Der Martinez-Megadeal und viele Fragezeichen
Von Jakob Gajdzik
München - Javier Martinez Aginaga, kurz: Javi Martinez.
Dieser Name sorgt rund um die Säbener Strasse seit Wochen beinahe täglich für Wirbel.
Nach seinem nächtlichen Medizincheck in München scheint die Wechsel-Saga um Bayerns Wunschkandidaten nun kurz vor dem Abschluss zu stehen.
Nur noch der Auflösungsvertrag beim spanischen Liga-Verband LFP und das Einreichen des 40-Millionen-Euro-Schecks sollen zwischen dem 23-Jährigen und dem deutschen Rekordmeister stehen.
Doch fix ist der Transfer erst, wenn bis zum Ende der Transferperiode am 31. August die Tinte unter dem Vertrag trocken ist. ()
Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sagte dazu am Mittwoch SPORT1: "Es ist ein bisschen wie vor Weihnachten, man muss Geduld haben!"
SPORT1 beleuchtet die wichtigsten Fragen rund um Bayerns möglichen Rekordtransfer.
* Warum fliegt Martinez in der Nacht zum Münchner Medizincheck?
Die Nacht- und Nebelaktion bei Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist bisher in der Bundesliga ohne Beispiel und sollte wohl vor allem eins bewirken: Nach dem wochenlangen Hick-Hack sollte Martinez im Schutz der Dunkelheit die ärztliche Untersuchung in der bayerischen Landeshauptstadt so unbemerkt wie nur möglich absolvieren.
Doch als er um kurz vor 4 Uhr morgens die Praxis durch den Hinterausgang verliess, wartete bereits eine Journalistentraube auf den spanischen Welt- und Europameister und machte seinen Blitz-Besuch öffentlich.
Zudem soll Martinez seinem Noch-Klub Bilbao seinen Ausflug zum FC Bayern verheimlicht haben. In der baskischen Heimat droht ihm deswegen nun Ärger. In welcher Form, wird sich noch zeigen.
Aktuell sind Mitspieler und Trainer vor dem Rückspiel der Europa League in Helsinki, Martinez sollte auf dem Trainingsgelände mit den Reservisten trainieren.
Athletic reagierte mit einer Pressemitteilung, in der der Verein betonte, von Martinez eine Erklärung für sein Verhalten gefordert zu haben.
* Kann der Martinez-Transfer noch platzen?
Theoretisch gesehen, ja.
Solange bis zum Ende der Transferfrist am 31. August keine Unterschrift unter einem Vertrag vorliegt, ist alles möglich. Nicht umsonst zieht sich der Transfer seit Wochen hin wie ein Kaugummi.
Der Spieler scheint unbedingt nach München zu wollen, wurde auch nicht für die beiden Ligaspiele gegen Betis Sevilla und Atletico Madrid sowie die Europa-League-Partie gegen Helsinki in den Kader berufen.
Eigentlich ein untrügerisches Zeichen für einen Transfer, doch mit Bilbaos Präsident Josu Urrutia sitzt ein grosser Sturkopf am langen Hebel und weigert sich bisher, seinen zentralen Mittelfeldspieler abzugeben.
Sportlich ist die Argumentation von Urrutia nachvollziehbar. Bilbao steht nach zwei Spieltagen der Primera Division mit null Punkten auf dem letzten Tabellenplatz.
* Kann der FC Bayern den Transfer erzwingen?
Trotz der festgeschriebenen Ausstiegsklausel von 40 Millionen Euro lautet die Antwort eher nein.
Laut FIFA-Regularien muss ein Spieler unter 28 Jahren einen neuen Vertrag bei einem Verein drei Jahre lang einhalten, falls der Klub einem Wechsel nicht zustimmt.
Wird dagegen verstossen, drohen harte Sanktionen.
Denkbar wäre eine Geldstrafe für Bayern und Martinez sowie eine viermonatige Sperre des Spielers und ein Transferverbot für den FCB für die folgenden beiden Transferperioden.
Die Bayern betonen, kein Risiko eingehen zu wollen, ein Wechsel um jeden Preis ist - besonders in der undurchsichtigen Paragraphen-Welt - deswegen unwahrscheinlich.
* Droht den Bayern ein steuerrechtliches Nachzahlungs-Wirrwarr?
Diese Frage beschäftigt die Münchner sehr intensiv. Die Summe der im Raum stehenden möglichen Nachzahlungen schwankt zwischen 6 und 20 Millionen Euro, manche Experten glauben dagegen, dass keine Steuer-Nachzahlung droht.
Doch nun scheint Bayern-Vorstand Rummenigge eine Lösung gefunden zu haben - telefonisch mit dem Ligaverband.
Das Problem ist folgendes: Martinez könnte sich aus seinem Vertrag mit der sogenannten "Buy-Out-Klausel" selbst freikaufen. Allerdings: Wenn der Spanier die 40 Millionen Euro des FCB für seinen Wechsel selbst beim Liga-Verband LFP hinterlegt, dann drohen steuerliche Nachschläge.
In welcher Höhe ist unklar.
"Selbst in Spanien ist das Steuerrecht schwer zu durchschauen und daher auch umstritten", sagte eine Sprecherin des Bundes der Steuerzahler Berlin im "dpa"-Gespräch.
Kommt es allerdings zu einem direkten Transfer der Klubs aus Bilbao und München, dann dürften sich die Bayern Mehrkosten in Millionenhöhe ersparen.
Und die Münchner liessen bereits durchblicken, dass sie nicht bereit sind, für steuerliche Nachschläge aufzukommen. Doch hier scheint nun ein Weg gefunden zu sein.
* Was bedeutet ein Martinez-Wechsel für den FC Bayern?
Zuallererst würde ein Wechsel des Welt- und Europameister in die Bundesliga eine neue Bestmarke aufstellen. 40 Millionen Euro für einen Spieler würden einen neuen Trabsferrekord bedeuten.
Martinez selbst ist auf drei Positionen einsetzbar: Zentrales Mittelfeld, Innenverteidiger und Rechtsverteidiger.
Alles deutet darauf hin, dass der spanische Nationalspieler einen Part der Münchener Doppel-Sechs einnehmen und - im Idealfall - Bastian Schweinsteiger als kreativen Kopf den Rücken freihalten soll.
Das bedeutet: Das ohnehin schon üppig besetzte Bayern-Mittelfeld bekommt einen Hochkaräter mehr.
Das sich dieser alleine schon wegen der Ablösesumme und der wochenlangen Anstrengungen auf die Bank setzt, erscheint mehr als unwahrscheinlich.
* Kann sich Bilbao einen Verlust von Martinez leisten?
Die sportliche Bilanz ist in der Liga mit null Punkten und 3:9-Toren verheerend. Allerdings fehlte Athletic in diesen Spielen auch der andere abwanderungswillige Superstar Fernando Llorente.
Dennoch bereitet sich der Europa-League-Finalist von 2012 bereits scheinbar auf eine Zeit nach Martinez vor.
Mit Betis-Spieler Benat Etxebarria, an dem auch der VfL Wolfsburg dran sein soll, und Nacho Monreal vom FC Malaga sollen zwei Nachfolge-Kandidaten ins Auge gefasst worden sein.
Das Problem: Der stolze Klub aus dem Baskenland lässt nur Spieler aus der Region das Trikot tragen - was den Kandidatenkreis stark einschränkt.
SPORT1



















