''Chelsea kann man nicht so einfach abschütteln''
Von Reinhard Franke
München - Carsten Jancker und Alexander Zickler kamen als Nobodys zum FC Bayern und spielten sich mit ihren Toren in die Herzen der Fans.
Sie erlebten den vielleicht schlimmsten Moment der Vereinsgeschichte, als man 1999 in letzter Sekunde gegen Manchester United das Champions-League-Finale verlor.
Und sie feierten zwei Jahre später mit fast der gleichen Mannschaft einen der grössten Erfolge, als die Münchner gegen den FC Valencia zum vierten Mal den Henkel-Pott gewannen.
Seit Jahren leben die zwei Ex-Nationalspieler in Österreich, Jancker ist heute Nachwuchsleiter bei Rapid Wien, Zickler arbeitet als Co-Trainer der U 16 bei Red Bull Salzburg.
Vor dem Wiedersehen der Bayern mit Valencia blicken die beiden im SPORT1-Interview zurück auf 2001 sowie das "Drama dahoam" gegen Chelsea und sprechen über die Titelchancen des Rekordmeisters.
SPORT1: Wie sehr verfolgen Sie noch den FC Bayern?
Alexander Zickler: Fast täglich (lacht). Nein, das wäre übertrieben, aber wenn man einmal bei Bayern war, dann fiebert man immer mit. Wir waren jetzt in Wien unterwegs mit der U15 und U18. Und nach dem Schlusspfiff war natürlich der erste Satz: Wie steht es bei den Bayern? Das ist immer noch aktuell und alle zwei Tage wird bei mir ein Update gemacht, wie es bei meinen Bayern steht.
Carsten Jancker: Wenn man da sechs Jahre gelebt und Erfolge gefeiert hat und Nationalspieler wurde, dann ist der Verein ein Teil von einem. Zudem sind meine beiden Töchter in München geboren. Der FC Bayern war ein ganz wichtiger Teil meiner Karriere. Aber jetzt bin ich seit sechs Jahren in Österreich und sehr glücklich hier.
Welche Erinnerungen haben Sie an das letzte Duell gegen den FC Valencia, den Finaltriumph 2001?
Zickler: Es ist schwierig, die damaligen Emotionen zu beschreiben. Es ist das Schönste, was dir als Fussballer auf Vereinsebene passieren kann, wenn du die Champions League gewinnst. Gerade nach dem verlorenen Finale 1999 war es eine Genugtuung, zwei Jahre danach diesen Pott in den Händen zu halten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, es war ja nicht nur im Champions-League-Finale eine enge Kiste, sondern auch kurz zuvor in der Bundesliga, als wir in Hamburg im letzten Moment Meister wurden.
Jancker: Das Spiel damals wurde durch Elfmeterschiessen entschieden und die Vorfreude und der Druck, nach 2001 endlich wieder einen Titel zu holen, waren gross. Diese Mannschaft hatte mit der Niederlage 1999 ein Ziel aufgebaut, mit fast unveränderter Besetzung den Titel zu holen. 2000 waren wir im Halbfinale und 2001 dann im Finale. Wir wollten unbedingt diesen Pott.
Wie wurde hinterher gefeiert?
Jancker: Es gab das Bankett, wo wir es haben ordentlich krachen lassen. Wir haben schon einiges getrunken und hatten mächtig Spass in der Nacht.
Zickler: Oh ja, den hatten wir. Da merkt man, dass man immer noch Kind ist (lacht laut).
Jancker: Die Rückkehr nach München war gigantisch mit der Fahrt zum Rathaus, den ganzen Leuten auf der Strasse und der Ankunft auf dem Marienplatz. Ein unbeschreiblicher Moment.
Wie hoch war das Adrenalin in den drei Wochen zwischen Meisterschaft und Champions-League-Sieg?
Zickler: Man war diese drei Wochen die ganze Zeit auf 120, 130. Man hat alles geben müssen in beiden Spielen. In der Königsklasse das Finale dann zu gewinnen war die absolute Krönung. Man hat das die Tage danach noch gespürt, wie leer man dann im Kopf ist, wenn diese ganze Last von einem fällt. Das war ein so schönes Gefühl, das dann alles zu geniessen.
Wie sehr weinen Sie der Zeit nach?
Zickler: Das war das Grösste, was man hat miterleben dürfen. Ich werde oft darauf angesprochen und dann denke ich, wie schön es war bei den grossen Bayern zu spielen. Aber meine Zeit in Salzburg war auch schön, wenn auch auf eine andere Weise.
Was ist für die Bayern drin in dieser Saison?
Zickler: Gegen Chelsea war es ein ganz bitterer Moment. Ich war selber im Stadion und habe mitgelitten. Ich hoffe, dass man dadurch noch mal zusammengewachsen ist. Am Mittwoch wird es wichtig sein, gut in die Gruppenphase zu starten. Da sollte man schon einen Dreier holen, das Selbstbewusstsein sollte auch da sein durch den sehr guten Start in der Bundesliga. Ich glaube an die Bayern.
Jancker: Es heisst jetzt wieder angreifen und versuchen, wieder so weit wie möglich zu kommen. Da ist es egal, ob mit Valencia der Finalgegner von 2001 kommt oder eine andere Mannschaft. Sie müssen versuchen, sich jetzt wieder reinzufinden in die Champions-League-Saison. Man muss sich neu konzentrieren und das Niveau hoch zu halten. Natürlich ist es nicht einfach, so ein verlorenes Finale wie gegen Chelsea zu verdrängen.
Die Bayern sagen, das "Drama dahoam" ist aus den Köpfen draussen. Ist es wirklich so?
Jancker: Wenn ich daran denke, wie lange das bei mir gedauert hat, dann ist das noch längst nicht raus. Das kann man nicht so einfach abschütteln.
Wie lange denn?
Jancker: Ich habe drei Monate gebraucht, bis ich wieder vernünftig schlafen konnte.
Wie schätzen Sie die Chancen in der Champions League ein?
Zickler: Man sollte nicht den Fehler machen, nur auf die Champions League zu schauen. Nach zwei Jahren ohne Titel will man auch mal wieder Deutscher Meister werden. Vom Kader her haben die Bayern den besten in der ganzen Liga. Man hat sofort gleichwertigen Ersatz, wenn mal ein anderer ausfällt wie bei Mario Gomez. Das wird auch ganz wichtig in der Champions League und Vorteil für die Bayern sein.
Jancker: Ich glaube nicht, dass die Bayern nur auf die Champions League schauen. Nachdem Dortmund zwei Mal Meister wurde, denke ich, dass die Meisterschaft an erster Stelle steht.











