Europäische Wiedergeburt mit Schönheitsfehler
Aus Manchester berichtet Matthias Becker
Manchester - Wer sie verpasst hatte, die denkwürdigen 95:34 Minuten von Manchester , musste nur einen Blick auf Mats Hummels werfen, um zu verstehen, was da gerade passiert war.
Gepeinigt von Hüftschmerzen schleppte sich der Abwehrchef von Borussia Dortmund durch die Katakomben des Etihad Stadiums von Manchester City.
Spätestens bei jedem dritten Schritt machte sich aber ein dickes Grinsen breit auf dem Gesicht des Nationalspielers - Schmerzen hin oder her, die Freude über eine grosse Leistung brach durch.
So wie Hummels ging es vielen Schwarzgelben, nach einem famosen, spektakulären aber letztlich unglücklichen 1:1 des BVB beim englischen Meister.
"Das war ein geiles Spiel"
20:12 Torschüsse und 12:10 Torchancen wies die Statistik für den deutschen Meister aus, der ManCity nur wegen des späten, umstrittenen Handelfmeters von Mario Balotelli nicht die erste Heimniederlage seit Dezember 2010 beibrachte.
"Wir hatten im ganzen Spiel Chancen für mehr als ein Tor, wahrscheinlich sogar für mehr als drei. Es war ein tolles Spiel, es hat Spass gemacht, zu spielen und wahrscheinlich auch zuzuschauen", mutmasste Hummels.
"Das war ein geiles Spiel meiner Mannschaft und es hat Spass gemacht zu sehen, dass wir so selbstbewusst agieren können", bilanzierte Trainer Jürgen Klopp.
City-Spieler schwer beeindruckt
Neven Subotic berichtete sogar von beeindruckten Reaktionen der Gegner. Die City-Spieler hätten gesagt, "dass sie noch nie von einer Mannschaft so an die Wand gespielt wurden", schilderte der Innenverteidiger.
War die erste Halbzeit schon ein atemberaubender Schlagabtausch, in dem nur die überragenden Torhüter Roman Weidenfeller und Joe Hart für das 0:0 verantwortlich waren, war der zweite Abschnitt vom BVB phasenweise weltklasse.
Immer wieder zwangen die Dortmunder die wacklige City-Defensive im Spielaufbau zu Ballverlusten und setzten dann zu blitzschnellen und brandgefährlichen Kontern an.
Den Sack nicht zu gemacht
"Der Gegner hat auf unsere Art der Verteidigung nicht so wirklich viele Antworten gehabt. Wir haben die Räume toll zugestellt und waren im Umschalten immer präsent", analysierte Klopp.
Dass es trotzdem nur zu einem Punkt reichte, lag zum einen an Schiedsrichter Pavel Kralovec aus Tschechien, der Subotic ein Handspiel unterstellte, als der von Agüero den Ball aus kurzer Distanz am Fünfmeterraum an den Arm geschossen bekam.
"Neven geht auf keinen Fall mit der Hand zum Ball, irgendwo muss er sich ja auch hinbewegen. Das muss man zwei Minuten vor Ende auch nicht mehr pfeifen", meinte Weidenfeller dazu.
Zum anderen lag es aber daran, dass es dem BVB bei aller Dominanz nicht gelang, den Sack zuzumachen. Entweder stand Joe Hart im Weg, oder das eigene Unvermögen, wie bei Robert Lewandowski, der den Ball freistehend aus sechs Metern neben das Tor bugsierte.
Götze ärgert sich
"Nach dem Spielverlauf ist das auf jeden Fall eine Enttäuschung", stellte Mario Götze deshalb im Gespräch mit SPORT1 fest: "Wir hätten mehr mitnehmen können."
Vier Punkte stehen für die Borussia in der "Meister-Gruppe" D nach zwei Spieltagen zu Buche.
"Aber im Endeffekt ist es nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir wollten zu Null stehen und gute Konter fahren. Das haben wir bis fast zur letzten Minute geschafft. So war es ärgerlich", sagte Götze, der im Privatduell mit City-Keeper Hart an den Reaktionen des Gegenübers verzweifelte.
Mischung aus Stolz und Enttäuschung
Auch die Kollegen konnten sich nicht entscheiden, ob sie stolz oder enttäuscht sein sollten.
"Für mich überwiegt erstmal der Frust, dass wir zwei Punkte verloren haben. Dennoch muss man sagen, dass wir einen tollen Job gemacht haben", sagte Keeper Weidenfeller.
"Wir haben eine Leistung gebracht, die eigentlich mit drei Punkten hätte belohnt werden müssen", klagte Hummels, fand aber: "Trotzdem können wir stolz sein, auf die Art, wie wir heute Fussball gespielt haben."
"Können international mithalten"
Denn abseits des Ergebnisses war dieser Abend von Manchester das, worauf sie insgeheim beim BVB schon in den letzten beiden Spielzeiten gewartet haben: Der Durchbruch der Generation Klopp auf internationalem Parkett, so etwas wie die Dortmunder Wiedergeburt im Europapokal.
"Wir haben uns vorgenommen, unseren BVB-Fussball zu zeigen. Wir haben bewiesen, dass wir international mithalten können", sagte Torschütze Marco Reus, der beim Antritt zu seinem Treffer stolze 34,6 km/h auf den Tacho gebracht hatte.
"Es sind erst zwei Spiele gelaufen und es ist noch nichts entschieden", erklärte Hummels: "Aber es ist wichtig für uns zu zeigen, dass wir gegen jeder Gegner auf der Welt gute Spiele abliefern können."
Die nächste Chance dazu bietet sich schon in drei Wochen: dann kommt Real Madrid.
SPORT1











