Traumstart für Schalkes coole Serienkiller
Von Eric Böhm
München/Piräus - Nach dem Traumstart in die Highlight-Woche war der Stolz bei allen Schalkern nicht zu übersehen.
Vor dem grossen Bundesliga-Gipfel gegen den FC Bayern setzten die Königsblauen am 1. Spieltag der Champions League mit dem 2:1 bei Olympiakos Piräus international ein Ausrufezeichen.
Bei den extrem heimstarken Griechen gewann die nach wie vor sehr junge Mannschaft erstaunlich souverän und beendete gleich mehrere schwarze Serien.
"Wir hätten hier höher gewinnen können. Du weisst, dass hier sehr viel Hektik aufkommen kann durch die Unterstützung der Fans. Das haben wir bravourös gelöst", lobte Trainer Huub Stevens.
Schalker Novum
Schalke gelang als erster deutscher Mannschaft seit 30 Jahren wieder ein Erfolg in dem Vorort von Athen.
Ausserdem gab es bei der fünften Teilnahme an der Königsklasse erstmals einen Auftaktsieg - zuvor setzte es jeweils eine Niederlage ohne eigenes Tor.
Verantwortlich dafür war vor allem die neue mentale Reife, die in den irren drei Minuten nach der Pause - mit Ausgleich, Führung und verschossenem Elfmeter - zum Tragen kam.
"Hut ab vor der Mannschaft, dass sie nach dem Ausgleich so zurückgekommen ist, so dass die Zuschauer keinen Rabatz mehr machen konnten", sagte Kapitän Benedikt Höwedes.
Huntelaar im Mittelpunkt
Frühere S04-Teams hätten mit dem nicht gegebenen Treffer des einstigen Lokalmatadoren Kyriakos Papadopoulos gehadert oder wären nach dem Ausgleich der giftigen Griechen eingebrochen, die aktuelle Truppe aber kam postwendend zurück.
"Es gab zwei, drei Momente, in denen die Gegner auch ein Tor schiessen könnten. Über das gesamte Spiel gesehen, haben wir es verdient, zu gewinnen", sagte Hauptdarsteller Klaas-Jan Huntelaar.
Der Torjäger erzielte nur eine Minute nach dem 1:1 den erneuten Führungstreffer und hätte wenig später per Elfer den Sack frühzeitig zumachen können.
Holtby bleibt bescheiden
Trotz seines Fehlschusses geriet der Dreier bis zum Ende nicht mehr in Gefahr, weil Schalke Ball und Gegner abgezockt laufen liess.
Vor der leicht nervösen Anfangsphase war spätestens in der letzten halben Stunde nichts mehr zu sehen.
In der machbaren Gruppe B - mit Arsenal und Montpellier als weiteren Gegnern - erkämpften sich die "Knappen" so eine herausragende Ausgangsposition aufs Weiterkommen .
"Wir bleiben bescheiden. Ich freue mich einfach nur wahnsinnig. Mein Trikot habe ich nicht getauscht. Ich wollte mein erstes Champions-League-Trikot unbedingt behalten", schwärmte Geburtstagskind Lewis Holtby.
Geburtstag wird nur klein gefeiert
Der frischgebackene 22-Jährige zog in seinem ersten Champions-League-Spiel gewohnt stark die Fäden. Eine grosse Feier blieb nach der Partie aber aus.
"Wir haben jetzt englische Wochen. Da bringt es nichts, sich jetzt wegzusaufen. Ich denke mal, ich werde eine Runde ausgeben und mit den Jungs ein bisschen feiern", sagte Holtby.
Viel enthusiastischer blickte Schalkes Zehner voraus: "Wir werden regenerieren, und dann kommt am Samstag schon das nächste Highlight gegen die Bayern."
S04 heiss auf Bayern
Dass die Doppelbelastung gegen die diesbezüglich erfahrenen Münchner beim Kracher des 4. Bundesliga-Spieltages zum Nachteil werden könnte, glaubt im Verein niemand.
"Natürlich haben wir einen guten Kader. Und es ist auch kein Problem, wenn man mal auf der Bank sitzt. Bayern wird noch ein anderes Kaliber. Wir lechzen danach, gegen die mal wieder einen Sieg einzufahren", bestätigte Höwedes.
Höwedes untermauert Ansprüche
Der Nationalspieler ist selbst der beste Beweis für die Qualität des Kaders. Zu Saisonbeginn sass er als dritter Innenverteidiger noch draussen, nun glänzt er auf der rechten Aussenbahn.
Auf seinen starken Auftritt beim Sieg in Fürth legte Höwedes bei Olympiakos noch eine Schippe drauf und besorgte kurz vor der Pause per Kopf die Führung.
"Ich glaube, dass ich heute bewiesen habe, dass ich in die erste Elf gehöre", unterstrich der EM-Teilnehmer seinen Anspruch.
"Wir haben immer gesagt, dass wir viele Spieler im Kader haben. Wir haben in dieser Atmosphäre Coolness gezeigt", betonte Manager Horst Heldt.
Diese Coolness sollen nun auch die Bayern zu spüren bekommen.
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