Hoeness: ''Heynckes ist manchmal empfindlich''
München - Es war nicht viel los an der Säbener Strasse.
Die Stars von Bayern München hatten am Donnerstag trainingsfrei, um nach der ersten Saison-Niederlage den Kopf für das Bundesligaspiel am Samstag gegen 1899 Hoffenheim frei zu bekommen.
Doch die Ruhe beim FC Bayern ist trügerisch: Nach dem 1:3 des Rekordmeisters in Borissow sorgen weiterhin die Spannungen zwischen Trainer Jupp Heynckes und Sportvorstand Matthias Sammer für Gesprächsstoff - daran ändert auch ein eilig einberufener Friedensgipfel nichts.
Ehrenpräsident Franz Beckenbauer sprach schon von "ersten Zerwürfnissen", und auch Präsident Uli Hoeness glaubt, dass das Thema die Bayern noch länger beschäftigen wird.
"Das wird immer ein Problem sein. Wenn man einen starken Sportdirektor hat - und den haben wir jetzt glücklicherweise -, dann wird es immer wieder solche Unstimmigkeiten geben", sagte Hoeness der Münchner "tz" und "AZ".
Gute Leistung "nur durch Reibung"
Gute Leistungen gebe es "nur durch Reibung. Wenn alles einschläft, werden wir nichts gewinnen", sagte Hoeness, lange Jahre selbst Leiter der "Abteilung Attacke".
Er stellte sich deshalb auch auf Sammers Seite. Es sei dessen Aufgabe, "dass er mal den Finger in die Wunde legt. Ich habe das 30 Jahre lang gemacht."
Ratschlag für Heynckes
Die Kritik sei weder in der Form noch in der Sache ungerechtfertigt gewesen. Damit falle seinem Kumpel Heynckes "doch in keinster Weise ein Zacken aus der Krone", betonte Hoeness, zumal Sammer ein Partner des Trainers "auf Augenhöhe" sei.
Hoeness gab Heynckes auch einen freundschaftlicher Ratschlag mit auf den Weg: "Wenn man etwas empfindlich ist, so wie es der Jupp eben manchmal ist, dann ist es klar, dass man sich darüber aufregt. Ich würde mich darüber nicht aufregen
Strunz kritisiert Sammer
Thomas Strunz kritisierte derweil Sammer bei LIGA total!. Seine Aussagen seien "ein klassisches Eigentor und in dieser Situation völlig unangebracht" gewesen.
Hoeness stellte dagegen klar, dass er Sammer auch in Zukunft nicht den Mund verbieten wird: "Wir sind doch nicht in Weissrussland, wo man alles mit dem Herrn Lukaschenko absprechen muss. Wir sind doch in einer freien Demokratie. Jeder kann seine Meinung haben und die frei äussern."
"Zwischen uns passt kein Blatt"
Aussagen, die Heynckes nicht gefallen dürften.
Dennoch sagte er nach einem Gespräch mit Sammer und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in dessen Büro gleich im Anschluss an die Rückkehr aus Weissrussland, "dass in der Sache nie Uneinigkeit geherrscht hat. Wir arbeiten beide mit vollem Herzen und vollem Engagement für Bayern."
Auch Sammer war bemüht, das Thema nicht noch grösser werden zu lassen: "Zwischen uns passt kein Blatt. Mögliche Unstimmigkeiten haben wir ganz schnell beigelegt."
Ein brüchiger Frieden
Es ist ein brüchiger Frieden. Sammer wurde nach dem missglückten Versuch mit dem eher ruhigen Christian Nerlinger verpflichtet, um Schwung in den Laden zu bringen.
Dem 45-Jährigen steht Heynckes gegenüber, ein erfahrener, starker und erfolgreicher Trainer, dem jegliche Einmischung in seine Arbeit missfällt.
Schon während des Trainingslagers am Gardasee im Juli hatte sich der Bayern-Coach veranlasst gesehen, ein Plädoyer in eigener Sache zu halten.
Nicht Sammer, sondern alleine er gebe in der Tagesarbeit die Linie vor.
Strunz erwartet grosse Probleme
Für Beckenbauer kommt die Geschichte "ein bisschen unglücklich rüber", wie er bei "Sky" sagte: "Man hat nicht gut ausgesehen bei dieser gesamten Aktion."
Strunz vermutet, dass dieser erste Streit zwischen Sammer und Heynckes nur der Anfang war. "Die Zuständigkeiten sind scheinbar noch nicht abgesteckt. Er sieht noch "grosse Probleme" auf den FC Bayern zukommen, "wenn die Kompetenzen nicht eindeutig geklärt werden!"
Denn "dieses mittlere Beben entstand nach einem Sieg. Was passiert eigentlich, wenn die Bayern mal zwei oder drei Spiele in Folge nicht gewinnen?"
Damit die Unruhe bei den Bayern nicht noch grösser wird, ist deshalb ein Sieg gegen Hoffenheim vor der anstehenden Länderspielpause Pflicht.
Rummenigge fordert Sieg
"Es ist wichtig, dass wir sofort ein positives Zeichen setzen und das Spiel gewinnen", forderte Rummenigge, dessen Team in der Liga mit der Maximal-Ausbeute von 18 Punkten aus sechs Spielen an der Spitze steht.
Es zeige die Qualität einer Mannschaft, "dass sie schnell wieder in die Erfolgsspur zurückkehrt. Wir haben jetzt eine Serie hinter uns und werden jetzt hoffentlich wieder eine neue starten."
SPORT1











