Stehaufmännchen Müller forciert Luxusproblem
Von Benjamin Bauer
München - Im Champions-League-Finale gegen Chelsea hätte Thomas Müller mit seinen Führungstreffer beinahe sein verkorkstes Jahr zum Heldenstatus beim FC Bayern gedreht.
Dann traf Didier Drogba, und der Rest des Münchner Albtraums ist bekannt.
Das verlorene Finale war bezeichnend für Müllers Saison.
Auch bei der anschliessenden Europameisterschaft konnte der 22-Jährige dem deutschen Team keine Impulse geben.
Nach der Vorrunde fand sich Müller auf der Bank wieder und wurde zum Joker degradiert.
Mit Schwung aus der Sommerpause
Doch die längste Sommerpause der Bundesliga-Geschichte hat Müller gut getan.
Im Schatten des Transferrummels um Javier Martinez avancierte der Rechtsfuss zum Stehaufmännchen und überzeugte Trainer Jupp Heynckes.
Der 67-Jährige setzte im Supercup und in den ersten beiden Liga-Spielen auf den Torschützenkönig der WM 2010 - und dieser zahlte es zurück:
Tor gegen Dortmund im Supercup, Führungstreffer bei Greuther Fürth und zwei Tore beim 6:1-Sieg gegen Stuttgart.
Besserer Start als 2011
"Ich freue mich", sagte der Doppel-Torschütze nach dem Erfolg gegen die Schwaben.
"Ich habe jetzt nach zwei Ligaspielen schon drei Tore auf dem Konto - da habe ich letztes Jahr um einiges länger gebraucht."
Müller ist wieder da und es scheint, als ziehe er aus Negative-Erlebnissen positive Energie.
Gegen den VfB patzte er beim Führungstreffer der Gäste und hämmerte vor Wut mit den Fäusten auf den Rasen ein - um wenig später mit dem Ausgleichstreffer und seinem unermüdlichen Laufeinsatz die Wende einzuleiten.
"Wer mich kennt, weiss, da bin ich schon ein bisschen sauer auf mich", sagte er in Anspielung auf seinen Fehler.
"Ich habe ein leichtes Loch auf dem Rasen hinterlassen mit meinen Fäusten. Sowas ärgert und wurmt mich - aber als Offensivspieler hast du immer die Gelegenheit, es wieder gutzumachen".
Robben schaut zu
Die Gala seiner Mannschaftskollegen gegen den VfB musste Arjen Robben krankheitsbedingt von der Tribüne beäugen.
Auf seinem angestammten Platz in der rechten Offensive sah der Niederländer jenen wiedererstarkten Müller, der sicherlich nicht freiwillig seine Lieblingsposition räumt.
Für Heynckes ergibt sich aus der neuen Konkurrenzsituation im Mittelfeld ein Luxusproblem. An Müller, der derzeit einen Lauf hat, kommt der Coach dabei kaum vorbei.
Nicht abwegig also, dass Heynckes in der Länderspielpause die Entscheidung trifft, gegen Mainz im nächsten Spiel gegen Mainz 05 getreu dem Motto "Never change a winning team" Robben weiter draussen zu lassen und Müller aufzubieten.
Auch die Position hinter den Spitzen wäre für Müller denkbar, doch da wirbelte Toni Kroos gegen Stuttgart.
Neuer und Lahm sehen es positiv
Aus der sicheren Position der Nummer eins betrachtet Manuel Neuer das Gerangel um die Stammplätze seiner Vorderleute und bewertet es höchst positiv.
"Es könnte sein, dass das die paar Prozent bringt, die uns letztes Jahr fehlten", analysierte der Keeper.
Kapitän Philipp Lahm sieht es ähnlich: "Wir haben jetzt sehr viele gute Spieler. Das ist gut, für die, die spielen. Denn die anderen müssen Gas geben."
Derzeit sieht es es jedenfalls danach aus, dass Konkurrenz das Geschäft belebt - siehe Thomas Müller.
SPORT1



















