Neuer Anlauf unter erschwerten Bedingungen
Von Christian Stüwe
München - Das Warten auf Wunschspieler Javier Martinez bestimmt die Schlagzeilen rund um den FC Bayern, doch das Sorgenkind bleibt nach wie vor Bastian Schweinsteiger.
Der eigentliche Mittelfeldchef der Münchner leidet noch unter den Nachwirkungen der katastrophalen letzten Saison, die für Schweinsteiger von Verletzungen, Niederlagen und Enttäuschungen geprägt war.
In der Vorbereitung und den zwei Pflichtspielen der noch jungen Saison konnte der Nationalspieler noch nicht beweisen, dass er die traumatischen Erlebnisse der vergangenen Saison bereits abgehakt hat.
Am Samstag beim Bundesliga-Auftakt in Fürth wurde Schweinsteiger erst in der Schlussphase eingewechselt, im DFBPokal in Regensburg ebenso.
Beim LIGA total!-Cup scheiterte er gegen Werder Bremen gar abermals im Elfmeterschiessen, was die ohnehin noch frischen Erinnerungen an die denkwürdige Niederlage im Championsleague-Finale gegen Chelsea wieder wach werden liessen.
"Physisch down, demoralisiert"
"Jetzt kommt es drauf an, dass Jupp Heynckes ihn richtig aufbaut", brachte Mario Basler bei SPORT1 eine der wohl vordringlichsten Aufgaben des Bayern-Trainers auf den Punkt.
"Er war physisch down, demoralisiert", berichtete Heynckes in der "Süddeutschen Zeitung": "Jetzt habe ich seit zwei Wochen - seit er beschwerdefrei ist und wieder Vertrauen zu seinem Körper hat - das Gefühl, dass er richtig Spass an seinem Job hat."
Schweinsteiger mache "wieder Jokes", beim Training sei er mit Freude bei der Sache.
Doch für die Leaderrolle beim FC Bayern reicht die Verfassung Schweinsteiger offenbar nach wie vor nicht.
Heynckes will nichts überstürzen
"Ich werde es sehen und spüren, wann er wieder eingesetzt werden kann", sagte Heynckes.
Nichts überstürzen zu wollen sei eine der Lehren der vergangenen Saison, als sich der Anfang August 28 Jahre alt gewordene Mittelfeldspieler nach einem Schlüsselbeinbruch und einer Bänderverletzung am Knöchel von Spiel zu Spiel schleppte.
Offenbar besteht nach wie Gesprächsbedarf, um den Spieler wieder aufzubauen.
"Das ist zum Beispiel eine Sache, bei der Matthias Sammer einwirkt: Matthias spricht natürlich auch mit Bastian, da spielen wir Doppelpass, in solchen Fällen müssen wir harmonisch wie ein Sinfonieorchester funktionieren", sagte Heynckes.
Doch der neue Sportdirektor erhöht auch den Druck auf Schweinsteiger. "Basti findet wieder Vertrauen in Fuss und Körper", sagte Sammer kürzlich: "Er muss jetzt aber sehr, sehr gut arbeiten."
Harter Konkurrenzkampf
Denn sollte Schweinsteiger nicht bald wieder zur alten Form finden, könnte ihm die Konkurrenz den Rang ablaufen.
Sollte der FC Bayern die endlose Transfersaga mit Martinez zum gewünschten Ende bringen, dürfte ein Platz im defensiven Mittelfeld des Rekordmeisters alleine angesichts der gigantischen Ablösesumme von 40 Millionen Euro fix an den Spanier vergeben sein. (DIASHOW: Bayerns Transfermarkt)
"Sie wären ein ideales Paar", sagte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer über Martinez und Schweinsteiger.
Doch in Fürth machten auch Toni Kroos und Luiz Gustavo ihre Sache sehr ordentlich, mit Anatolyi Tymoshchuk hofft ein weiterer defensiver Mittelfeldspieler von internationalem Format auf Einsätze.
Schweinsteiger dürfte also durchaus bereits Druck verspüren. Und zwar nicht nur durch die Konkurrenz auf der Sechs.
Schweinsteiger nimmt Anlauf
Nach wie vor fehlt die Krönung seiner Karriere durch einen internationalen Titel, mit der "Schweini" auch die Kritiker verstummen lassen könnte, die ihm immer wieder Führungsqualitäten absprechen.
"Bei Bastian ist es so: Wenn er nicht immer ein Top-Spiel abliefert, bekommt er gleich schlechte Kritiken", erklärte der frühere Bayern-Spieler Basler: "Das hat er sich so ausgesucht - er wollte an die Spitze."
Nun nimmt Schweinsteiger einen neuen Anlauf, um genau dorthin zu gelangen.
Ob er die Enttäuschungen der letzten Saison dabei aus dem Hinterkopf bekommen kann, wird sich schon bald zeigen.
SPORT1



















