Fortuna und Eintracht: Filets statt Bratwürste
Von Martin Hoffmann
München - An Igor Dobrowolski erinnern sie sich noch gut in Düsseldorf.
Jenen Ballkünstler aus Russland, der einst im Pelzmantel durch die sommerliche Rheinmetropole lief - und auch so spielte, wie jemand, der bei 25 Grad Pelz trägt: beständig wechselnd zwischen genial und wahnsinnig.
Vor dem Saisonstart war von Dobrowolski wieder oft die Rede: Immer wieder wurde nämlich erwähnt, dass er der letzte Spieler war, der anno 1997 für Fortuna Düsseldorf in der Bundesliga getroffen hatte.
Bis Dani Schahin kam und der Fortuna nach 15 Jahren ein rauschendes Comeback im Oberhaus bescherte.
Party "in allen Kneipen"
Beide Tore schoss der Joker innerhalb von zehn Minuten beim 2:0-Sieg in Augsburg, der für ihn wie "Weihnachten und Ostern an einem Tag" war.
So ähnlich sah die emotionale Lage am Wochenende in ganz Düsseldorf aus.
Fortuna-Präsident Peter Frymuth dürfte jedenfalls grob richtig getippt haben, als er im "Express" prophezeite, "dass jetzt in allen Düsseldorfer Kneipen und drumherum gefeiert wird".
Zumal später auch noch die Pokalauslosung ein Traumduell bescherte: den Derbykracher gegen Borussia Mönchengladbach, zu Hause in der Esprit Arena.
Alle reissen sich um Schahin
Als Held des Tages hatte den Ersatzstürmer vorher keiner auf der Rechnung. Hinterher rissen sich alle um ihn.
Vom Lokalreporter bis zum Sportstudio-Moderator, allen sollte er hinterher seine Geschichte erzählen.
Wo er herkommt ("Meine Mutter ist Ukrainerin, mein Vater Palästinenser aus Libanon"), wofür er vor dem Spiel betete ("dass meine Knochen heil bleiben"), wie er sich fühlte ("ganz toll").
Frankfurt überrascht den eigenen Boss
Die Düsseldorfer Comeback-Party blieb nicht die einzige des Abends.
Auch Eintracht Frankfurt meldete sich erfolgreich im Oberhaus zurück und überraschte mit dem überzeugenden 2:1-Heimsieg gegen Bayer Leverkusen sogar den eigenen Klubboss.
Der bekennende Realist Heribert Bruchhagen bekannte hinterher in der "Frankfurter Rundschau", dass er der Mannschaft einen solchen Coup "nicht zugetraut" hätte.
Bedenken weggewischt
Bruchhagen hatte auch Grund zur Skepsis: Die Innenverteidigung mit dem gerade erst verpflichteten Carlos Zambrano und dem angeschlagenen Bamba Anderson erschien als Unsicherheitsfaktor, die Pokalpleite in Aue als schlechtes Omen.
In einer turbulenten Partie wischten die Tore von Stefan Aigner und dem eingewechselten Martin Lanig die Bedenken hinweg.
Kapitän Pirmin Schwegler konnte deshalb festhalten: "Nach dem Pokal-Aus in Aue waren wir Bratwürste, heute sind wir Rinderfilets."
Fürth bekommt Grenzen aufgezeigt
Nur der dritte Liga-Neuling bekam am Samstag vorgeführt, dass er noch nicht so hoch in der Nahrungskette steht.
Die SpVgg Greuther Fürth hatte in ihrem Premierenspiel im Oberhaus allerdings auch die schwierigste Aufgabe: Gegen die 0:3-Pleite gegen den FC Bayern konnten auch die 18.000 Fans nichts ausrichten, die in der ausgebauten Trolli-Arena fast jede gelungene Aktion bejubelten.
Die Kleeblätter empfanden die erwartbare Pleite nicht als Tiefschlag mehr als wertvolle Lehrstunde.
Komplimente von den Bayern
"Wir müssen damit leben und können damit leben", hielt Trainer Michael Büskens fest: "Wir können viel mitnehmen aus diesem Spiel. Speziell in der ersten Halbzeit haben wir uns als Team gut präsentiert."
Hierfür gab es auch vom Gegner Komplimente: Bayerns Arjen Robben befand, dass sich gegen die defensiv zumeist wohlorganisierten Fürther "noch einige Mannschaften richtig schwertun werden".
Etwas Besseres als tröstende Worte wäre womöglich drin gewesen, wenn in der Sommerpause nicht ein gewisser Abgang gewesen wäre.
Dani Schahin, der Held von Düsseldorf, war bis zum Ende der vergangenen Saison noch Fürther.
SPORT1



















