Nervige ''Hampelei'': Sammer unter Beschuss
Von Andreas Kloo
München - Sportlich ist dem FC Bayern der Start in die neue Saison mit einem lockeren 3:0-Erfolg in Fürth bestens geglückt.
Dennoch birgt die Lage beim Rekordmeister Brisanz. Verantwortlich dafür ist das hochexplosive Gemisch der beiden Alphatiere Heynckes/Sammer.
Trainer Jupp Heynckes selbst sagt zwar über das Verhältnis zum neuen Sport-Vorstand: "Die Zusammenarbeit mit Matthias Sammer ist klasse."
Doch Experten von ausserhalb legen schon einmal die Lunte. Der Tenor der Kritik: Sammer überschreite seine Kompetenzen, greife als eine Art Schattentrainer zu stark in Heynckes' Hoheitsgebiet ein.
"Hampelei muss nicht sein"
Trainerlegende Udo Lattek wendet sich gar mit direkter Kritik an Sammer.
"Diese Hampelei auf dem Platz muss nicht sein", sagt der SPORT1-Experte in der "tz" über seinen ehemaligen Assistenten.
Zusammen mit Sammer rettete Lattek als "Feuerwehrmann" Borussia Dortmund im Jahr 2000 vor dem Abstieg.
"Ich mag Matthias Sammer sehr, aber ich weiss nicht, ob das unbedingt so richtig ist. Auf jeden Fall ist es so, dass der Trainer die Anerkennung der gesamten Mannschaft haben muss. Wenn er die nicht hat, dann wird es schwierig", führt er weiter aus.
Der 77-Jährige zeigt sich äusserst skeptisch: "Ich weiss nicht, welche Absprache die beiden untereinander haben, aber diese Situation ist doch sehr, sehr kritisch."
Kahn fordert klare Aufgabenverteilung
Auch Ex-Torhüter Oliver Kahn warnt in der "Bild": "Einmischungen in das Hoheitsgebiet des Trainers bergen Konfliktpotenzial, dass sich im Fall von Misserfolgen schnell entlädt."
Allgemein gelte: "Die Konstellation Trainer/Sportdirektor funktioniert, wenn die Aufgabenverteilung klar definiert ist und von allen Beteiligten respektiert wird. Für die Spieler muss immer klar sein, wer in welchen Bereichen das Sagen hat."
Doch Kahns Beobachtungen zufolge kann man von einer klaren Aufgabenverteilung nicht sprechen:
"Sammers starke Präsenz auf dem Trainingsplatz und seine öffentlichen Kommentare zur Spieltaktik lassen ihn aktuell eher wie einen zweiten Trainer erscheinen."
Sammer als Befehlsgeber?
Auch Rekordnationalspieler Lothar Matthäus beschreibt Sammer im Gespräch mit SPORT1 als eine Art Schattentrainer: "Wenn man in den Fernseher schaut, sieht man immer Sammer an Heynckes' Seite und eigentlich erklärt Sammer ihm, was er zu tun hat. So kommt es jedenfalls für den Zuschauer rüber."
Heynckes selbst scheint die ständige Präsenz Sammers - auch am Trainingsplatz - nichts auszumachen.
Bruchhagen: "Das nervt"
Dafür interpretieren andere, wie sich der Bayern-Coach mit Sammer im Rücken wohl fühlen mag.
Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen sagte bei "Sky": "Ich kann mir gut vorstellen, dass Heynckes das nervt."
Mit seiner eigenen Meinung hielt Bruchhagen nicht hinter dem Berg: "Wenn bei mir einer im Rücken so rumgezeigt hätte, hätte ich gesagt: 'Jetzt pass mal auf, mein Freund. Jetzt schleich dich oben in dein Büro und guck von mir aus hin, wo auch immer du willst'."
Ehrenpräsident Franz Beckenbauer pflichtet Bruchhagen bei: "Wenn sich plötzlich alles nur noch um Sammer, Sammer, Sammer dreht, wirst du als Chefcoach natürlich eifersüchtig."
Vertragsverlängerung fraglich
Angesichts dieser für ihn unangenehmen Konstellation erscheint es höchst fraglich, dass Heynckes seinen im Juni 2013 auslaufenden Vertrag bei den Bayern verlängert.
Am Wochenende hatte er in einem Interview mit der "SZ" bereits seinen Abschied angekündigt, war allerdings hinterher zurückgerudert.
Gut möglich, dass Heynckes - erst recht im Falle des Misserfolgs - seiner "Eifersucht" bald Luft macht. Bei dessen Wutrede am Gardasee waren bereits erste Vorboten zu vernehmen.
Lattek rechnet fest mit baldigen Konflikten: "Dass diese zwei Menschen Probleme miteinander bekommen, in welcher Art auch immer, ist klar und nicht leicht zu regeln."
SPORT1



















