, aber nicht, dürfte es eng werden für ihn.
Gegen Ajax unter Druck
Die kommenden zwei Champions-League-Partien gegen Ajax Amsterdam muss Manchester unter allen Umständen gewinnen.
Sonst wird es beim Wiedersehen am letzten Gruppenspieltag in Dortmund schon egal sein, wie viele Bälle Joe Hart herausfischt.
SPORT1











