Trotz Störfeuern: Bayern zeigt neuen Hunger
Von Jakob Gajdzik
München - Einen Moment lang hörten die Münchner die Störgeräusche nicht, stattdessen genossen die Bayern nach dem 3:0-Sieg bei Greuther Fürth den Blick auf die Tabelle und den just zum Saisonstart eroberten Platz 1.
Dass Wunschkandidat Javier Martinez immer noch in Bilbao weilt und nicht in München auf Wohnungssuche geht, verdrängten die Roten ebenso wie die Debatte um ihren Trainer.
Dabei hatte die Jupp Heynckes mit den vieldeutigen Aussagen zu seiner Zukunft selbst entfacht (BERICHT: Heynckes: Entscheidung erst im Frühjahr).
Der 67-Jährige hatte im "SZ"-Interview von einem "Lebensabschnitt" gesprochen, der im Sommer zu Ende gehe, das dann aber relativiert.
Die endgültige Entscheidung fällt demnach im Frühjahr.
"Die Mannschaft brennt"
Ohnehin wollte Heynckes lieber über sein Team sprechen.
"Sehr souverän, sehr clever, sehr klug", habe er seine Mannschaft gesehen, sagte der Trainerroutinier nach der Partie, die durch Treffer von Thomas Müller (41.), Mario Mandzukic (59.) und das Eigentor von Thomas Kleine (79.) entschieden wurde .
Seine Schlussfolgerung: "Die Mannschaft hat demonstriert, dass wir in dieser Saison erfolgreicher sein wollen. Wir haben uns in dieser Saison sehr viel vorgenommen. Die Mannschaft brennt, sie ist hochmotiviert, wir alle arbeiten sehr gut."
Zu Beginn sah es allerdings noch anders aus, vor Müllers Abstaubertreffer nach einer Ecke mühten sich die Münchener gegen aggressive Hausherren mehr als ihnen lieb war.
"Wir sind ja nicht da, dass uns das Spiel gefällt, sondern, dass wir gewinnen. Wir sind glücklich, dass wir zum Auftakt gewonnen haben und alles andere ist uninteressant", zeigte sich der Torschütze bei "Sky" nach dem Spiel pragmatisch.
Robben an zwei Toren beteiligt
Im zweiten Durchgang der Partie drehte Arjen Robben kräftig am Schwungrad.
Der in der letzten Saison häufig kritisierte Niederländer bereitete das zweite Tor mit einem Sprint über die rechte Seite vor, beim dritten Treffer fälschte Fürths Innenverteidiger Kleine seine Flanke ins Tor ab.
"Das Wichtigste für uns ist, dass wir stabil bleiben, dass wir uns weiter verbessern und gleich am Anfang eine Serie hinlegen. Wir haben jetzt zwei Heimspiele und hoffentlich zwei weitere Siege", erklärte Robben.
Auch wenn nach dem ersten Spieltag die Aussagekraft der Tabelle noch sehr gering ist, könnte eine Randnotiz das Selbstvertrauen der Bayern weiter steigen lassen.
Bayern vor Dortmund
Die Roten stehen das erste Mal seit dem 19. Spieltag der vergangenen Saison wieder vor Borussia Dortmund, dass ihnen in den vergangenen beiden Jahren die heissgeliebte Meisterschale entrissen hat.
Machen die Bayern so weiter, könnte es auch für Heynckes weitergehen.
"Wenn er richtig Freude an der Saison findet - und daran arbeiten wird - wieso sollen wir uns dann begrenzen?", sagte Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer bei LIGA total! zu einer möglichen Verlängerung des "Lebensabschnittes" des 67-Jährigen.
Sammer lobte auch explizit das gute Verhältnis zum Bayern-Coach und bezeichnete ihn als "Weltmann".
Heynckes selbst schloss eine Weiterbeschäftigung seines bis zum 31.06.2013 laufenden Vertrages ebenfalls nicht aus, zeigte sich aber nicht erstaunt, dass ihm seine Aussagen als endgültig ausgelegt wurden.
Karriereende auch 2014 möglich
"Ich kann verstehen, dass meine Aussagen Interpretationsspielraum zulassen", sagte er, ergänzte allerdings: "Der Lebensabschnitt kann auch 2014 zu Ende gehen."
Die Entscheidung läge aber nicht bei ihm alleine, fügte Heynckes hinzu: "Wir haben eine klare Abmachung, Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstand und ich, dass wir uns im Frühjahr zusammensetzen."
Fürth bekommt Grenzen aufgezeigt
Dem Aufsteiger aus Fürth zeigten die frisch-motivierten Bayern gleich, welcher Wind in der Bundesliga weht.
"Nach dem 0:1 war es sehr schwer gegen die Bayern, gegen diese internationale Spitzenmannschaft, die haben dann den Ball schön laufen lassen", analysierte SpVgg-Trainer Mike Büskens.
Bis dato wehrten sie die "Kleeblätter" mit grossem Einsatz und einer hohen Aggressivität, fanden aber im Offensivspiel gar nicht statt.
Büskens: "Steht jetzt eins zu eins"
Immerhin nahm Büskens die Premieren-Pleite seiner Mannschaft mit einem Augenzwinkern.
"Beim Vergleich Bayern gegen Büskens steht es eins zu eins", sagte der Fürther Trainer.
Am 29. Spieltag der Saison 2008/2009 sass Büskens als Schalker Interimstrainer auf der Bank und gewann mit den Königblauen 1:0 in München.
Dieses Glück war ihm diesmal nicht hold.
SPORT1



















