''Ich gehe davon aus, dass Barca gewinnt''
Von Reinhard Franke
München - Er wirkt locker und zufrieden.
Geradezu tiefenentspannt. Bernd Schuster kann auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken.
Alles begann 1978 als Spieler beim 1. FC Köln und seine letzte Trainerstation war 2011 bei Besiktas Istanbul. Seitdem ist der 52-Jährige ohne Job. Das tut seiner Laune aber keinen Abbruch. Im Gegenteil.
Der "blonde Engel", wie er in seiner Laufbahn genannt wurde, ist voller Tatendrang. Er will seiner Wahlheimat Spanien nach über 20 Jahren den Rücken kehren.
Mit seiner neuen Frau Elena und dem einjährigen Sohn Bernd möchte Schuster zurück nach Bayern. Der einstige Weltklassespieler und Trainer von Real Madrid will unbedingt wieder als Trainer in Deutschland arbeiten.
"Ich hoffe sehr, dass ich in der Bundesliga als Trainer auftauche, ich arbeite darauf hin", verrät er gegenüber SPORT1, "meine Familie und ich wollen wieder für längere Zeit nach Deutschland kommen. Dieses Jahr bleibe ich hier und verfolge alles aus nächster Nähe."
Zugleich schaut Schuster nach Spanien, wo Real trotz der 2:3-Hinspielniederlage im Supercup gegen Barca (ab 22.30 Uhr in LIVESCORES) auf den ersten Titel der neuen Saison hofft (Bericht: Real will im Clasico die Wende).
Im SPORT1-Interview spricht Schuster über das Supercup-Rückspiel, den spanischen Fussball und das Titelrennen in der Bundesliga.
SPORT1: Herr Schuster, im Hinspiel gewann der FC Barcelona gegen Real Madrid mit 3:2. Am Abend steht das Rückspiel an. Aufgrund eines Fehlers von Barcas Keeper Victor Valdes können die "Königlichen" noch hoffen, oder?
Bernd Schuster: Absolut. Das war ein Geschenk von Valdes, das es nochmal spannend macht. Bei 3:2 ist die Chance gross, dass Real zu Hause gewinnt, was ihnen in den letzten Jahren nicht so oft gelungen ist. Der Supercup hängt bei beiden aber nicht so hoch, die Meisterschaft ist das grosse Ding. Für uns ist es natürlich toll, so früh einen Clasico zu sehen. Es ist ein Titel am Anfang der Saison und den will man mitnehmen. Ich gehe davon aus, dass Barca aufgrund der Bilanz gewinnt.
Wie sehen Sie aktuell die Kräfteverhältnisse bei Beiden?
Wir haben leider keine starke Liga, es herrscht gerade die Situation, dass Madrid und Barcelona über allem stehen. Letztes Jahr hatte der Tabellendritte über 30 Punkte Rückstand auf diese beiden. Das ist zu viel und führt dazu, dass das Interesse nicht so gross ist. Diese beiden Teams werden das auch dieses Jahr wieder unter sich ausmachen. Barcelona war in den letzten Jahren die dominierende Mannschaft, aber Real ist näher gekommen. Real muss mal wieder die Championsleague gewinnen. Und bei Barca muss man sehen, wie lange der Titel-Hunger anhält.
Der Titel-Hunger der Spanier war in den letzten vier Jahren grenzenlos.
Das stimmt. (lacht) Besser geht es nicht. Es wurden alle Titel geholt, zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein Land hintereinander Europameister, Weltmeister und Europameister. Das spiegelte sich schon vorher in der Meisterschaft wieder. Real und Barca waren bis zum Halbfinale in der Champions League dabei und Atletico Madrid holte die Europa League. Der spanische Fussball ist mit dem englischen am stärksten, dann folgt auch schon die Bundesliga.
Warum gehen dennoch viele spanische Profis in die Bundesliga? Früher war es umgekehrt.
Man muss natürlich sagen, dass in Spanien generell eine absolute Krisenstimmung herrscht und natürlich hat es den Fussball auch erwischt. Die grossen Stars spielen immer noch in Spanien, aber die Spieler überlegen sich aus finanziellen Gründen ins Ausland zu gehen. Die Bundesliga hat ihren Stellenwert in Spanien. Das wird schon sehr respektiert und als wichtige Liga wahrgenommen. Das wird auch nicht aufhören, sondern so weitergehen, dass der ein oder andere Spieler nach Deutschland wechselt.
Die letzten Wochen hielt mit Javi Martinez ein Baske die Fans in Atem. Nun hat er bei den Bayern den Medzincheck absolviert, steht vor einer Unterschrift. Ist Martinez die 40 Millionen überhaupt wert?
Es geht nicht darum, ob er das wert ist. Er passt bei Bayern rein, aber die Last dieser 40 Millionen ist unglaublich. Da müsste Bayern schon sehr viel Arbeit leisten, um dem Jungen die nötige Ruhe zu geben. Er wird uns aber nicht gross überraschen, er ist ein Arbeitstier als Sechser, aber er ist kein neuer Zidan. Das ist schon ein hervorragender Profi und sieht nicht mal schlecht aus.
Für Bayerns Sport-Vorstand Matthias Sammer ist Martinez ein Spieler, der den Bayern noch fehlt.
Matthias Sammer wird das aus der näheren Distanz gesehen haben, dass so ein Spieler fehlt. Wir würden alle nicht so darüber reden, wenn nicht diese Wahnsinns-Summe von 40 Millionen im Raum stehen würde. Bei fünf Millionen würden wir über einen talentierten Jungen sprechen, aber diese Summe ist gnadenlos.
Können Sie eine Titel- bzw. Abstiegsprognose für die Bundesliga abgeben?
Es wird so sein wie in Spanien. Auch hier werden mit Dortmund und Bayern zwei Mannschaften um den Titel spielen. Ich sehe keinen, der den beiden ein Bein stellen kann. Im Keller wird ein ganz schöner Kampf von fünf, sechs Mannschaften. Ich hoffe natürlich, dass mein FC Augsburg wieder den Klassenerhalt schafft.











