HSV-Chaos: Messias angekommen, Probleme bleiben
Von Andreas Kloo
München - Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Drei Spiele, null Punkte, Platz 17 stehen für den HSV zu Buche.
Doch die Einschätzungen der Hamburger nach der 2:3-Pleite in Frankfurt gingen weit auseinander.
Sportdirektor Frank Arnesen war der Meinung: "Wir sind drei Schritte weiter." Rückkehrer Rafael van der Vaart gestand ein: "Wir haben noch einen weiten Weg."
Und Torhüter Rene Adler sah - was die Abwehrleistung angeht - überhaupt keine Fortschritte.
Adler moniert Abwehrfehler
"Das zieht sich wie ein roter Faden bei uns durch", klagte der frühere Nationalkeeper. "Irgendwann müssen wir mal lernen, am Mann zu bleiben und die Bälle wegzuhauen."
Beim 0:1 köpfte Jeffrey Bruma unfreiwillig Heung-Min Son an, so dass der Ball Torschütze Takeshi Inui direkt in den Lauf prallte.
Noch mehr ärgerte Adler aber das zweite Gegentor durch Oliver Occean in der 18.Minute. Seine Vorderleute sahen dabei tatenlos zu, wie der Ball in den Fünfmeterraum rauschte.
Frankfurts Angreifer musste nur noch den Fuss hinhalten. Auf ähnliche Weise war der Gegentreffer beim 0:1 gegen Nürnberg gefallen.
"Standard-Gegentore sind tödlich"
"Standard-Gegentore sind tödlich, irgendwann müssen wir es lernen", legte Adler deshalb den Finger in die Wunde.
Und fügte eine alte Fussball-Weisheit hinzu: "Schliesslich ist ja bekannt, dass die Spiele in der Abwehr gewonnen werden, nicht im Angriff."
Und genau deshalb kann das durchaus ansprechende Debüt van der Vaarts nicht über die alarmierende Situation des HSV hinwegtäuschen.
Van der Vaart alleine reicht nicht
Trainer Thorsten Fink lobte den Niederländer nach dem Spiel bei LIGA total! zwar beinahe überschwänglich: "Er war an allen gefährlichen Szenen beteiligt, hat sie eingeleitet und Standards geschlagen."
Doch wenn Fink die Probleme in der Defensive nicht in den Griff bekommt, kann auch van der Vaart nicht helfen.
"Zu glauben, dass mit Rafael van der Vaart alles gut wird, ist ein grosser Trugschluss. Er nimmt sicher etwas Druck von den Kollegen, aber er braucht auch die entsprechenden Mitspieler", hält SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold fest.
Nächster Gegner Dortmund
Ob sich die Lage bei den Norddeutschen schnell bessern wird, bezweifelt nicht nur van der Vaart.
Am Samstag kommt der Deutsche Meister Borussia Dortmund in die Hansestadt.
Dem Niederländer schwant bereits Böses: "Wenn wir gegen Dortmund so wie am Anfang spielen, kriegen wir mindestens drei Tore."
Fink muss umbauen
Nicht von Vorteil ist es dabei, dass Fink gegen den BVB seine Defensivabteilung erneut umbauen muss.
Neuzugang Petr Jiracek ist nach seiner Roten Karte gesperrt, fehlt also im defensiven zentralen Mittelfeld. Gut möglich, dass auch Innenverteidiger Michael Mancienne am Samstag auf der Bank Platz nehmen muss.
In Frankfurt hatte Fink den Engländer nach seiner desolaten Vorstellung nach 37 Minuten vom Feld genommen.
Historischer Fehlstart droht
Bei einer erneuten Niederlage wäre der schlechteste HSV-Saisonstart seit 40 Jahren amtlich. Zuletzt verloren die Hamburger 1972 die ersten vier Spiele der Saison.
Und nach dem Spiel gegen den BVB warten mit den Europacup-Teilnehmern Mönchengladbach und Hannover auch keine leichten Gegner.
Bei weiteren Niederlagen droht vor allem Fink Ungemach.
Der Druck auf den Coach ist ohnehin schon gestiegen. Wegen der 23 Millionen Euro teuren Nachverpflichtungen gebe es nun keine Alibis mehr, verlautete zuletzt aus der Klubspitze.
Fink sieht Stimmungswandel
Fink bemüht sich dennoch, Optimismus zu verbreiten.
"Warum sollen wir nicht schon gegen Dortmund überraschen?", fragt er. Er sieht durch van der Vaart einen Stimmungswandel im Team, jeder denke positiv.
Die Moral ist bei den Hamburgern tatsächlich intakt. Trotz Unterzahl gab sich der HSV auch nach dem 1:3 nicht auf.
Kampfgeist werden die Hanseaten auch in den nächsten Wochen brauchen, um den von van der Vaart genannten weiten Weg zu gehen.
SPORT1



















