Milan am Boden, Klose mit Lazio obenauf
München/Mailand - Kevin-Prince Boateng liegt nach dem Abpfiff auf dem Rasen und schlägt fassungslos die Hände vor sein Gesicht.
Das Bild auf der Titelseite von Italiens grosser Sportzeitung "Gazzetta dello Sport" steht symbolisch für die Situation beim AC Mailand.
"Milan am Boden, null Punkte und null Tore in zwei Heimspielen", lautete die Schlagzeile nach dem 0:1 am 3. Spieltag der Serie A gegen Atalanta Bergamo und dem schlechtesten Liga-Start des 18-maligen Meisters seit 82 Jahren .
Klose sorgt für Entscheidung
Einen Traumstart in die Saison hat derweil Nationalspieler Miroslav Klose mit Lazio Rom durch den dritten Sieg im dritten Spiel gefeiert.
Beim souveränen 3:1 (2:0)-Erfolg des Hauptstadtklubs bei Chievo Verona sorgte Klose mit seinem dritten Saisontreffer in der 38. Minute für die Vorentscheidung .
Zwei Tore von Hernanes
Hernanes hatte die Gäste bereits nach fünf Minuten in Führung gebracht, in der 74. Minute traf der Brasilianer mit seinem zweiten Treffer zum 3:0.
Nach einem Foul von Klose im eigenen Strafraum kam Chievo durch einen Elfmeter von Sergio Pellissier zum Ehrentreffer (83.).
Keine Ideen, keine talentierten Fussballer
Ein vollkommen anderes Bild dagegen in Mailand: "Dabei hatte sich Milan in den letzten 20 Jahren spektakuläres Spiel auf die Fahne geschrieben. Diesen Milan gibt es nicht mehr. Weder Ideen, noch Spiel, noch talentierte Fussballer, das ist die traurige Wahrheit", analysierte die "Gazzetta".
Das Tor von Atalanta-Stürmer Luca Cigarini in der 64. Minute heizte zugleich die Diskussion um Massimiliano Allegri an, der die Rossoneri seit Mai 2010 trainiert.
"Wir müssen selbstsicherer auftreten. Wir werden auch in Zukunft das eine oder andere Spiel verlieren, aber nicht auf diese Weise", betonte der 45-Jährige vor dem Champions-League-Heimspiel am Dienstag gegen den RSC Anderlecht.
Gullit als Trainer gehandelt
Erfolg müssen her, sonst sei Allegri nicht mehr auf seinem Trainerstuhl zu halten, da sind sich Beobachter sicher, weil auch der grosse Klubchef Silvio Berlusconi langsam aber sicher ungeduldig wird.
Es werden sogar schon eventuelle Nachfolger gehandelt. Als Top-Favorit gilt laut italienischen Medien der Ex-Milan-Star Ruud Gullit, der zuletzt beim russischen Erstligisten Terek Grosny unter Vertrag gestanden hatte.
Trennung von Altstars nicht verkraftet
Milan scheint den Abgang von Stars wie Zlatan Ibrahimovic und Thiago Silva nicht verkraftet zu haben.
Auch die Trennung von altgedienten Schwergewichten wie Gennaro Gattuso, Filippo Inzaghi, Alessandro Nesta, Mark van Bommel und Antonio Cassano haben die Rotschwarzen offenbar noch nicht verarbeitet.
Der gebürtige Berliner Kevin-Prince Boateng und Neuerwerbung Nigel de Jong genügten bisher nicht, um die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen.
Fans sind verärgert
"Milan spürt die Schwierigkeiten des Jahres Null. Alles hat sich geändert, jetzt muss man eine Mannschaft komplett neu aufbauen.
"Wird Allegri dazu fähig sein?", fragte die Sportzeitung "Tuttosport".
Die Milan-Fans sind jedenfalls schwer enttäuscht. Der Klub habe sein Versprechen nicht gehalten, den Abgang von Ibrahimovic und Thiago Silva mit dem Kauf neuer Stars zu kompensieren.
Folglich sank die Zahl der verkauften Dauerkarten auf ein Rekordtief. Bisher wurden lediglich 23.618 Dauerkarten abgesetzt, im vorigen Sommer waren es immerhin noch 31.233.
SPORT1











