Eklat auf Schalke: Stevens sieht den Stinkefinger
Aus Gelsenkirchen berichtet Thorsten Langenbahn
Gelsenkirchen - Pfiffe der eigenen Fans sind die Schalker ja fast schon gewohnt.
Dass aber auch der Gegner ausfällig wird, hat selbst bei den Gelsenkirchenern, die bekanntlich schon eine Meng erlebt haben, eine neue Dimension.
"Das ist unter meinem Niveau und absolut nicht Champions-League-würdig", sagte S04-Trainer Huub Stevens nach dem zweiten Champions-League-Gruppenspiel.
Nach dem 2:2 gegen Montpellier HSC hatte Gäste-Coach Rene Girard seinem Kollegen den Stinkefinger gezeigt.
Stevens angefressen
Schon während des Spiels hatte sich Stevens dauerhaft provoziert gefühlt.
"Der Trainer von Montpellier hat bei jedem Foul von uns Gelb gefordert, das habe ich auch dem vierten Offiziellen gesagt", beschwerte sich der 58-Jährige: "Das macht man nicht. Und das, was er nach dem Spiel getan hat, schon gar nicht."
"Unten auf dem Platz habe ich nicht gesehen, was er mir gezeigt hat, aber nachher im Fernsehen schon", so Stevens weiter.
Nachspiel bei der Pressekonferenz
Girard legte auf der Pressekonferenz noch einmal nach: "Ich denke, dass wir mindestens fünf gelbe Karten bekommen haben, die unberechtigt waren."
Und der 58-jährige Franzose schimpfte weiter: "Das habe ich dem Schiedsrichter und diesem Herrn Stevens, den ich nicht kenne, und der es schön fand, mich anzugreifen, gesagt."
Schalke habe Montpellier angefangen beim Trainer den Respekt verweigert, meinte Girard : "Und wenn man uns nicht respektiert, dann zahlen wir es zurück."
"Das war eine Schande. Ich gehe davon aus, dass er von der UEFA gesperrt wird. Er ist in Frankreich bekannt für seine Schelten gegen Kollegen oder Schiedsrichter. Er war schon etliche Male gesperrt vom Ligaverband in Frankreich", erklärte "L'Equipe"-Chefredakteur Elie Barth bei "Sky".
Pfiffe der eigenen Fans
Schon während der Partie war die Stimmung aufgeheizt. Nicht nur am Spielfeldrand, sondern auch bei den 50.000 Zuschauern auf den Rängen.
Nach den Pfiffen der eigenen Fans eine Woche zuvor gegen Mainz liess das ungeduldige Publikum die Schalker Spieler in der Schlussviertelstunde erneut seinen Unmut spüren.
Zu zögerlich erschien einigen Tribünenbesuchern der Schalker Vortrag beim Stand von 2:1.
Die Stevens-Elf versuchte in Überzahl, den Ball zu kontrollieren, anstatt nach Ballgewinnen schnell nach vorne zu spielen, um die technisch-versierten Franzosen im Falle eines Ballverlustes nicht in Kontersituationen zu bringen.
"Wer seine Chancen nicht nutzt, wird bestraft"
"Wir müssen noch lernen, wenn die Leute das nicht verstehen und pfeifen, dass uns das nicht aus der Ruhe bringt, sondern dass wir einfach weitermachen", sagte Lars Unnerstall.
Der Schalke-Torhüter kritisierte aber auch: "Durch diese Pfiffe wird man dann wieder nervös und versucht einfach nach vorne zu spielen - das ist dann blind."
Die guten Möglichkeiten zur vorzeitigen Entscheidung durch Afellay (78.) und Huntelaar (88.) verspielten die verunsicherten Schalker leichtfertig. Die Quittung: Das 2:2 in der 90. Minute durch Camara.
"Wenn man seine Chancen nicht nutzt, wird man bestraft", resümierte Stevens. "Wir haben das Spiel lange kontrolliert, aber nicht für die Entscheidung gesorgt. Das ärgert mich."
Draxler bereits operiert
Vor allem der Ausfall von Julian Draxler nach dessem ersten Champions-League-Tor, der mit seinen Lars Ricken als jüngsten deutschen Torschützen in der Königsklasse ablöste, brachte die Schalker aus dem Konzept.
Der 19-jährige Nationalspieler erlitt einen Bruch der Speiche wurde noch in der Nacht operiert. Er fällt wohl drei bis vier Wochen aus.
Trotz vier Punkten aus zwei Champions-League-Spielen war die Unzufriedenheit riesig. "Am Ende fühlt es sich erneut wie eine Niederlage an", haderte Klaas-Jan Huntelaar.
Der Torjäger bereitete zwar Draxlers 1:0 wunderbar vor und traf nach seinem Fehlschuss in Piräus dieses Mal vom Elfmeterpunkt, zeigte aber aus dem Spiel heraus erneut Nerven im Abschluss.
"Das 2:2 ist zu wenig"
"Das 2:2 ist zu wenig. Jetzt müssen wir versuchen, die verlorenen Punkte gegen Arsenal zurückzuholen", meinte Huntelaar.
Schalkes Sportdirektor Horst Heldt kritisierte unterdessen die erneut fehlende Cleverness des königsblauen Teams.
"Der Gegner lag auf dem Präsentierteller, aber wir haben nach dem 2:1 aufgehört Fussball zu spielen und nur noch versucht, das Ergebnis zu verwalten", sagte er angesäuert über den fehlenden Killerinstinkt.
"Jetzt haben wir uns innerhalb von wenigen Tagen zweimal um den Lohn gebracht. Das ist für uns alle sehr ärgerlich."
Am Samstag kommt Ex-Trainer Magath
Die Chance zur Wiedergutmachung gibt es bereits am Samstag gegen den VfL Wolfsburg - wieder vor heimischem Publikum.
Dass Felix Magath ausfällig gegenüber seinem späteren Nachfolger Stevens wird, steht nicht zu befürchten.
Doch nicht nur wegen der Rückkehr des umstrittenen Ex-Trainers ist die Stimmung in der Arena zurzeit reichlich angespannt.
SPORT1











