''Das ist gegen ManCity nicht selbstverständlich''
Aus Manchester berichtet Matthias Becker
Manchester - Für Sven Bender war es so etwas wie die Versöhnung mit England.
Vor einem Jahr, beim Champions-League-Auswärtsspiel von Borussia Dortmund beim FC Arsenal, musste der 23-Jährige mit einem doppelten Kieferbruch ausgewechselt werden.
Eine Verletzung, mit der selbst der eisenharte "Manni" aus Oberbayern nicht weiterspielen konnte.
Weitere Blessuren warfen Bender in den vergangenen zwölf Monaten zurück, auch zu Beginn dieser Saison.
Deshalb war es etwas überraschend, dass er beim 1:1 des BVB bei Manchester City für Kapitän Sebastian Kehl in die Startelf rückte.
Klopp liegt goldrichtig
Mit dieser Rochade lag Dortmund-Trainer Jürgen Klopp aber goldrichtig: Bender regierte gemeinsam mit Ilkay Gündogan das Mittelfeld, eroberte Bälle und leitete immer wieder Schnellangriffe der Borussia ein.
Im SPORT1-Interview spricht der Nationalspieler über die Enttäuschung nach dem späten Ausgleich, den Unterschied zwischen Champions League und Bundesliga und die Aussichten in der "Hammergruppe" D.
SPORT1: Was überwiegt nach diesem tollen Spiel mit dem bitteren Ende, Stolz oder Enttäuschung?
Sven Bender: Wir sind schon stolz, weil wir toll gespielt haben. Aber wir sind doch sehr enttäuscht, weil der Ausgleich so spät gefallen ist und dann auch noch durch einen Elfmeter, über den man streiten kann. Wir hätten gerne die drei Punkte mitgenommen, die für uns nach dieser guten Leistung drin gewesen wären.
War das trotzdem der lange erwartete Schritt nach vorne im Europapokal?
Ich weiss nicht, ob das jetzt der Durchbruch war, wir haben auch letztes Jahr in der Champions League schon gute Spiele gemacht. Wir waren nicht unbedingt zu jung, aber wir haben die Erfahrung gebraucht, dass es in der Champions League noch schneller geht als in der Bundesliga.
Wie muss man sich darauf einstellen?
Die Mannschaften schlagen noch eiskalter zu. Deshalb legen wir jetzt enormen Wert darauf, hinten sehr gut zu stehen und nach vorne unsere Schnellangriffe durchziehen. Ich hoffe, dass wir das in den nächsten Spielen beibehalten.
Hat es Sie sehr überrascht, dass Sie anstelle von Kapitän Sebastian Kehl in die Startelf gerückt sind?
Ich war schon überrascht, weil ich in den letzten Wochen auch nicht so viele Anzeichen dafür bekommen habe, hier in der Startelf zu stehen. Am Dienstagabend hat es sich angedeutet und morgens im Training wurde es dann präzise. Ich war sehr froh und glücklich, dass ich mal wieder ran durfte.
Wissen Sie schon, wie viele Kilometer Sie gemacht haben? Der Platz in Manchester ist ja der grösste in England.
Ich weiss es nicht, aber es werden wahrscheinlich mehr gewesen sein als in der Bundesliga.
Was nehmen Sie mit aus diesem Spiel für die Aufgaben gegen Real Madrid?
Wir haben gegen ein sehr, sehr grosses Team gut gespielt, haben super verteidigt und eine sehr spielstarke Mannschaft immer wieder zu Fehlern gezwungen, um unsere eigenen Schnellangriffe zu starten. Wir haben sehr präzise gespielt und riesige Torchancen gehabt. Das ist gegen Manchester City nicht selbstverständlich.
Die haben seit langer Zeit zuhause nicht verloren (seit Dezember 2010, Anm. d. Red.) und wir hatten sie kurz davor. Wir nehmen mit, dass wir auch gegen die nächsten Gegner mit breiter Brust auftreten können.
Träumt man mit vier Punkten nach zwei Spielen schon von der K.o.-Runde?
Das ist so weit weg, noch kommen vier Spiele. Wir müssen die nächsten Spiele konzentriert angehen und nachlegen. Wenn wir uns jetzt ausruhen, können wir sehr schnell wieder durchgereicht werden, das zeigt die Erfahrung aus der Champions League.
Ist es letztlich auch daran gescheitert, dass es auf einmal einen starken englischen Torhüter gibt?
Man muss schon anerkennen, dass Joe Hart überragend gehalten hat, genauso wie Roman (Weidenfeller, Anm. d. Red.) bei uns. Hart hat wirklich eine sehr, sehr gute Leistung gezeigt.
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